Zeitschrift für Energiewirtschaft

, Volume 36, Issue 3, pp 213–226

Versorgungsqualität in der leitungsgebundenen Gasversorgung

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DOI: 10.1007/s12398-012-0081-5

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Müller, C. Z Energiewirtsch (2012) 36: 213. doi:10.1007/s12398-012-0081-5
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Zusammenfassung

Mit der laut Anreizregulierungsverordnung (ARegV) für die zweite Regulierungsperiode Gas (2013–2018) vorgesehenen Einführung einer Qualitätsregulierung in der leitungsgebundenen Gasversorgung rückt die Frage in den Fokus, wie Versorgungsqualität speziell für diesen Energieträger einzuordnen ist, welche Dimensionen sie umfasst, wie diese voneinander abzugrenzen sind und wie die gemäß §19 ARegV vorgegebenen Kenngrößen „Netzzuverlässigkeit“ und „Netzleistungsfähigkeit“ speziell für diesen Infrastrukturbereich zu spezifizieren und zu incentivieren sind. An Komplexität gewinnt diese Fragestellung dadurch, dass die Wirkungszusammenhänge viel weniger greifbar sind als im Stromsektor, da Qualität in der leitungsgebundenen Gasversorgung nicht zwangsläufig wie bspw. bei einer Unterbrechung in der Stromversorgung direkt für den Endverbraucher spürbar wird. Mit dem Ziel, ein erstes Meinungsbild der Branche zu diesem Themenkomplex einzuholen, hat das WIK ein fragebogengestütztes Experteninterview mit unterschiedlichen Stakeholdern aus Industrie und Wissenschaft durchgeführt und dessen Ergebnisse in einem Workshop diskutiert. Insgesamt hat sich in der Diskussion herausgestellt, dass sich die Abgrenzung der einzelnen Qualitätsdimensionen sehr komplex gestaltet, zumal bei den befragten Stakeholdergruppen unterschiedliche Vorstellungen und Priorisierungen bezüglich der einzelnen Qualitätsdimensionen und ihrer Incentivierung vorherrschen. Unter den Teilnehmer des Experteninterviews haben sich zwei unterschiedliche Auffassungen zur regulatorischen Behandlung insbesondere der Netzzuverlässigkeit ergeben. Eine Teilgruppe votiert für die zeitnahe Einführung eines entsprechend ausgerichteten Q-Elementes, während die zweite Gruppe zunächst ein Qualitätsmonitoring empfiehlt.

Insgesamt haben die Expertenbefragung und der Workshop das Ziel erfüllt, ein erstes Meinungsbild zu liefern. Auf Basis dessen kann die Diskussion nun weiter vertieft werden. Zur Annäherung an die Thematik werden einleitend zwei Beispiele vorgestellt, die zeigen, wie ausländische Regulierungsregime (Niederlande, Ungarn) mit der im internationalen Kontext bisher kaum praktizierten Qualitätsregulierung im Gassektor umgehen.

Schlüsselwörter

Versorgungsqualität Gas Netzzuverlässigkeit Netzleistungsfähigkeit 

Quality in Grid-Bound Gas Supply

Abstract

The incentive regulation ordinance (Anreizregulierungsverordnung (ARegV)) stipulates the implementation of a quality regulation scheme for the second regulatory period gas (2013–2018). This raises the issue how to specify, define and stimulate quality specifically for gas transportation and distribution. According to §§18–20 ARegV, the dimensions “reliability” and “network capacity” need to be incorporated. Due to the lack of tangibility of quality in the gas sector, the issue of quality turns out to be much more complex than in the electricity sector where quality or—more specifically—reliability is mainly associated with the premise “keeping the lights on”. In order to establish a first idea of the current situation in the area of quality in grid-bound gas supply, WIK conducted expert interviews with different stakeholders from industry and science. Following this first step, a workshop took place to present the results from the survey and to further discuss the main issues. Overall, it turned out from the discussion that the definition and differentiation of the different quality dimensions is very complex due to the heterogeneous views of the stakeholders on priorities and incentives. Two different attitudes towards the regulation of the quality dimension reliability emerged in the interviews. One part of the group advocated the implementation of a corresponding q-element in the regulatory formula, whereas the other part preferred a quality monitoring without regulatory effects.

Overall, the interviews and the workshop served its purpose in collecting the different opinions of the stakeholders. Based on these results, the discussion can be deepened. To approach the topic, it will be shown how the regulators in the Netherlands and Hungary converted the rarely practiced quality regulation into practice.

Copyright information

© Vieweg+Teubner 2012

Authors and Affiliations

  1. 1.Abteilung Energiemärkte und EnergieregulierungWIK Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbHBad HonnefDeutschland