, Volume 7, Issue 4, pp 124-128
Date: 14 Jan 2012

Estrogen as an adjunctive treatment approach for managing schizophrenia

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Zusammenfassung

Die vorliegende Originalarbeit von Prof Jayashri Kulkarni und Emmy Gavrilidis aus Melbourne, Australien, gibt einen guten Überblick über das spannende Gebiet der Östrogenaugmentation in der Behandlung der Schizophrenie.

Der theoretische Hintergrund ist ja allgemein bekannt: Frauen erkranken im Schnitt 5 Jahre später als Männer an Schizophrenie, erste Episoden und Rückfälle sind bei Frauen besonders häufig zu Zeiten raschen Östrogenabfalls (postpartal und Menopause). Auch im Verlauf des weiblichen Zyklus finden sich Exazerbationen gehäuft in den Phasen niedrigeren Östrogenspiegels.

Dagegen scheinen in Zeiten höherer Östrogenspiegel (z. B. in der Schwangerschaft) psychotische Rückfälle eher seltener und milder aufzutreten.

In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Östrogen Dopamin inhibieren und die Serotoninexpression steigern kann; diese Befunde waren Anlass zur Hoffnung, dass Östrogene zu Stimmungsverbesserung bei Depression, zur Reduktion psychotischer Symptome und verbesserter Kognition beitragen könnten.

Kulkarni et al. sind Vorreiter in der augmentativen Anwendung von Östrogenen bei psychotischen Erkrankungen: Zunächst in Pilotstudien an wenigen schizophrenen Probandinnen, später auch in einer größer angelegten placebokontrollierten Multicenterstudie an psychotischen Frauen in gebärfähigem Alter untersuchten sie die Gabe von oralen oder transdermalen Östrogenen. In allen Untersuchungen (darüber hinaus auch in Follow-up- und Einzelfallstudien anderer Zentren) konnten eine Reduktion bzw. Milderung psychotischer Symptome und eine Verbesserung der Kognition bei der Interventionsgruppe nachgewiesen werden.

Weitere mögliche Einsatzgebiete für augmentative Östradiolgaben finden sich sowohl zur Prophylaxe somatischer Erkrankungen, die gehäuft bei Schizophrenie auftreten (wie z. B. Osteoporose), als auch in neueren Gebieten: zum Beispiel zur Prophylaxe der tardiven Dyskinesie. Frauen im fruchtbaren Alter entwickeln seltener als gleichaltrige Männer tardive Dyskinesien: ein Effekt, der sich nach der Menopause aufhebt.

Es wird vermutet, dass Östrogen hier eine zellprotektive Wirkung gegen Langzeitschäden durch antipsychotische Medikation aufweisen könnte.

Selbst bei Männern konnte eine raschere Reduktion der Psychopathologie in Zusammenhang mit Östrogenspiegelsteigerungen durch Östrogenaugmentation festgestellt werden, allerdings gelang es bei mehr als 28% der männlichen Probanden nicht, den Östrogenspiegel zu heben, sodass hier noch ausführlichere Dosisfindungs- und Bioverfügbarkeitsstudien nötig sind.

Die Autorinnen gehen auch auf die durchaus kontroversielle Diskussion von Östrogengaben (erst recht als reine Augmentation) ein und weisen darauf hin, dass potentielle Vorteile gut gegen das erhöhte Brustkrebsrisiko abgewogen werden müssen, bei Männern stellt der potentiell feminisierende Effekt ein zusätzliches Problem dar.

Die Bestimmung des Hormonstatus zu Beginn ist eine Grundvoraussetzung für eine optimale Behandlungsstrategie, manchmal verbessert schon die Anhebung deutlich erniedrigter Östrogenspiegel auch psychopathologische Parameter.

Der Artikel geht auch auf die in letzter Zeit entwickelten selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERM, z. B. Raloxifen) näher ein. Diese Substanzen weisen östrogenagonistische Aktivität im Gehirn auf und wirken im Brust- und Endometriumgewebe antagonistisch, sodass keine erhöhte Kanzerogenität an diesen Organen zu erwarten wäre.

In einigen Pilotstudien konnten unter Raloxifengaben sowohl bei gesunden als auch bei leicht kognitiv eingeschränkten und an Mb. Alzheimer leidenden Probandinnen Kognitionsverbesserungen bei einer Dosis von 120 mg täglich festgestellt werden.

In ersten Untersuchungen fanden Kulkarni et al. auch eine verbesserte Recovery von psychotischen Symptomen unter 120 mg Raloxifen im Vergleich zu 60 mg oder Placebo.

Der Artikel endet daher mit der optimistischen Überlegung, dass besonders SERMS als augmentative Langzeitbehandlung von verschiedenen Gehirnfunktionsstörungen bei Schizophrenie (vor allem Linderung psychotischer Symptome und Verbesserung der Kognition) geeignet sein könnten, ohne die Gefahr erhöhter Kanzerogenität mit sich zu bringen.

Summary

Evidence from epidemiological, basic research and animal studies indicate that estrogens exert protective effects in schizophrenia. Observations of gender differences in the onset and course of schizophrenia have prompted exploration of the effects of estrogen on the central nervous system. Adjunctive estrogen has been shown to be effective in enhancing the treatment of women with schizophrenia while in men, consideration for treatment has been impacted by concerns of feminising side effects. The aim of this paper is to provide an overview of different applications of adjunctive hormones as a potential treatment for symptoms of mental illness in both men and women. Novel treatment approaches such as estrogen augmentation, are detailed. Treatment with estrogen has been limited by potential side effects associated – the most ominous being breast and uterine cancer. Selective Estrogen Receptor Modulators may offer therapeutic benefits for both men and women with schizophrenia without posing threat to breast and uterine tissue and without feminising effect. The use of estrogen opens up new possibilities for both men and women in the treatment of schizophrenia symptoms. Hormone modulation is a promising area of treatment for serious mental illness, though an emphasis should be placed on the hormonal status of women which is an aspect of psychiatry that is sensitive to the differences between the sexes.

Östrogenaugmentation in der Behandlung der Schizophrenie
Received September 16, 2011, accepted October 31, 2011