MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 154, Issue 20, pp 18–18

Die neue Karriere von ASS in der Thromboembolie-Langzeitprophylaxe

Erst WARFASA, nun ASPIRE
  • Dirk Einecke
AKTUELLE MEDIZIN KONGRESSBERICHTE

DOI: 10.1007/s15006-012-1422-3

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Einecke, D. MMW - Fortschritte der Medizin (2012) 154: 18. doi:10.1007/s15006-012-1422-3
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Wenn Patienten mit venöser Thromboembolie die Rezidivprophylaxe mit Antikoagulanzien nach drei bis zwölf Monaten absetzen, was in der Praxis die Regel ist, dann empfiehlt sich eine Weiterbehandlung mit ASS. Dies reduziert das Risiko für venöse und arterielle Gefäßkomplikationen um je etwa ein Drittel.

Thromboembolie-Gefahr: Welche Strategie schützt langfristig vor Rezidiven?

© Sebastian Schreiter/Springer Verlag

_ Nach einer ersten venösen Thromboembolie (VTE) ohne erkennbare Ursache ist eine Rezidivprophylaxe mit oralen Antikoagulanzien indiziert. Meist wird diese für drei bis zwölf Monate durchgeführt, obwohl das Rezidivrisiko über diese Zeit hinaus erhöht ist. Eine längere Antikoagulation geht aber mit einem erhöhten Blutungsrisiko einher und ist, wenn sie mit Vitamin-K-Antagonisten durchgeführt wird, wenig komfortabel.

Alternativ kann nach der üblichen Antikoagulation mit ASS weiterbehandelt werden. ASS schützt ebenfalls vor thromboembolischen Rezidiven, ist dabei aber nur etwa halb so effektiv wie eine Antikoagulation. Allerdings ist das Blutungsrisiko um den Faktor 10 niedriger, so das Ergebnis der im Mai publizierten WARFASA-Studie.

Die WARFASA-Studie: ASS schützt vor Thromboserezidiven

In WARFASA waren 402 Patienten mit einer ersten spontanen Thromboembolie 6–18 Monate lang antikoaguliert und anschließend weitere zwei Jahre mit 100 mg/d ASS oder Placebo behandelt worden. Ergebnis: Die ASS-Behandlung reduzierte das Rezidivrisiko von 11 auf 6%, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen. Die Summe schwerer vaskulärer Komplikationen, zu der neben den VTE-Rezidiven auch arterielle Komplikationen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle zählen, wurde von ASS nur im Trend reduziert.

Die ASPIRE-Studie: ASS schützt vor schweren Gefäßkomplikationen

Mit der doppelblinden ASPIRE-Studie wurde nun bei der Jahrestagung der AHA und zeitgleich im „New England Journal of Medicine“ eine zweite Studie publiziert, die die Wirksamkeit einer verlängerten Thromboembolie-Rezidivprophylaxe mit ASS untersuchte. Die Studie bestätigt die WARFASA-Ergebnisse und ging doch anders aus: ASS reduzierte das venöse Thromboserezidiv-Risiko nur im Trend, halbierte aber das Risiko für schwere arterielle Komplikationen und schützte somit signifikant vor schweren vaskulären Komplikationen insgesamt.

In der ASPIRE-Studie waren 822 Patienten mit einer ersten spontanen Thromboembolie-Episode zunächst ebenfalls antikoaguliert worden, zumeist drei bis zwölf Monate lang. Anschließend erhielten sie Placebo oder 100 mg/d ASS über bis zu vier Jahre. Nach einer Nachbeobachtungszeit von etwas mehr als drei Jahren hatten 57 ASS-Patienten (4,8%) sowie 73 Placebopatienten (6,5%) ein thrombembolisches Rezidiv erlitten, was einer relativen Risikoreduktion von 26% entspricht und mit einem p-Wert von 0,09 nicht statistisch signifikant ist.

Rechnete man Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle hinzu, so ergab sich eine Bilanz von 62 Komplikationen (5,2%) unter ASS und 88 Komplikationen unter Placebo (8,0%) – mit p = 0,01 statistisch signifikant. ASS wurde auch in dieser Studie gut vertragen, das Blutungsrisiko war gering (8 vs. 6 Fälle größerer Blutungen).

ASPIRE-Autor Tymothy Brighton, Sidney, präsentierte daraufhin eine „Metaanalyse“ der ASPIRE- und WARFASA-Daten. Diese zeigte für das gesamte Patientenkollektiv signifikante Risikoreduktionen sowohl für erneute VTEs als auch für schwere Gefäßkomplikationen insgesamt. Das Risiko wurde jeweils um etwa ein Drittel reduziert. Die Bilanz klinisch relevanter Blutungen war 12 unter Placebo und 18 unter ASS (p = 0,31).

Sein Fazit: ASS ist eine attraktive Therapieoption für Patienten und Ärzte, die nach einer VTE und 3- bis 18-monatiger Antikoagulation diese nicht weiter fortführen möchten. Die Therapie ist einfach, günstig und sicher.

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© Urban & Vogel 2012

Authors and Affiliations

  • Dirk Einecke

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