, Volume 82, Issue 12, pp 1311-1336
Date: 01 Nov 2012

Die Abgeltungsteuer auf Kursgewinne und der Steuerstundungseffekt in der Unternehmensbewertung

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Zusammenfassung

Unter der in Deutschland geltenden Abgeltungsteuer sind Kursgewinne unabhängig von der Haltedauer zu versteuern. Allerdings können Anleger die Abgeltungsteuer auf Kursgewinne (zunächst) vermeiden, indem sie Kursgewinne nicht realisieren. Sie verschieben dann die Steuerbelastung in die Zukunft und nehmen so einen zinslosen Steuerkredit in Anspruch (Steuerstundung). Ähnlich vorteilhaft stellt sich die Realisation eines negativen Kursgewinns dar, wenn dies zu einer Steuerminderung durch Verrechnung mit anderen Gewinnen führt. Die mögliche Nutzung von zinslosen Steuerkrediten führt dazu, dass in die Unternehmensbewertung auf Basis der Diskontierung zukünftiger nachsteuerlicher Zahlungen an die Kapitalgeber (Unternehmensbewertung mittels DCF-Verfahren) Annahmen über deren Liquidationsverhalten einfließen müssen. Gezeigt wird, dass und wie der Unternehmenswert von diesen Annahmen abhängt, wobei alternative, starre und flexible Strategien der Kapitalgeber zugrunde gelegt werden. Diese Berechnungen führen insbesondere zu einer unteren und oberen Schranke für den Unternehmenswert, aber auch zu konzeptionell einfacher zu berechnenden „mittleren“ Werten. Veranschaulicht werden die Berechnungen anhand eines Zahlenbeispiels, das auch Gegenstand einer komparativ statischen Analyse ist.

Abstract

In Germany capital gains have to be taxed independently of the holding period, according to the withholding tax regulations. Nevertheless, investors can initially avoid taxation by not realizing capital gains. Then, taxes are postponed into the future. Thereby investors can make use of an interest-free tax loan (tax deferral). Equally beneficial would be the immediate realization of negative capital gains, if this leads to reduced taxes by balancing these losses against other gains. The potential use of interest-free tax loans leads to the necessity of making assumptions on the investors’ strategy with respect to liquidation when it comes to business valuation based on discounting future after-tax payments towards investors (DCF-methods). It will be shown how much firm value depends on these assumptions by taking alternative, inflexible and flexible strategies of investors into account. Our considerations generate a lower and an upper bound for the firm value, and easier to calculate medium values. The calculations are illustrated by a numerical example which is also the subject of a comparative static analysis.