, Volume 46, Issue 3, pp 406-431

Normative Modelle, institutionelle Typen und beobachtbare Verhaltensmuster: Ein Vorschlag zum Vergleich parlamentarischer Demokratien

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Zusammenfassung

Der Beitrag schlägt eine zweidimensionale, institutionelle Bestimmung von Typen parlamentarischer Demokratien vor, im Hinblick auf die Proportionalität des Wahlsystems einerseits und (quasi-)legislative Vetopunkte andererseits. Dabei werden drei Grundtypen der parlamentarischen Demokratie unterschieden: die pluralitäre, die majoritäre und die supermajoritäre. Die Typologie hat bedeutsame Vorteile gegenüber dem Ansatz von Arend Lijphart. Sie lässt sich durch eine zweidimensionale Konzeptualisierung konsistent fundieren, sie schließt an zentrale Kontroversen der normativen Demokratietheorie an, sie ermöglicht eine systematische Anknüpfung an handlungstheoretische Ansätze wie die Vetospielertheorie und sie stellt die Eigenarten der majoritär verfassten Demokratie heraus, welche bei Lijphart systematisch unterbelichtet bleiben. Die wichtigste Variante dieses Typs zeichnet sich durch die Anwendung des Proporzprinzips im Wahlsystem und des Mehrheitsprinzips im Gesetzgebungsprozess aus. Es wird gezeigt, dass in diesen Demokratien die legislative Mehrheitsregel selbst zu „konsensualen“ Verhaltensmustern beitragen kann.

Abstract

The article proposes a two-dimensional, institutional determination of types of parliamentary democracy, with respect to the proportionality of the electoral system and (quasi-)legislative veto points. Three basic types of parliamentary democracy are distinguished: pluralitarian, majoritarian and supermajoritarian. The typology has important advantages over the approach of Arend Lijphart. It has a consistent two-dimensional conceptual foundation, it can be directly related to central controversies in normative democratic theory, it can be systematically linked to action theory approaches such as Veto Player Theory, and it highlights the characteristics of democracies with majoritarian constitutions, which are systematically downplayed in Lijphart’s approach. The most important variant of this type uses a proportionality principle in the electoral system and a majoritarian principle in the legislative system. It is shown that in these democracies, legislative majority rule can itself contribute to “consensual” patterns of behavior.

Für hilfreiche Diskussionen danke ich den Teilnehmern an Seminaren folgender Institutionen: dem Mannheimer Zentrum für europäische Sozialforschung, dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, der Universität zu Köln, dem Zentrum für Demokratieforschung in Lüneburg sowie dem DVPW-AK Handlungs- und Entscheidungstheorie. Für Überarbeitungsvorschläge danke ich den Gutachtern der PVS sowie Matthijs Bogaards, Thomas Bräuninger, Simone Burkhart, Simon Franzmann, Philip Manow, Thomas Plümper, Fritz W. Scharpf, Henrike Schultze, Eric Seils und Ulrich Sieberer. Für die Überlassung von Daten zur legislativen Kabinettsunterstützung danke ich Hendrik Zorn, für Forschungsassistenz Dennys Hill.