Im Focus Onkologie

, Volume 16, Issue 5, pp 32–32

Bestrahlung der Brust erhöht Herzinfarkt-Risiko

  • Beate Schumacher
Literatur kompakt Mammakarzinom und gynäkologische Tumoren

DOI: 10.1007/s15015-013-0253-0

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Schumacher, B. Im Focus Onkologie (2013) 16: 32. doi:10.1007/s15015-013-0253-0
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Die Radiotherapie des Mammakarzinoms führt zu Kollateralschäden am Herzen. In einer Fall-Kontroll-Studie wurde das Ausmaß des Risikos quantifiziert..

Von 2.168 Brustkrebs-Patientinnen, die zwischen 1958 und 2001 in Schweden oder Dänemark bestrahlt wurden, war bei 963 nach der Therapie ein schweres Koronarereignis eingetreten. Die Strahlenbelastung des Herzens wurde anhand von Dosis und Bestrahlungsfeld errechnet. Die mittlere Gesamtdosis betrug demnach 4,9 Gy, bei Bestrahlung der linken Brust naturgemäß deutlich mehr (6,6 vs. 2,9 Gy).

Das Risiko für ein gravierendes Koronarereignis (Herzinfarkt, koronare Revaskularisierung oder KHK-bedingter Tod) stieg linear mit der mittleren auf das Herz applizierten Strahlendosis — mit jedem Gray um 7,4 %. Einen unteren Schwellenwert scheint es nicht zu geben, so Sarah C. Darby von der Universitätsklinik Oxford und Kollegen.

Das erhöhte Koronarrisiko machte sich schon innerhalb der ersten fünf Jahre bemerkbar (16,3 % mehr Ereignisse) und blieb mindestens 20 Jahre lang erhalten (8,2 % mehr Ereignisse). Frauen mit kardialen Risikofaktoren hatten erwartungsgemäß mehr koronare Komplikationen, aber eine Radiotherapie erhöhte das Risiko bei ihnen in gleichem Maße wie bei Frauen ohne Risikofaktoren.

Kombiniert man die Ergebnisse mit westeuropäischen Daten zur Inzidenz von Koronarereignissen, lässt sich das absolute Risiko für eine strahleninduzierte KHK abschätzen: So steigert etwa eine Radiotherapie, bei der die mittlere Dosis am Herzen 3 Gy beträgt, bei einer 50-jährigen nicht prädisponierten Frau das Risiko für einen vorzeitigen kardialen Tod von 1,9 auf 2,4 %, das für ein akutes Koronarereignis von 4,5 auf 5,4 %. Dieselbe Bestrahlung bewirkt bei einer 50-Jährigen mit mindestens einem kardialen Risikofaktor eine Zunahme des Sterberisikos von 3,4 auf 4,1 %. Auch moderne Radiotherapie-Regimes erreichen übrigens bei den meisten Patientinnen noch zwischen 1 und 5 Gy.

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Fazit: Die Bestrahlung eines Mammakarzinoms steigert das Risiko für ein schweres Koronarereignis linear mit der Strahlenbelastung und über viele Jahre hinweg. Nach Einschätzung von Javid Moslehi von der Harvard Medical School in Boston könnte das „nur die Spitze des Eisbergs darstellen“, denn eine Strahlentherapie begünstigt auch andere kardiale Erkrankungen, die gar nicht berücksichtigt wurden (Perikarderkrankungen, Arrhythmien). Und auch Anthrazykline und HER2-Antikörper wirken kardiotoxisch.

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Authors and Affiliations

  • Beate Schumacher

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