Chapter

Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten

pp 77-97

Geschlechterungleichheiten im intergenerationalen Bildungstransfer in der Schweiz

  • Sandra Hupka-Brunner
  • , Robin Samuel
  • , Evéline Huber
  • , Manfred Max Bergman

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Zusammenfassung

Bildungsverläufe sind in den letzten Jahrzehnten heterogener und diskontinuierlicher geworden (Blossfeld und Shavit 1993). Trotz zunehmender Pluralisierung der Lebensverläufe bestehen soziale Ungleichheiten fort und verschärfen sich sogar stellenweise (Berger und Kahlert 2005; Buchholz et al. 2009; Lamprecht und Stamm 1996). Widmer und Ritschard (2009) gehen davon aus, dass die Pluralisierung von Lebensverläufen in der Schweiz geschlechtsspezifischen Mustern folgt. Das wirft die Frage auf, inwiefern sich damit – neben sozialen Ungleichheiten, die auf verschiedener sozioökonomischer oder kultureller Herkunft beruhen – auch geschlechtsspezifische soziale Ungleichheitsmuster verbinden. Gut belegt ist ein beträchtlicher Wandel im Bildungsverhalten von Männern und Frauen, der in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat: Junge Frauen gelten dabei als Gewinnerinnen der Bildungsexpansion, weil sie die jungen Männer bei den höheren Bildungsabschlüsse überholt haben (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008; SKBF 2010: 113, 122). Die erhöhte Bildungsbeteiligung von Frauen scheint sich aber bislang nicht in einer stärkeren Vertretung in höheren beruflichen Positionen oder ihren Ausbildungen entsprechenden Löhnen widerzuspiegeln (Bielby und Baron 1994; Cornelißen 2005; Leemann und Keck 2005; Magnusson 2009). Frauen und Männer orientieren sich bei der Ausbildungswahl immer noch an geschlechtsspezifischen Berufsbildern (Eccles 2005; Leemann und Keck 2004), gleiches gilt für Lehrstellenverantwortliche, wie Imdorf (2006) es für einige ausgewählte Berufsfelder zeigen konnte. Viele Berufsfelder werden nach wie vor von einem Geschlecht dominiert (Leemann und Keck 2005; Schafroth 2004). Zudem konnte für die Schweiz nachgewiesen werden, dass junge Frauen häufiger verzögert in eine zertifizierende Sek. II-Ausbildung1 einsteigen (Hupka 2003; Hupka et al. 2006).