Im Focus Onkologie

, Volume 15, Issue 12, pp 22–22

Hirnmetastasen: stärkere Bestrahlung lohnt sich

Authors

  • Judith Neumaier
Literatur kompakt ZNS

DOI: 10.1007/s15015-012-0627-8

Cite this article as:
Neumaier, J. Im Focus Onkologie (2012) 15: 22. doi:10.1007/s15015-012-0627-8

Das am häufigsten angewendete Schema für die Ganzhirnbestrahlung sind 30 Gy in zehn Fraktionen. Kann eine höhere Strahlendosis die lokale Kontrolle verbessern und das Leben der Patienten verlängern?

Die meisten Patienten mit Hirnmetastasen haben nur noch wenige Monate zu leben. Etwas besser ist die Prognose bei höchstens drei Metastasen. Diese Patientengruppe könnte von einer intensiven Behandlung mit Neuro- und Radiochirurgie profitieren, doch für viele kommt wegen der Lage und Größe der Metastasen sowie der Komorbiditäten lediglich eine Ganzhirnbestrahlung infrage. In eine retrospektive Studie wurden nur Patienten mit Hirnmetastasen und günstiger Überlebensprognose (voraussichtlich 78 % nach sechs Monaten) aufgenommen. Verglichen wurden 109 Patienten, die mit der Standarddosis von 30 Gy in zehn Fraktionen bestrahlt wurden, mit 75 Patienten, deren Bestrahlung 40 Gy in 20 Fraktionen umfasste.

Bei 68 % der Patienten traten innerhalb von neun Monaten Rezidive auf. 28 % der Patienten mit 30-Gy-Bestrahlung und 44 % derer mit 40-Gy-Bestrahlung waren nach zwölf Monaten rezidiv- und progressionsfrei (lokale Kontrolle). In der multivariaten Analyse war die Bestrahlung mit 40 Gy signifikant mit besserer lokaler Kontrolle assoziiert (p = 0,047).

Das 1-Jahres-Überleben betrug 50 % in der 30-Gy- und 61 % in der 40-Gy-Gruppe (p = 0,007), das mediane Gesamtüberleben 13 bzw. 17 Monate. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich des Gesamtüberlebens war auch in der multivariaten Analyse signifikant (p = 0,008). In einer Subgruppenanalyse war auch bei Patienten mit weniger radiosensitiven Tumoren die stärkere Bestrahlung der Standarddosis signifikant überlegen: 7 % aus der 30-Gy-Gruppe und 38 % aus der 40-Gy-Gruppe zeigten nach einem Jahr eine lokale Kontrolle (p = 0,031). Das 1-Jahres-Gesamtüberleben betrug 40 % bzw. 73 % (p = 0,008). Von den Patienten mit anderen Tumortypen erreichten nach einem Jahr 31 % bzw. 45% eine lokale Kontrolle (p = 0,26), das 1-Jahres-Gesamtüberleben betrug hier 52 % bzw. 59 % (p = 0,08).

Die Häufigkeit von akuten und späten Toxizitäten war unter beiden Therapieregimen vergleichbar.

Fazit: Die Steigerung der Strahlendosis über 30 Gy hinaus erhöht die Überlebenschancen von Patienten mit Hirnmetastasen und relativ günstiger Prognose, am stärksten bei weniger radiosensitiven Tumoren.

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