, Volume 81, Issue 1, pp 55-65
Date: 15 Jul 2009

Autismus und autistische Störungen

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Zusammenfassung

Der Begriff Autismus hat sich seit seiner Entstehung stetig gewandelt. Im historischen Rückblick zeigt sich, dass er zunächst sowohl in der Erwachsenen- als auch der Kinderpsychiatrie als schizophrenes Symptom aufgefasst wurde. Im Laufe der Zeit vollzog sich ein Wandel, sodass Autismus als Störungsbild innerhalb der Kinderpsychiatrie eine eigenständige Entwicklung nahm. Dank Leo Kanner und Hans Asperger erhielt es seine heutige Bedeutung. Aktuell wird Autismus im Zusammenhang mit den autistischen Störungen zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gezählt und findet aufgrund der hohen Stabilität im Verlauf auch wieder verstärkt in der Erwachsenenpsychiatrie Beachtung. Zum besseren Verständnis dieser Entwicklung wird der Weg von der Entstehung einschließlich der Rezeption durch Kanner und Asperger nachgezeichnet. Auf der Suche nach zentralen Merkmalen finden sich beim Autismus Einschränkungen in der sozialen Kommunikation und Interaktion, die durch zugrunde liegende Defizite der sozialen Kognition erklärt werden. Diese Einschränkungen in der sozialen Kognition können als das zentrale Charakteristikum von Autismus verstanden werden, das sich seit Beginn der Beschreibung dieses Phänomens als Konstante findet. So wird auch der Frage nachgegangen, welchen Beitrag die experimentelle psychopathologische Forschung für ein vertieftes Verständnis des Krankheitsbildes leisten kann.

Abstract

Since its first use in medical literature the meaning of the term autism has constantly changed. An historical overview indicates that in both adult and child psychiatry autism was first used to refer to a symptom of schizophrenia. Later on the use of the term in child psychiatry took a different independent course, which led to present-day conceptualization of autism, mainly due to the work of Leo Kanner and Hans Asperger. Currently autism and autistic disorders are regarded as severe developmental disorders and, due to their stable nature, have gained considerable attention in adult psychiatry. In order to better understand this development, the path from onset to reception is traced via Kanner and Asperger. In the search for central characteristics of autism, one finds restrictions in social communication and interaction, which can be explained by fundamental deficits in social cognition. These restrictions in social cognition can be considered the central characteristic of autism – one which has been a constant since the phenomenon was first described. Our historical review considers to what extent experimental psychopathological research can deepen our understanding of the disorder.