, Volume 47, Issue 3, pp 194-201
Date: 01 Mar 2014

Traumatische Erfahrungen in der älteren deutschen Bevölkerung

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Zusammenfassung

Hintergrund

Der Zweite Weltkrieg ist das wohl erschütterndste und schwerwiegendste historische Ereignis der jüngeren Vergangenheit. Die Erforschung der gesundheitlichen Folgen der traumatischen Erfahrungen hat erst in den letzten Jahren begonnen.

Ziel der Arbeit

Es wird ein Überblick über die Befunde aus bevölkerungsbasierten Studien zu den psychischen und körperlichen Folgen traumatischer Erfahrungen der heutigen älteren Bevölkerung (vor 1946 geboren), insbesondere aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gegeben.

Material und Methoden

Die präsentierten Daten stammen aus mehreren großen bevölkerungsrepräsentativen Studien zu verschiedenen Aspekten körperlicher und psychischer Beschwerden sowie traumatischen Ereignissen.

Ergebnisse

Von mindestens einem traumatischen Ereignis berichten 40–50 % der Älteren, wobei kriegsbezogene traumatische Ereignisse eine zentrale Rolle spielen. Die traumatischen Erfahrungen gehen mit erhöhten Raten depressiver und somatoformer Störungen, posttraumatischer Belastungsstörungen, aber auch körperlicher Erkrankungen einher. Sie sind zudem mit erhöhter medizinischer Inanspruchnahme assoziiert.

Schlussfolgerungen

Die Befunde unterstreichen wie langfristig und vielfältig die Folgen traumatischer Erfahrungen sind. Einige der Älteren benötigen psychotherapeutische Betreuung. Ein spezieller Behandlungsansatz, die internetbasierte Schreibtherapie (integrative Testimonial-Therapie, ITT) wird deshalb kurz vorgestellt. Die Mehrheit der Älteren ist jedoch in anderen Bereichen der medizinischen Versorgung zu finden. Es ist deshalb wünschenswert, den historisch-biographischen Hintergründen mehr Beachtung zu schenken und aktuelle Beschwerden auch vor diesem Hintergrund zu sehen.

Abstract

Background

World War II (WWII) is probably the most distressing and fatal historical event in Europe’s recent past. Research on mental and physical health sequelae of these traumatic experiences from WWII has only started recently.

Objectives

An overview on the findings from several population-based studies investigating the mental and physical health outcomes of traumatic experiences in the German elderly (born prior to 1946), especially from WWII, is given.

Material and methods

The results presented here are based on several population-based representative studies regarding several aspects of mental and physical health in the elderly.

Results

About 40–50 % of the elderly German population report at least one traumatic event, mostly from WWII. Traumatic experiences are related to higher rates of depressive and somatoform disorders, posttraumatic stress disorder, and physical morbidity, which are associated with increased health care utilization.

Conclusion

The findings underline that the negative effects on health are long-term, manifold, and serious. Some of the elderly need psychotherapeutic interventions. Thus, a specific internet-based psychotherapeutic approach (ITT) is briefly presented. However, the majority of the elderly generally use other kinds of medical care, such as primary care, inpatient care, and geriatric care. It seems useful and necessary to pay more attention to the historical and biographical backgrounds of the patients to see and understand the current symptoms from this aspect.