Wann ist man Deutsch? Empirische Ergebnisse eines faktoriellen Surveys

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DOI: 10.1007/s11577-005-0113-9

Cite this article as:
Mäs, M., Mühler, K. & Opp, KD. Koelner Z.Soziol.u.Soz.Psychol (2005) 57: 112. doi:10.1007/s11577-005-0113-9

Zusammenfassung

Unter welchen Bedingungen wird Personen die Eigenschaft „deutsch“ zugeschrieben? Zur Beantwortung dieser Frage werden zwei Hypothesen überprüft. Die Assimilationshypothese besagt, dass die Anpassung an zentrale kulturelle Merkmale von Bedeutung ist. Dies sind vor allem, so wird vermutet, die Beherrschung der deutschen Sprache, die Nicht-Zugehörigkeit zum Islam, die Wohndauer in Deutschland und ein deutscher Ehepartner. Die Abstammungshypothese dagegen behauptet, dass man „deutsch sein“ nicht lernen kann: „deutsch“ ist man nur, wenn die Eltern Deutsche sind. Diese Hypothesen wurden mittels eines faktoriellen Surveys geprüft, bei dem 579 Personen in Sachsen befragt wurden. Dabei wurden Situationsbeschreibungen vorgegeben, die aus Kombinationen der genannten Merkmale bestehen. Die Daten zeigen u.a., dass man Personen die Eigenschaft „deutsch“ zuschreibt, wenn sie in Deutschland geboren sind, wenn die Eltern Deutsche sind (diese Variable hatte den stärksten Effekt) und wenn man flieβend deutsch spricht. Geringere, aber signifikante Effekte lagen bei langer Wohndauer in Deutschland vor, wenn man nicht Moslem ist und wenn der Ehepartner Deutscher ist. Unerwartet war: ob jemand in Frankreich oder in der Türkei geboren ist, ob die Eltern aus einem dieser Länder stammen oder ob die Nationalität des Ehepartners französisch oder türkisch ist, macht für die Zuschreibung der Eigenschaft „deutsch“ kaum einen Unterschied.

Stichworte

Deutschland Bürgerschaft Staatsangehörigkeit Nationalität faktorieller Survey 

Summary

When are individuals called “German”? To answer this question two hypotheses are tested. The assimilation hypothesis posits that adaptation to the central cultural properties is important. These are, we suppose, command of the German language, being not a Moslem, and having a German spouse. The descent hypothesis claims that “being German” cannot be learned; one is German only if the parents are German. These propositions are tested by a factorial survey consisting of 579 respondents from Saxony. They were presented with situational descriptions consisting of combinations of the properties mentioned before. We found, among other things, that individuals are called ”German“ if they are born in Germany, if the parents are German (this has the strongest effect), and if one is fluent in German. Smaller but significant effects are given if one has lived in Germany for a long time, if one is not a Moslem and if the spouse is German. It was unexpected that being born in France or Turkey, having parents from one of these countries or having a spouse who is French or Turkish does not make much difference for being called “German”

Keywords

Germany citizenship nationalism nationality factorial survey 

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH 2005

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieUniversität LeipzigLeipzigGermany