Prävention von Verletzungen bei kleinen Kindern

Leitthema

DOI: 10.1007/s00103-014-1971-y

Cite this article as:
Ellsäßer, G., Trost-Brinkhues, G. & Albrecht, M. Bundesgesundheitsbl. (2014) 57: 681. doi:10.1007/s00103-014-1971-y

Zusammenfassung

Epidemiologische Studien in Deutschland zeigen, dass bei Verletzungen Säuglinge und kleine Kinder am stärksten gefährdet und schutzbedürftig sind. Von allen Kindern unter 15 Jahren haben diese die höchsten Raten bei den tödlichen und schweren Verletzungen. Ziel dieses Beitrages ist daher, aus wissenschaftlicher Sicht darzustellen, welche Maßnahmen in der Unfallprävention für diese Altersgruppe als erfolgreich gelten. Es werden einerseits internationale Fachempfehlungen, andererseits evidenzbasierte Erkenntnisse zu Interventionen auf der Grundlage von Cochrane Reviews vorgestellt. Die WHO empfiehlt für die 4 häufigsten Verletzungsmechanismen bei Kindern (Ertrinken, Vergiftungen, Verbrennungen und Stürze) ein Bündel von Maßnahmen aus Gesetzgebung, Regelungen, Umweltveränderung, Bildung und notfallmedizinischer Versorgung. Metaanalysen zur Wirksamkeit von Interventionen bezogen auf die Sicherheit im häuslichen Bereich stellten fest, dass die persönliche Elterninformation (face-to-face) und diese verbunden mit einer kostenlosen Sicherheitsausstattung (wie Treppenschutzgitter, Rauchmelder) die Sicherheitspraktiken der Eltern signifikant erhöhten. Hierzu gehörte auch der Verzicht auf eine Lauflernhilfe. Komplexe Elternbildungsprogramme (als Hausbesuchsprogramme bzw. in pädiatrischen Einrichtungen) hatten den größten Effekt, da sie die häuslichen Unfälle der Kinder nachweislich reduzierten. Die Prävention von Verletzungen bei kleinen Kindern sollte einen komplexen und datengestützten Ansatz verfolgen. Die Frühen Hilfen auf kommunaler Ebene sind besonders geeignet, die Unfallprävention im häuslichen Bereich zu integrieren, da sie mit Familienbesuchsprogrammen verbunden sind.

Schlüsselwörter

Verletzung Säuglinge Kleine Kinder Wirksame Interventionen Elternbildungsprogramm 

Injury prevention in young children

Abstract

Epidemiological studies in Germany show that infants and toddlers are at most risk of injury and in need of protection. Of all children under the age of 15 years, they have the highest rates of fatal and severe injuries. Therefore, this article aims to show which injury prevention measures have been proven successful for this age group. International specialist recommendations are described and evidence-based knowledge of interventions is presented from the Cochrane Reviews. For the four most frequent child injury mechanisms (drowning, poisoning, burning, and falling), the World Health Organization recommends a set of measures covering legislation, regulations, changes of environment, education, and emergency medical care. Meta-analyses on the effectiveness of interventions related to safety at home conclude that informing parents personally (face-to-face) and in combination with free safety equipment (e.g., safety gates, smoke alarms) increased parents’ safety practices significantly. This included advice on not using baby walkers. Multifaceted education programs for parents (e.g., visiting programs at home or in pediatric clinics) proved to have the highest effect in reducing home accidents to children. The prevention of injuries in young children should be driven by a multifaceted and data-based approach. Postnatal interventions (Frühe Hilfen) at the community level are especially useful to integrate accident prevention at home, because they are connected with family visiting programs.

Keywords

Injury Infant Toddler Effective intervention Parenting education programme 

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

Authors and Affiliations

  • G. Ellsäßer
    • 1
  • G. Trost-Brinkhues
    • 2
  • M. Albrecht
    • 3
  1. 1.Abteilung GesundheitLandesamt für Umwelt, Gesundheit und VerbraucherschutzZossenDeutschland
  2. 2.Kinder- und Jugendgesundheitsdienst im Gesundheitsamt der StädteRegion AachenAachenDeutschland
  3. 3.DortmundDeutschland