Der Diabetologe

, Volume 10, Issue 2, pp 106–107

Lebensstilmaßnahmen bei metabolischem Syndrom und assoziierten Erkrankungen

Authors

    • Verbund der Katholischen Kliniken Düsseldorf (VKKD)Westdeutsches Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ)
    • Institut für SportwissenschaftChristian-Albrechts-Universität zu Kiel
Einführung zum Thema

DOI: 10.1007/s11428-013-1084-5

Cite this article as:
Martin, S. & Weisser, B. Diabetologe (2014) 10: 106. doi:10.1007/s11428-013-1084-5
  • 242 Views

Lifestyle interventions for metabolic syndrome and associated diseases

Im Rahmen des Kongresses der International Diabetes Federation (IDF) Anfang Dezember 2013 wurde der neue IDF-Atlas [1] mit den aktuellen Zahlen an Personen präsentiert, die weltweit an Diabetes mellitus erkrankt sind. Während man im Jahr 2006 davon ausging, dass 2030 weltweit 380 Mio. Personen von einem Diabetes mellitus betroffen sein werden, stellte man nun fest, dass es bereits 17 Jahre früher 382 Mio. Menschen sind.

Für das Jahr 2035 werden 592 Mio. Diabetesbetroffene vorausgesagt.

In der Zwischenzeit ist noch eine Querschnittsstudie aus China publiziert worden, bei der 2010 eine repräsentative Kohorte von 98.658 chinesischen Erwachsenen mithilfe des oralen Glukosetoleranztests auf Diabetes mellitus untersucht wurde [2]. Danach beträgt die Diabetesprävalenz in China 11,6 %; hierbei wissen nur 3,6 % der Männer und 3,4 % der Frauen von ihrer Erkrankung. Demnach sind allein in China 113,9 Mio. Menschen vom Diabetes betroffen. Die Rate an Personen mit Prädiabetes beträgt gemäß dieser Studie 50,1 %.

Die weltweite Diabetesepidemie lässt sich nur durch Auslösefaktoren erklären, die im Lebensstil zu suchen sind. Dazu gehören in erster Linie verminderte körperliche Aktivität und eine daran nichtangepasste Ernährung. Auch wenn viele in Deutschland das Thema Lebensstiländerung mit dem Argument „bringt ja sowieso nichts“ abtun, wird dies international komplett anders gesehen. Dies kann sehr schön an der Interpretation der aktuellen Ergebnisse der Studie Look AHEAD (Action For Health in Diabetes) veranschaulicht werden. In Deutschland wird diese Studie dahingehend interpretiert, dass sie aufgrund fehlender Wirksamkeit abgebrochen werden musste. Sogar erfahrene Medizinjournalisten lassen sich zu populistischen und wenig differenzierten Glossen hinreißen [3]. Im Rahmen der Look-AHEAD-Studie wurden insgesamt 5145 Personen mit Typ-2-Diabetes sowie einer mittleren Diabetesdauer in eine Kontroll- und eine Lebensstilinterventionsgruppe randomisiert [4]. Innerhalb der intensiven Lebensstilbetreuung im ersten Jahr kam es in der Interventionsgruppe zu einer deutlichen Körpergewichtsabnahme und Verbesserung der körperlichen Fitness, sodass viele Diabetes- und Bluthochdruckmedikamente angesetzt werden konnten. Bei Nachlassen der Betreuung stieg das Körpergewicht wieder an, und die körperliche Fitness sank deutlich ab. Trotz einer signifikant niedrigeren pharmakologischen Therapie – auch Statine wurden in der Interventionsgruppe seltener gegeben – war die Rate an kardiovaskulären Ereignissen in beiden Gruppen gleich. Keine Frage, man hatte sich eine Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse erwartet, doch eine Reihe anderer Erkrankungen verbesserte sich in der Lebensstilinterventionsgruppe ebenfalls signifikant. Eine Auflistung der vielfältigen Publikationen kann auf der Internetseite der Look-AHEAD-Forschungsgruppe (https://www.lookaheadtrial.org/public/home.cfm) heruntergeladen werden. Dies bedeutet, dass wir uns in der klinischen Arbeit bemühen müssen, die Betroffenen zu motivieren, sich vermehrt um den Lebensstil zu kümmern. Gleichzeitig müssen wir von der Gesundheitspolitik fordern, dass wir bei dieser Aufgabe stärker unterstützt werden.

Diabetesbetroffene müssen motiviert werden, sich vermehrt um den Lebensstil zu kümmern

Die vorliegende Ausgabe der Zeitschrift Der Diabetologe widmet sich daher dem wichtigen Thema der nichtpharmakologischen Therapie und gibt einen aktuellen Überblick zu den neuesten wissenschaftlichen Studien. Dem Thema Ernährung widmet sich eine Arbeit von Frau Prof. Anja Bosy-Westphal vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim in Stuttgart und Herrn Prof. Manfred J. Müller vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In einer weiteren Arbeit fasst Prof. Hubert Kolb aus Düsseldorf wissenschaftliche Arbeiten zusammen, die zum Thema der Wirksamkeit von Kräutern und anderen Naturprodukten in wissenschaftlichen Journalen publiziert wurden. Die Übersichtsarbeiten von uns Herausgebern beschreiben die Bedeutung von Bewegung und niedrig-kalorischen Diäten in der Behandlung von Personen mit Typ-2-Diabetes.

Wir hoffen, dass die ausgewählten Themen den Lesern für die tägliche Arbeit mit Betroffenen neue Ideen geben!

Stephan Martin

Burkhard Weisser

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt. S. Martin und B. Weisser geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014