Der Nervenarzt

, Volume 85, Issue 3, pp 356–362

Kriegstraumata und PTBS bei deutschen Kriegsüberlebenden

Ein Vergleich ehemaliger Soldaten und Frauen des Zweiten Weltkriegs
Originalien

DOI: 10.1007/s00115-013-3794-8

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Nandi, C. Nervenarzt (2014) 85: 356. doi:10.1007/s00115-013-3794-8
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Zusammenfassung

Kriegserlebnisse können bei Überlebenden zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen. Inwieweit waren auch die Soldaten und jungen Frauen des Zweiten Weltkriegs im Laufe ihres Lebens von PTBS-Symptomen betroffen oder sind es gar noch heute? Unterscheiden sich die damals jungen Männer und Frauen in ihren traumatischen Erfahrungen und der darauffolgenden Ausprägung von Symptomen einer Traumafolgestörung? Zur Untersuchung dieser Fragestellung wurden 52 Männer und 20 Frauen im Alter zwischen 81 und 95 Jahren über Zeitungsannoncen und Aushänge gewonnen und hinsichtlich Kriegserlebnissen und PTBS-Symptomen interviewt. Bei den Männern erfüllten 2 % eine aktuelle und 7 % eine Lebenszeit-PTBS-Diagnose, im Vergleich zu 10 bzw. 30 % bei den Frauen. Anhand einer multiplen linearen Regression konnte ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen der Anzahl der erlebten Traumatypen und der PTBS-Symptomausprägung gezeigt werden, dessen Steigung für Frauen stärker ausfiel als für Männer. Frauen berichteten bei einer vergleichbaren Anzahl verschiedener traumatischer Erlebnisse eine signifikant höhere PTBS-Symptomausprägung als Männer. Es ist anzunehmen, dass dieser Unterschied in der Symptomausprägung auf qualitative Unterschiede in der Art der traumatischen Erlebnisse während des Krieges zurückzuführen ist. Die vorliegende Untersuchung gibt Hinweise darauf, dass auch heute noch Menschen aufgrund der Ereignisse im Zweiten Weltkrieg von PTBS-Symptomen betroffen sind. Im Patientenkontakt mit dieser Altersgruppe sollte demnach auch bedacht werden, dass die selbst lange zurückliegenden Kriegserfahrungen zum Symptombild beitragen können.

Schlüsselwörter

Zweiter Weltkrieg Posttraumatische Belastungsstörung Traumatische Ereignisse Geschlechtsunterschiede Hohes Lebensalter 

War trauma and PTSD among German war survivors

A comparison of former soldiers and women of World War II

Summary

Stressful war experiences can cause posttraumatic stress disorder (PTSD) in survivors. To what extent were the soldiers and young women of World War II affected by PTSD symptoms over the course of their lives? Do these men and women differ in the traumatic experiences and PTSD symptom severity? To investigate these questions 52 male and 20 female Germans aged 81–95 years were recruited through newspaper advertisements and notices and interviewed regarding war experiences and PTSD symptoms. Of the men 2 % and 7 % met the criteria for current and lifetime PTSD diagnoses, respectively, as compared to 10 % and 30 % of the women, respectively. Using multiple linear regression a dose-response relationship between the number of trauma types experienced and PTSD symptom severity could be demonstrated. The slope of the regression curve was steeper for women than for men. When controlling for the number of different traumatic experiences women reported a significantly higher severity of PTSD symptoms than men. It is presumed that this difference in severity of symptoms can be attributed to qualitative differences in the type of traumatic stress factors during the war. The present study provides evidence that even today people continue to be affected by PTSD symptoms due to events which occurred during World War II; therefore, during patient contact with this age group the war experiences specific to each individual need to be considered as potential moderators of symptoms.

Keywords

World War II Posttraumatic stress disorder Traumatic events Gender differences Old age 

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013

Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Klinische NeuropsychologieUniversität KonstanzKonstanzDeutschland

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