, Volume 76, Issue 1, pp 43-51

Psychosoziale Merkmale bei Gehörlosen

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Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit werden Daten aus einer Spezialambulanz für Gehörlose an einem Allgemeinkrankenhaus dargestellt. Die Mitarbeiter der Ambulanz sind gebärdensprachkompetent und setzen sich aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen. Es wurden 352 konsekutive Patienten, die in die Betreuung der Ambulanz kamen, präventivmedizinisch untersucht und spezielle psychosoziale Faktoren beurteilt. In den sozialen Beziehungen zeigte sich bei den Gehörlosen eine sehr starke Orientierung auf ebenfalls gehörlose Menschen, für die die Gebärdensprache eindeutig bevorzugtes Kommunikationsmittel ist. So haben z. B. 85% der Gehörlosen, die in einer Partnerschaft leben, ebenfalls einen gehörlosen Partner, während aber nur 10,1% der Kinder von Gehörlosen auch hörbehindert sind. Verglichen mit Untersuchungen an Hörenden zeigen sich bei ausgewählten psychischen Störungen (ICD 10, F1, F2, F3, F4, F6) ähnliche Häufigkeiten bei Gehörlosen, wobei der Anteil von Patienten mit somatoformen Störungen bei den Gehörlosen höher zu sein scheint. Im Vergleich zur hörenden Allgemeinbevölkerung klagen Gehörlose signifikant häufiger über verschiedene körperliche Beschwerden sowie über Nervosität, Ängstlichkeit, Überlastung, Überforderung. Versorgungseinrichtungen für Gehörlose sollten der besonderen Beschwerdeschilderung Gehörloser durch gebärdensprachkompetente Therapeuten Rechnung tragen. Nur dadurch kann den Gehörlosen ein gleichberechtigter Zugang zu Gesundheits- und Sozialdiensten ermöglicht werden.

Summary

In this publication, data from a special outpatient clinic for deaf patients in a general hospital are presented. All members of the treatment team have competency in sign language. From the patients who consecutively attended the outpatient clinic, 352 were investigated for medical and psychosocial problems. In social contacts, there is a strong orientation towards other deaf people, and communication is mainly based on sign language. Of the deaf patients, 85% of their partners are also deaf, whereas only 10.1% of children of the deaf group are also deaf. The prevalence of selected psychiatric disorders (ICD 10 F1, F2, F3, F4, F6) in deaf people was found to be similar to that in hearing populations, with the exception of somatoform disorders, which seem to be more frequent in the deaf. Deaf people also more often present with somatic and other complaints such as nervousness, anxiety, and stress. With specific outpatient clinics for the deaf in which members of the therapeutic team are competent in sign language, access to health services is equally possible for deaf people.