Im Focus Onkologie

, Volume 16, Issue 10, pp 42–42

Prostatakrebs: Langfristig kein Nachteil durch Finasterid

Authors

  • Robert Bublak
Literatur kompakt Urogenitale Tumoren

DOI: 10.1007/s15015-013-0660-2

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Bublak, R. Im Focus Onkologie (2013) 16: 42. doi:10.1007/s15015-013-0660-2
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Vor zehn Jahren wurden die Ergebnisse des Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) publiziert. Er sollte die Frage klären, ob sich Prostatakrebs mit Finasterid vorbeugen lässt. Nun liegen die Ergebnisse nach bis zu 18-jährigem Follow-up vor.

Die PCPT-Studie hatte gezeigt, dass sich unter siebenjähriger Gabe von Finasterid das Risiko für Prostatakrebs verringert. Allerdings lag die Zahl diagnostizierter höhergradiger Tumoren (Gleason-Score 7–10) in der Finasteridgruppe deutlich über jener in der Kontrollgruppe. Dabei war nicht klar, ob es sich um ein diagnostisches Artefakt handelte — Finasterid lässt hyperplastische Prostatae schrumpfen und erhöht die Sensitivität des PSA-Tests und der Biopsie — oder ob Finasterid tatsächlich Prostatakrebs höheren Grades induziert.

Falls Letzteres, müsste dies langfristig eine höhere Mortalität bei den mit Finasterid behandelten Probanden zur Folge haben. Unter dieser Annahme sichtete eine Arbeitsgruppe um Ian Thompson — damals wie heute Erstautor der Publikation — von der University of Texas nun die Daten der ehemaligen Teilnehmer und errechnete die Prostatakrebs-Inzidenz und die Überlebensraten in den Studiengruppen.

Die Kalkulationen bestätigten die schon früher festgestellte Reduktion des Prostatakrebs-Risikos: In der Finasteridgruppe lag die Inzidenz bei 10,5 %, in der Placebogruppe bei 14,9 %. Das relative Risiko unter Finasterid lag damit 30 % niedriger. Höhergradige Tumoren hatten 3,5 % der Finasterid- und 3,0% der Vergleichsprobanden. Das relative Risiko stieg also bei Finasterideinnahme um 17 %; die 2003 errechnete Steigerung hatte 27 % betragen. Nach 10 Jahren lebten noch 79,3 % der Finasteridprobanden und 79,5 % derjenigen, die Placebo bekommen hatten. Nach 15 Jahren gab es noch 78,0 % bzw. 78,2 % Überlebende.

Ein statistisch signifikanter Unterschied in den Überlebensraten ergab sich auch für höhergradige Tumoren nicht (Finasterid 73 % vs. Placebo 73,6 %, jeweils nach zehn Jahren). Das Konfidenzintervall war aber breit. Es konnte daher nicht ausgeschlossen werden, dass die Placebogruppe in Wirklichkeit ein 30 % niedrigeres Sterberisiko hatte. Doch ebenso gut könnte die Gefahr zu sterben um 27 % erhöht gewesen sein.

Fazit: Die Auswertung der PCPT-Studie nach bis zu 18 Jahren Nachbeobachtung zeigt, dass Finasterid einerseits das Risiko senkt, an Prostatakrebs zu erkranken. Andererseits sind höhergradige Karzinome unter Finasterid häufiger zu finden als unter Placebo. Auf die Überlebensraten hat dies, glaubt man den vorliegenden Resultaten, aber keinen signifikanten Einfluss.

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