Notfall + Rettungsmedizin

, Volume 13, Issue 8, pp 775–780

Notfälle auf chirurgischen Stationen

Leitthema

DOI: 10.1007/s10049-010-1308-9

Cite this article as:
Leidel, B. & Kanz, KG. Notfall Rettungsmed (2010) 13: 775. doi:10.1007/s10049-010-1308-9
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Zusammenfassung

Vielen innerklinischen Todesfällen und ungeplanten Aufnahmen auf der Intensivstation geht eine langsame, aber progrediente Verschlechterung des Patienten auf der chirurgischen peripheren Station voraus, die vom medizinischen Personal nicht frühzeitig erkannt wird. Dabei sind die klinischen Zeichen einer Verschlechterung unabhängig von ihrer Ursache im Allgemeinen ähnlich und betreffen meist physiologische Basisparameter. Viele internationale Untersuchungen in chirurgischen und nichtchirurgischen Patientenkollektiven zeigen, dass mithilfe einfacher Kriterien Veränderungen dieser Basisparameter und damit eine potenzielle Gefährdung des Patienten rasch erkannt werden können. Basierend auf diesen einfachen Kriterien wurden verschiedene standardisierte Maßstäbe zur Einschätzung (Scores) entwickelt, die als praktikables Frühwarnsystem helfen können, eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes früh zu erkennen. Nachdem ein gefährdeter Patient identifiziert wurde, sollte dieser ohne weitere zeitliche Verzögerung adäquat versorgt werden. Hierzu wurden Strukturen entwickelt, die als Frühinterventionssystem jederzeit und schnell ein kompetentes, effektives medizinisches Notfallteam („medical emergency team“, MET, „rapid response team“, RRT) am Bett des betroffenen Patienten sicherstellen. Wenn medizinische Notfallteams frühzeitig alarmiert werden, haben sie das Potenzial, katastrophale Folgen einer nicht erkannten Verschlechterung des Patienten mit konsekutivem Herz-Kreislauf-Stillstand zu verhindern. Im Gegensatz zu den in Deutschland bereits etablierten Reanimations- oder Herzalarmteams, die erst nach eingetretenem Herz-Kreislauf-Stillstand alarmiert werden, können medizinische Notfallteams bereits in der Phase der klinischen Verschlechterung aktiv werden. Mit der Etablierung standardisierter Frühwarn- und -Frühwarninterventionssysteme könnte dadurch sowohl die Patientensterblichkeit auf chirurgischen peripheren Stationen als auch die Rate an ungeplanten Aufnahmen auf die Intensivstation gesenkt werden.

Schlüsselwörter

NotfälleInnerklinisches FrühinterventionsteamSicherheitSterblichkeitReanimation

Emergencies on surgical general wards

Abstract

Many deaths in hospital and unplanned intensive care unit admissions of surgical patients are predictable and potentially preventable by ensuring the timely recognition of critical illnesses and facilitating management by appropriately skilled and experienced personnel. Critical illness is often preceded by slow but progressive physiological deterioration independent of the causative disease. Many international studies have demonstrated that simple measurements of physiological parameters enable early recognition of critically ill patients on general wards. Based on these predetermined criteria standardized early warning scores were developed to identify patients with potential or established critical illness in time. These track and trigger warning systems ensure timely attendance of patients by more experienced or skilled staff, the so-called critical outreach (COT), rapid response (RRT) or medical emergency team (MET) outside the critical care unit. Because medical emergency teams are activated early they have the potential to prevent the catastrophic event of death following unrecognized patient deterioration. Compared to the well-established cardiac arrest teams, emergency medical teams are activated before the worst event of patient death. In-hospital morbidity and mortality of surgical ward patients can be reduced by establishing rapid response systems.

Keywords

EmergenciesHospital rapid response teamSafetyMortalityResuscitation

Copyright information

© Springer-Verlag 2010

Authors and Affiliations

  1. 1.Interdisziplinäre Rettungsstelle / Notfallaufnahme, Campus Benjamin FranklinCharité – UniversitätsmedizinBerlinDeutschland
  2. 2.Luftrettungszentrum Christoph 31, ADAC Luftrettung, Campus Benjamin FranklinCharité – UniversitätsmedizinBerlinDeutschland
  3. 3.Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus InnenstadtKlinikum der UniversitätMünchenDeutschland