, Volume 69, Issue 4, pp 233-243

Städte und die beginnende Urbanisierung. Henri Lefebvre in der aktuellen Stadtforschung

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Zusammenfassung

Henri Lefebvres Theorien nehmen seit einigen Jahren einen selbstverständlichen Platz in den Stadt- und Raumwissenschaften ein, insbesondere im englischsprachigen Raum. So oft Lefebvre zitiert wird, so oft stiften seine Theorien allerdings auch wegen ihrer Komplexität und sprachlichen Umsetzung Verwirrung. Der vorliegende Beitrag arbeitet zunächst zentrale Begrifflichkeiten Lefebvres auf, um anschließend deren gegenwärtige Relevanz in Bezug auf empirische Stadtforschung und die Theoretisierung von Stadt zu diskutieren. Im Vordergrund der Lefebvre-Rezeption steht neben der Anknüpfung an den Entwurf der Produktion des Raumes auch die These der „Urbanisierung der Gesellschaft“. Dabei bleiben häufig Unklarheiten zwischen den Begriffen „Stadt“ und „Urbanes“ sowie zwischen aktuellen gesellschaftlichen Realitäten und virtuellen Möglichkeiten bestehen. Vor diesem Hintergrund wird „Stadt“ eine historische Bedingung, die mit der Industrialisierung weitgehend verschwunden ist. Das „Urbane“ benennt hingegen eine zukünftige, auf Differenzen basierende Gesellschaft. Der Begriff der urbanisierten Gesellschaft ist somit untrennbar mit dem differenziellen Raum verwoben, mit dem sie entsteht. Die Erörterung dieser Thesen stellt die dialektische Bewegung zwischen drei Begriffen als zentralen Zugang zur Anwendung Lefebvres in der Stadt- und Raumforschung heraus und bildet letztlich eine Aktualisierung der Lefebvre’schen Theorien.

Abstract

In recent years, Henri Lefebvre’s theories have gained almost canonical status in urban and spatial studies, particularly in Anglophone countries. Although scholars often quote Lefebvre, his theories, however, tend to confuse due to their complexity and opaque language. By reconstructing his terminology through a close reading, this paper aims to interrogate the characteristics and dynamics of Lefebvre’s terms and their current relevance with regard to empirical and theoretical urban studies. Besides the frequently applied concept of the production of space, Lefebvre’s thesis on the urbanization of society is a prominent part of his works. But ambiguities remain between the terms “city” and “urban” as well as between actual societal realities and virtual possibilities. Following Lefebvre, the “city” is described as a historical condition and as having nearly vanished with industrialization. In contrast, the “urban” is posited as the emergent society consisting of differences, so that the notion of the urbanized society is intrinsically tied to the differential space within which it evolves. The discussion focuses on the dialectical movement between terms as an approach to potential empirical applications in urban and spatial studies. Additionally, this elaboration serves as a basis for continuing the necessary development of Lefebvre’s theories.