, Volume 82, Issue 12, pp 1389-1425
Date: 03 Nov 2012

Der Einfluss der Zinsschranke auf unternehmerische Kapitalstrukturentscheidungen

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Zusammenfassung

Grundsätzlich steht es Unternehmen frei, ihren Kapitalbedarf durch Eigen- oder Fremdmittel zu decken. Mit der Einführung der Zinsschranke soll neben einer Sicherung des deutschen Steuersubstrats eine Erhöhung der Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen erreicht werden. Auf der Basis des Kapitalstrukturmodells von Miller (J Finance 32:261–275, 1977) analysieren wir, ob bzw. unter welchen Bedingungen die Zinsschranke dazu führt, dass Fremd- gegenüber Eigenkapital steuerlich diskriminiert wird. Es zeigt sich, dass unabhängig von der Beteiligungsquote der Investoren und unabhängig von der optimalen Dividendenentscheidung der Unternehmen sowohl ohne als auch mit Berücksichtigung der Zinsschranke für die Investoren in den meisten Fällen eine Indifferenz hinsichtlich der Finanzierungsarten möglich ist. Diese Indifferenz bei der Finanzierungsentscheidung hängt insbesondere von der Höhe des EBITDA, dem abziehbaren Anteil des EBITDA, den Steuersätzen sowie von der Zeitspanne ab, nach der Veräußerungsgewinne realisiert werden. Die relative Vorteilhaftigkeit der Vergabe von Fremdkapital nimmt durch die Einführung der Zinsschranke fast immer ab. Im Einzelfall kann die Vergabe von Fremdkapital durch die Zinsschranke jedoch auch begünstigt werden. Es zeigt sich, dass es auch bei Anwendung dieser Zinsabzugsbeschränkung für viele Investoren vorteilhaft ist, Fremdkapital zur Verfügung zu stellen. Dies gilt auch für den Fall, dass eine Fremdfinanzierung der Unternehmen nicht durch Anteilseigner, sondern durch externe Dritte erfolgt und die Anteilseigner korrespondierend dazu liquide Mittel in gleicher Höhe am Kapitalmarkt anlegen. Damit bleibt abzuwarten, ob das Ziel der Erhöhung der Eigenkapitalquote erreicht werden kann.

Abstract

In principle corporations are free to raise debt capital or equity capital. To protect tax revenues and to increase corporations’ equity ratio Germany has introduced an interest ceiling rule. From a tax planer’s point of view it is not clear whether debt or equity capital is advantageous. On the basis of Miller (J Finance 32:261–275, 1977) we analyze whether this interest ceiling rule discriminates debt capital against equity capital. We find that investors can be indifferent towards the capital structure with and without considering the interest ceiling rule. This result does not depend on the investors’ percentage of participation or the corporation’s optimal dividend policy. The result depends significantly on the profit, the deductible fraction of EBITDA, the tax rates and when capital gains are realized. The advantage of debt capital normally decreases due to the introduction of this regulation but in some cases even increases. Nevertheless, many investors will prefer debt capital even when the interest ceiling rule applies. This result also arises in the case of external debt financing. Thus, it is an open question whether this regulation leads to higher equity ratios.