pädiatrie hautnah

, Volume 25, Issue 2, pp 77–77

Entwarnung: kein fetales Risiko nach Grippeschutzimpfung in der Schwangerschaft

Authors

  • Harmut Koch
Literatur kompakt

DOI: 10.1007/s15014-013-0054-0

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Koch, H. pädiatr. hautnah (2013) 25: 77. doi:10.1007/s15014-013-0054-0
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Junge Säuglinge können nur durch eine Impfung während der Schwangerschaft vor Influenza geschützt werden. Bei der Impfung hatten viele Ärzte jedoch ihre Bedenken. Die Daten einer norwegischen Studie zeigen, dass es keinen Grund zur Zurückhaltung gibt.

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Dr. med. Hartmut Koch, Vechta

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt schon seit einiger Zeit die Impfung von Schwangeren gegen saisonale Influenza. Die STIKO hat seit 2010 eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Erst im Rahmen der Influenzapandemie im Jahr 2009 durch das Influenza-A-Virus H1N1 („Schweinegrippe“) wurden die Empfehlungen hinsichtlich der Impfung von Schwangeren geändert. Hintergrund für diese Änderung war, dass die genannte Form der Influenza bei Schwangeren besonders schwerwiegend verläuft. Vorher wurde bei der Impfung von werdenden Müttern zur Zurückhaltung geraten.

Die Arbeitsgruppe von Haberg und Kollegen aus Oslo und Bergen, Norwegen, hat jetzt im Nachhinein die Sicherheit der Impfung gegen Influenza A/H1N1 überprüft. Hierzu standen Daten von 117.374 Schwangerschaften in Norwegen aus den Jahren 2009 und 2010 zur Verfügung. Die fetale Mortalitätsrate betrug 4,9 Todesfälle pro 1.000 Geburten. Während der Pandemie wurden 54 % der Schwangeren in Norwegen im zweiten oder dritten Trimester geimpft.

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Ärzte sollten Schwangeren zur Influenza-Impfung raten.

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Die Impfung senkte das Risiko einer Influenza substanziell. Bei Schwangeren, die klinisch an einer Influenza erkrankt waren, war das Risiko eines fetalen Todesfalls fast verdoppelt (Hazard Ratio [HR]: 1,91). Das Risiko eines fetalen Todesfalls bei den Schwangeren mit Impfung war dagegen kleiner (HR: 0,88), jedoch war diese Verminderung nicht statistisch signifikant.

Die Autoren schließen aus ihren Daten, dass bei dem bekannten Risiko, welches durch eine mütterliche Influenza hervorgerufen wird, die Impfung von Schwangeren während einer Influenzapandemie keinen Schaden verursacht und möglicherweise dem Feten direkt nutzt. Sie sehen deshalb keinen Grund, die Impfung Schwangeren im zweiten oder dritten Trimester vorzuenthalten.

Kommentar: Die genannte Untersuchung zeigt, dass die vor der Schweinegrippe in Deutschland bestehende Zurückhaltung bei der Impfung von werdenden Müttern gegen Influenza nicht begründet war. Seit 2010 ist laut STIKO eine Impfung von Schwangeren gegen Influenza sogar ausdrücklich angeraten. Sie empfiehlt die Impfung im zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (z. B. Asthma oder Diabetes) sogar ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel [Epidemiologisches Bulletin 31/2010]. Diese Empfehlung bezieht sich auf die Impfung gegen saisonale Influenza. Dem Impfstoff gegen saisonale Influenza sind jetzt die Antigene gegen das Influenza-A-Virus H1N1 beigefügt.

In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass nur durch die Impfung der Schwangeren jungen Säugling ein Influenzaschutz vermittelt wird, da die jungen Säuglingen selbst zunächst noch nicht gegen Influenza geimpft werden können.

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