Angewandte Schmerztherapie und Palliativmedizin

, Volume 5, Issue 4, pp 11–11

Schmerzlinderung im Auge des Betrachters

Authors

  • Christina Berndt
Literatur kompakt

DOI: 10.1007/s15223-012-0141-z

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Berndt, C. Schmerz und Palliativ (2012) 5: 11. doi:10.1007/s15223-012-0141-z
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Zwei Punkte runter auf der Schmerzskala — das gilt als Erfolg in der Schmerztherapie. Doch bei intensiven Schmerzen kann dies immer noch erhebliches Leid bedeuten. Wäre es nicht besser, die Patienten nach ihrem „Personalized Pain Goal“ zu fragen?

Studien zufolge korreliert die Zufriedenheit von Patienten mit ihrem Schmerzmanagement nicht unbedingt mit der berichteten Schmerzintensität oder der Schmerzlinderung. Vielmehr hängt sie stark davon ab, ob sich die Patienten eingebunden fühlen und wie gut die Kommunikation mit den Behandlern ist.

Das Prinzip des persönlichen Schmerzziels („Personalized Pain Goal, PPG) wird deshalb von manchen Ärzten favorisiert. Hier geht es um die eigenen Kriterien des Patienten. Er beschreibt, Schmerzen welcher Intensität auf einer Skala von 0–10 es ihm seiner Ansicht nach noch ermöglichen würden, sich physisch, funktionell und psychosozial wohlzufühlen. Wie stabil das PPG ist und wie es sich mit den klinischen Schmerzkriterien vergleichen lässt, untersuchte die Supportive Care Clinic an der Universität Texas, Austin, TX/USA. Dort wird das Prinzip des PPG seit einiger Zeit anwendet.

Für die Studie wurden Berichte von 465 konsekutiven Krebspatienten ausgewertet. Dabei wurde eine klinische Schmerztherapie dann als erfolgreich gewertet, wenn sie die Schmerzen um mindestens 30 % senkte oder um mindestens zwei Punkte auf der Schmerzskala von 0–10. Erfolg beim PPG bedeutete es hingegen, wenn der Schmerz infolge der Behandlung auf den gewünschten Level oder darunter sank.

Vor der Behandlung litten 152 (34 %) der Patienten unter milden (1–4 Punkte auf der Skala von 0–10), 95 (21 %) unter moderaten (5–6) und 163 (37 %) unter schweren Schmerzen (7–10). Das mittlere PPG der Patienten lag während der ersten Befragung bei drei, unabhängig vom ursprünglichen Schweregrad der Schmerzen. Das Ziel blieb nach einem Follow-up von 14 Tagen stabil. Klinisch sprachen die Patienten mit schweren Schmerzen häufiger an (60 %) als solche mit moderaten (40 %) und milden Schmerzen (33 %). Das PPG wurde dagegen häufiger bei Patienten mit milden Schmerzen erreicht (63 %) als bei solchen mit moderaten (44 %) oder schweren Schmerzen (27 %).

Fazit: Die Mehrheit der Patienten war in der Lage, ihren erwünschten Level der Schmerzlinderung anzugeben. Das mittlere PPG betrug dabei drei und erwies sich als sehr stabil. 53 % der Patienten erreichten ihr PPG allerdings nicht. Obwohl ihre Schmerzen in der Klinik erfolgreich gelindert wurden, war das Ergebnis für die Mehrzahl der Patienten schlicht nicht gut genug.

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