, Volume 24, Issue 2, pp 123-127
Date: 01 May 2011

Pharmakogenetik

Rent the article at a discount

Rent now

* Final gross prices may vary according to local VAT.

Get Access

Zusammenfassung

Für die Therapie von epileptischen Anfällen stehen mehr als 20 Medikamente zur Verfügung. Es gibt jedoch bisher kaum Prädiktoren für das Ansprechen des individuellen Patienten auf eine bestimmte Therapie oder das Auftreten von u. U. schwerwiegenden Nebenwirkungen. Da die Medikamente zumindest bei den fokalen Epilepsien annähernd gleich gut wirksam sind, richtet sich die Auswahl überwiegend nach den Nebenwirkungen, indem man meist allgemein gut verträgliche Präparate auswählt, und nach Komorbiditäten. Für den individuellen Patienten kann das optimale Medikament derzeit nicht vor Beginn der Therapie ausgewählt werden. Da nur etwa die Hälfte aller Epilepsiepatienten auf das erste verabreichte Medikament hin anfallsfrei werden und 30% trotz Medikamenteneinnahme weiter Anfälle haben, wäre es sehr hilfreich, prädiktive Faktoren zu kennen, um das richtige Medikament bereits vorab zu bestimmen und ggf. alternative Therapien frühzeitig in die Behandlung einzubeziehen. Die Genetik bietet hier eine Chance, die individuelle Prädisposition eines Patienten in Bezug auf pharmakologische Parameter und das Auftreten von Nebenwirkungen zu erfassen. Während in anderen Bereichen, wie z. B. der Onkologie, bereits individuelle Therapiestrategien anhand genetischer Untersuchungen durchgeführt werden, gibt es im Bereich der Epilepsie nur 2 Beispiele, von denen eines klinische Bedeutung hat: die Vorhersage des Auftretens von schweren allergischen Hautreaktionen unter Carbamazepin. Neue genomweite genetische Methoden erlauben nun die Identifikation von sowohl häufigen als auch seltenen genetischen Faktoren, die auf die antikonvulsive Pharmakotherapie Einfluss haben könnten. Die Ziele solcher Untersuchungen sind zum einen das Verständnis der Mechanismen von individuellen Reaktionen auf Medikamente und zum anderen eine personalisierte, d. h. optimal auf den einzelnen Patienten abgestimmte Epilepsietherapie.

Abstract

More than 20 different antiepileptic drugs (AED) are available for the treatment of epileptic seizures. However, there are hardly any predictors for an individual’s response to a certain therapy or the occurrence of severe adverse events. Since at least for focal epilepsies all available AEDs are about equally effective, the choice of the right AED currently depends on a generally low side effect profile or comorbidities and interactions with other drugs. At the moment, the right drug for the individual patient cannot be predicted prior to starting therapy. Since only 50% of all epilepsy patients respond to the first AED and 30% continue to have seizures despite therapy with available AEDs, predictive factors would be very helpful to determine the right AED or consider alternative treatments, such as epilepsy surgery, early on. The primary aim of pharmacogenetics is to tailor treatment to individual patients based on their genomic data. Compared to other medical fields (e.g. oncology) where individual therapeutic strategies are already based on genetic factors, only one example of clinical relevance is known for epilepsy therapy: the prediction of carbamazepine-induced severe allergic skin reactions. New genome-wide genetic methods now permit the identification of common and rare genetic factors, which could influence treatment with AEDs. The aims of such investigations are, on the one hand, to understand the mechanisms of pharmacoresponse and nonresponse and, on the other, to enable a personalized therapy that is optimized for each patient.