Info Diabetologie

, Volume 7, Issue 1, pp 31–31

Doppelte RAS-Blockade mit Risiken

Antihypertensive Therapie bei Typ-2-Diabetikern mit Niereninsuffizienz
journal screen

DOI: 10.1007/s15034-013-0343-2

Cite this article as:
Kleophas, W. Info Diabetol (2013) 7: 31. doi:10.1007/s15034-013-0343-2

Fragestellung: In der vorliegenden Studie wurde untersucht, inwiefern der Gebrauch eines direkten Renin-Inhibitors (Aliskiren) in der Lage ist, kardiovaskuläre und renale Endpunkte bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und chronischer Niereninsuffizienz zu verringern.

Methoden: Es handelte sich um eine Doppelblindstudie, in der 8561 Patienten entweder Aliskiren (3 mg/d) oder Placebo in Kombination mit einem ACE-Inhibitor oder einem Angiontensin-Rezeptor-Blocker behandelt wurden.

Primärer Endpunkt war kardiovaskulärer Tod oder Herzstillstand mit Reanimation, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz, dialysepflichtige Niereninsuffizienz oder Todesfälle aufgrund von Nierenisuffizienz sowie die Verdopplung des Serum-Kreatinin-Werts.

Ergebnisse: Die Studie wurde nach einer zweiten Zwischenauswertung vorzeitig beendet. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 32,9 Monaten wurde der primäre Endpunkt bei 783 Patienten (18,3%) der Aliskiren-Grupe und in der Placebo-Gruppe bei 732 Patienten (17,1%) beobachtet.

Der systolische und diastolische Blutdruck war in der Aliskiren-Gruppe niedriger, ebenso zeigte sich eine deutlichere Verringerung der Urin-Albumin-Ausscheidung in der Verum-Gruppe. Interessanterweise hatten in der Aliskiren-Gruppe mehr Patienten eine Hyperkaliämie (Serum-Kalium-Wert ≥6 mmol/l). Ebenso wurden in der Aliskiren-Gruppe signifikant häufiger Hypotensionen beobachtet.

Schlussfolgerung: Die zusätzliche Gabe von Aliskiren zu einer Standardtherapie mit einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-Rezeptor-Blocker kann bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 aufgrund dieser Studienergebnisse nicht empfohlen werden, denn sie ist mit weiteren Risiken wie Hyperkaliämie verbunden.
T1

Primäre und sekundäre Endpunkte und Todesfälle

 

Aliskiren (n = 4274)

Placebo (n = 4287)

Hazard Ratio (95%-KI)

p-Wert

 

Anzahl der Patienten (%)

  

Primärer Endpunkt

783 (18,3)

732 (17,1)

1,08 (0,98-1,20)

0,12

▸ Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursachen

246 (5,8)

215 (5,0)

1,16 (0,96-1,39)

0,12

▸ Herzstillstand mit Reanimation

19 (0,4)

8 (0,2)

2,40 (1,05-5,48)

0,04

▸ Herzinfarkt (tödlich oder nicht tödlich)

147 (3,4)

142 (3,3)

1,04 (0,83-1,31)

0,72

▸ Schlaganfall (tödlich oder nicht tödlich)

147 (3,4)

122 (2,8)

1,22 (0,96-1,55)

0,11

▸ Ungeplante Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz

205 (4,8)

219 (5,1)

0,95 (0,78-1,14)

0,56

▸ Nierenerkrankung im Endstadium, Tod aufgrund von Nierenversagen oder Nierenfunktionsstörungen

121 (2,8)

113 (2,6)

1,08 (0,84-1,40)

0,56

▸Verdopplung des Serumkreatinins

210 (4,9)

217 (5,1)

0,97 (0,80-1,17)

0,75

Kardiovaskulärer Endpunkt

590 (13,8)

539 (12,6)

1,11 (0,99-1,25)

0,09

Renaler Endpunkt

257 (6,0)

251 (5,9)

1,03 (0,87-1,23)

0,74

Tod (jegliche Ursachen)

376 (8,8)

358 (8,4)

1,06 (0,92-1,23)

0,42

Kommentar von PD Dr. med. Werner Kleophas

Bei niereninsuffizienten Typ-2-Diabetikern besser darauf verzichten

Diese gut angelegte kontrollierte Studie zeigte, dass die Kombination eines direkten Renin-Inhibitors mit einem ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker nicht in der Lage ist, das kardiovaskuläre Risiko von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und Niereninsuffizienz zu verringern. Im Gegenteil: Risikoreiche Blutdruckabfälle oder Hyperkaliämien wurden signifikant häufiger beobachtet. Nach der ONTARGET-Studie, bei der die Kombination aus ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker keinen Vorteil hinsichtlich renaler Endpunkte zeigte, wurde hier abermals nachgewiesen, dass die Kombinationstherapie von Substanzklassen, die unterschiedliche Ansatzpunkte am Renin-Angiotensin-Aldosterin-System haben, kritisch zu sehen ist. Diese Erkenntnisse sind für die praktische Arbeit von besonderer Bedeutung.

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PD Dr. med. Werner Kleophas Gemeinschaftspraxis Karlstraße Bismarckstr. 101 D-40210 Düsseldorf kleophas@praxis-mit-nähe.de

Copyright information

© Urban & Vogel 2013

Authors and Affiliations

  1. 1.DüsseldorfDeutschland