Präsentismus innerhalb der Polizei

Eine empirische Untersuchung zu Häufigkeit und Beweggründen
Originalarbeit

DOI: 10.1007/s11553-017-0578-1

Cite this article as:
Bachert, P., Walter, U.N. & Mess, F. Präv Gesundheitsf (2017). doi:10.1007/s11553-017-0578-1
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Zusammenfassung

Hintergrund

Präsentismus ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Doch trotz zahlreicher Studien zum Präsentismus liegen derzeit kaum Befunde mit Bezug auf den Polizeiberuf vor. Ziel des vorliegenden Beitrags ist es daher, die Prävalenz von Präsentismus und die Beweggründe für dieses Verhalten in der Polizei zu analysieren.

Methoden

Es werden die Ergebnisse einer Querschnittstudie aus zwei deutschen Polizeiinstitutionen beschrieben. Die Gelegenheitsstichprobe setzt sich aus Mitarbeitern verschiedener Organisationseinheiten zusammen. Das Verhalten, krank zur Arbeit zu gehen, wurde mithilfe eines am Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) in Mannheim entwickelten Verfahrens erhoben (Gabler & Häder, 2002). Die Beweggründe für das Verhalten, krank zur Arbeit zu gehen, wurden in Anlehnung an Johansen et al. (2014) erfasst.

Ergebnisse

Dreiviertel aller Befragten (74,6 %) gaben an, in den letzten 12 Monaten krank zur Arbeit gegangen zu sein. Etwa ein Drittel (30,0 %) ist im selben Zeitraum gegen den Rat des Arztes arbeiten gegangen. Hierbei zeigen sich signifikante Altersunterschiede (p = 0,001–0,009). Präsentismus ist bei den unter 30-Jähringen weniger verbreitet als bei Polizisten im Alter von 30 bis 44 bzw. 45 bis 65 Jahren. Die Vermeidung von Mehrarbeit für die Kollegen wird am häufigsten als Beweggrund für Präsentismus angeführt (65,6 %).

Diskussion

Die Ergebnisse zeigen, dass Präsentismus unter Polizeibeamten tendenziell häufiger vorkommt als in anderen Berufsgruppen. Das Präsentismusniveau liegt zudem über den Werten schwedischer Polizisten. Es stellt sich daher die Frage, ob Präsentismus in der deutschen Polizei genügend Aufmerksamkeit erfährt und ob nicht kulturverändernde Maßnahmen angebracht wären.

Schlüsselwörter

Präsentismus Polizei Polizeibeamte Arbeit Krankheit 

Presenteeism among German police officers

An empirical study on prevalence and reasons

Abstract

Background

Attention being paid to presenteeism has risen in the scientific community during the last decade. Plenty of scientific discoveries have been made in this area, but almost none targeting police officers. The purpose of the present study, therefore, was to investigate the prevalence of sickness presence and the reasons for this behavior among German police officers.

Methods

Findings of a cross-sectional analysis among policemen of two German police departments are being reported. The nonprobability sample consists of police officers from different organizational units. Data with respect to presenteeism were collected using a questionnaire developed by ZUMA, Mannheim (2002). Items based on Johansen et al. (2014) were used to identify reasons for going to work while being sick.

Results

Overall, 74.6% of the respondents said they had gone to work ill during the last 12 months. In the same period, 30.0% went to work against the advice of a physician. Significant differences can be seen with regard to age (p = 0.001–0.009). Police officers under 30 years go ill to work more often than their colleagues aged 30–44 or 45–65 years. The main reason for attending work while sick is avoiding more work for one’s coworkers.

Conclusion

The results show that presenteeism among police officers occurs more frequently than among other occupation groups. In addition, the prevalence of sickness presence is higher than that in a Swedish police survey. This raises the question of whether German police is paying enough attention to presenteeism. Culture-changing interventions may be appropriate for the agency.

Keywords

Presenteeism Police Police officers Work Sickness presence 

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Sport und SportwissenschaftKarlsruher Institut für Technologie (KIT)KarlsruheDeutschland
  2. 2.Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung GmbHKonstanzDeutschland
  3. 3.Fakultät für Sport- und GesundheitswissenschaftenTU MünchenMünchenDeutschland