Chapter

200 Jahre Heidelberger Romantik

Volume 51 of the series Heidelberger Jahrbücher pp 369-387

Schelmuffsky trifft Soemmerring Brentanos und Görres’ Bogs als teuflische Parodie

  • Maximilian BergengruenAffiliated withDeutsches Seminar der Universität Basel

* Final gross prices may vary according to local VAT.

Get Access

Auszug

Gegenstand meiner Untersuchung ist Joseph Görres’ und Clemens Brentanos Bogs aus dem Jahre 1807.1 Mich interessiert an diesem Text das Zusammenspiel zweier seiner auf den ersten Blick vollkommen unterschiedlichen Agenten: nämlich einerseits der Physiologen Dr. Sphex, Dr. Schnauznas und Dr. Galmaliel, die Bogs’ Gehirn untersuchen, und andererseits der Figuren aus Christian Reuters spätbarockem Roman Schelmuffsky (1697), auf die die Mediziner während ihrer Vivisektionen in Bogs’ Gehirn stoßen. Abstrahiert man von den Figuren auf die wissens- und literarhistorischen Hintergründe der Geschichte, dann ist es mir um die Konfrontation zweier unterschiedlicher, intertextuell zu verstehender Ebenen der Erzählung zu tun: die reiche Bilder- und Vorstellungswelt eines Lügenromans aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert und die zeitgenössische, also ziemlich genau 100 Jahre jüngere, und ungleich nüchternere Gehirnphysiologie eines Samuel Thomas Soemmerring und seiner Nachfolger. Ich möchte zeigen, dass in Brentanos und Görres’ Bogs ein Tertium Comparationis dieser auf den ersten Blick unvereinbar scheinenden Figurenund Text-Ebenen angeboten wird: der Teufel mit seinen fantastisch-komischen Fähigkeiten zur Parodie.