, Volume 2, Issue 3, pp 229-242

Bildung als Transformation von Selbst- und Weltverhältnissen und die dissoziative Aneignung von diskursiven Subjektfiguren in posttraditionellen Gesellschaften

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Zusamenfassung

Vor dem Hintergrund der viel diskutierten Erosion tradierter, sozialer Organisationsprinzipien, die Akteuren in gesteigertem Maße Reflexionsprozesse nahelegt und Selbststeuerungsstrategien auferlegt, stellt der Beitrag die Frage, inwiefern dadurch Bildungsprozesse im Sinne der Transformation von Selbst- und Weltverhältnissen angestoßen werden bzw. inwiefern sich die Vielfalt identitätsbezogener Selbstentwürfe dazu eignet, Akteure in solche Subjektivierungsprozesse zu verstricken, die in der Lage sind, Bildungsprozesse ein- und anzuleiten. Reflexive Praktiken der Führung des Selbst werden in Annäherung an Foucaults Konzept der Subjektivierung bzw. dessen Fortführung in den Governmentality Studies gefasst und im Rahmen eines praxeologischen Konzepts der Aneignung von diskursiven Subjektfiguren diskutiert. Dabei mag ein Potenzial für Bildungsprozesse in der Aneignung und Aushandlung vielfältiger diskursiver Subjektfiguren auszumachen sein; zugleich sind jedoch dissoziative Aneignungen von Subjektfiguren zu berücksichtigen, die geeignet sind, habituell verankerte Selbst- und Weltverhältnisse durch Mythen des Selbst und ideologische Fantasien aufrecht zu erhalten. Abschließend werden potenzielle Arbeitsfelder, methodologisch-methodische Konsequenzen und Grenzen einer empirischen Bildungsforschung aufgezeigt, die sich den Relationen zwischen diskursiven Subjektfiguren, reflexiven Selbstentwürfen und habituellen Wissensstrukturen annimmt. Der Beitrag versteht sich als Moment einer Diskussion um methodologische Grundlagen der qualitativen Bildungsforschung, die empirische Studien anleiten, und will für Ambivalenzen und Paradoxien in Subjektivierungsprozessen sensibilisieren, die Bildungsprozesse eher hemmen denn fördern.

Abstract

Against the background of the much-debated erosion of traditional principles of social organization implying the increase of processes of reflexive self-regulation this contribution sets out to clarify the question how processes of Bildung (in terms of the transformation of a habitus and self- world-relations respectively) are involved in such social changes often labeled as postmodern. Reflexive practices of self-regulation are conceptualized regarding Foucaults concept of subjectivation and the development of his perspective in governmentality studies and discussed in the light of a praxeological sociology of knowledge concerning different aspects of the appropriation, negotiation and interpretation of discursive subject positions in this framework. The contribution especially highlights the form of a dissociative appropriation of subject positions in which identity-related self-concepts are altered but habitual rooted orientations are maintained and not influenced. Instead, there are to consider ideological fantasies and illusions preventing the subject from experiencing processes of Bildung. Eventually, methodogical-methodic benefits and barriers of an empirical educational research considering the relation between discursive subject positions, reflexive self-concepts and habitual orientations are discussed. The article wants to sensitize for ambivalences and paradoxes in processes of subjectivitation and thereby contributes to the methodological framework of the reconstruction of processes of Bildung trying to heighten its complexity.