, Volume 15, Issue 3, pp 429-442,
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Date: 07 Jul 2012

Erziehung und demokratische Öffentlichkeit

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Die Geschichte des öffentlichen Erziehungssystems in den demokratischen Verfassungsstaaten ist seit seinen Anfängen im 19. Jahrhundert eine ununterbrochene Kette von Konflikten um die Untergliederung, die Form und den Gehalt des schulischen Unterrichts gewesen; von den erbittert geführten Auseinandersetzungen, die entweder zwischen den Interessenvertretern sozialer Klassen oder einer organisierten Elternschaft und den staatlichen Behörden geführt wurden, blieben weder die Schichtung des Schulsystems noch die Lehrmethoden oder das Curriculum unberührt. Den Zündstoff, der in dem staatlichen Versprechen eines allgemeinen Bürgerrechts auf Bildung und Erziehung steckte, mag Immanuel Kant schon vorausgeahnt haben, als er in seinen Vorlesungen zur „Pädagogik“ den berühmten Satz formulierte: „Zwei Erfindungen der Menschen kann man wohl als die schweresten ansehen: die der Regierungs- und die der Erziehungskunst nämlich, und doch ist man selbst in ihrer Idee noch streitig.“

Kant1964, S. 703.

Festvortrag anlässlich der Eröffnung des 23. DGfE-Kongresses „Erziehungswissenschaftliche Grenzgänge“ am 12. März 2012 in Osnabrück.