Wiener klinische Wochenschrift

, Volume 124, Supplement 2, pp 58–65

Gestationsdiabetes (GDM)

  • Alexandra Kautzky-Willer
  • Dagmar Bancher-Todesca
  • Arnold Pollak
  • Andreas Repa
  • Monika Lechleitner
  • Raimund Weitgasser
leitlinien für die praxis

DOI: 10.1007/s00508-012-0265-3

Cite this article as:
Kautzky-Willer, A., Bancher-Todesca, D., Pollak, A. et al. Wien Klin Wochenschr (2012) 124: 58. doi:10.1007/s00508-012-0265-3

Zusammenfassung

Gestationsdiabetes (GDM) wird als erstmals während der Schwangerschaft entdeckte Glukosetoleranzstörung definiert. GDM ist mit einer erhöhten feto-maternalen Morbidität sowie Langzeitkomplikationen bei Mutter und Kind assoziiert. Frauen, die die Kriterien eines manifesten Diabetes bereits in der Frühschwangerschaft erfüllen (Nüchternplasmaglukose ≥ 126mg/dl, Spontanglukosemessung über 200mg/dl oder HbA1c ≥ 6.5 % vor der 20. Schwangerschaftswoche) sollen als Schwangere mit manifestem Diabetes klassifiziert und ebenso behandelt werden. Ein Screening auf unerkannten Typ 2 Diabetes beim ersten pränatalen Visit wird besonders bei Frauen mit hohem Risiko (Anamnese eines GDM oder Prädiabetes; Fehlbildungen, Totgeburt, wiederholte Aborte oder Geburtsgewicht über 4500g in früheren Schwangerschaften; Adipositas, metabolisches Syndrom, Alter über 45 Jahre, bei Gefäßerkrankungen, Auftreten von Diabetessymptomen wie Glukosurie) empfohlen (Evidenzklasse B). GDM wird durch einen oralen Glukosetoleranztest oder durch Nüchternplasmaglukosekonzentrationen über 92mg/dl diagnostiziert. Bei hohem Risiko kann ein OGTT (120min; 75g Glukose) bereits im ersten Trimenon sinnvoll sein, ist aber in jedem Fall bei allen Schwangeren mit bis dahin unauffälligen Glukosewerten zwischen der 24.-28. Schwangerschaftswoche vorgeschrieben (Evidenzklasse B). Auf Basis der „Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome (HAPO) study“ liegt ein GDM vor, wenn die Nüchternplasmaglukosewerte 92mg/dl, der 1 Stundenwert 180mg/dl oder der 2 Stundenwert 153mg/dl überschreiten (OGTT; Internationale Konsensuskriterien). Ein einziger erhöhter Wert ist dabei ausreichend und bedarf bereits einer strikten Stoffwechselkontrolle. Alle Frauen mit GDM erhalten eine Diättherapie und müssen ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren. Falls die Blutzuckerspiegel nicht im Normalbereich liegen (nüchtern < 95mg/dl und 1 Stunde nach den Mahlzeiten < 140mg/dl) soll eine Insulintherapie initiiert werden. Neben der mütterlichen Stoffwechselüberwachung ist auch ein fetales Monitoring notwendig, um die mütterliche und fetale/neonatale Morbidität und die perinatale Mortalität möglichst gering zu halten. 6–12 Wochen nach der Entbindung müssen alle Frauen mit GDM neuerlich einem OGTT (75g; WHO Kriterien) unterzogen werden, um ihre Glukosetoleranz neu zu klassifizieren. Bei Normalbefund soll der OGTT alle 2 Jahre wiederholt werden (Evidenzklasse B). Alle Frauen müssen über ihr (siebenfach erhöhtes relatives) Risiko informiert werden, im weiteren Verlauf einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, sowie über mögliche Präventionsmaßnahmen. Dazu gehören eine Gewichtsreduktion bei übergewicht, eine gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Aktivität. Auch die Kinder sollen hinsichtlich einer unauffälligen Entwicklung regelmäßig nachuntersucht werden und die ganze Familie über Lebensstilmaßnahmen zur Aufrechterhaltung/Verbesserung der Gesundheit informiert werden.

Schlüsselwörter

Gestationsdiabetesdiabetische FetopathieDiabetesrisikoÜbergewicht/AdipositasSchwangerschaft

Gestational diabetes mellitus

Summary

Gestational diabetes (GDM) is defined as any degree of glucose intolerance with onset during pregnancy and is associated with increased feto-maternal morbidity as well as long-term complications in mothers and offspring. Women detected to have diabetes early in pregnancy receive the diagnosis of overt, non-gestational, diabetes. GDM is diagnosed by an oral glucose tolerance test (OGTT) or fasting glucose concentrations (> 92 mg/dl). Screening for undiagnosed type 2 diabetes at the first prenatal visit (Evidence level B) is recommended in women at increased risk using standard diagnostic criteria (high risk: history of GDM or pre-diabetes (impaired fasting glucose or impaired glucose tolerance); malformation, stillbirth, successive abortions or birthweight > 4,500 g in previous pregnancies; obesity, metabolic syndrome, age > 45 years, vascular disease; clinical symptoms of diabetes (e.g. glucosuria). Performance of the OGTT (120 min; 75 g glucose) may already be indicated in the first trimester in some women but is mandatory between 24 and 28 gestational weeks in all pregnant women with previous non-pathological glucose metabolism (Evidence level B). Based on the results of the Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome (HAPO) study GDM is defined, if fasting venous plasma glucose exceeds 92 mg/dl or 1 h 180 mg/dl or 2 h 153 mg/dl after glucose loading (OGTT; international consensus criteria). In case of one pathological value a strict metabolic control is mandatory. All women should receive nutritional counseling and be instructed in blood glucose self-monitoring. If blood glucose levels cannot be maintained in the normal range (fasting < 95 mg/dl and 1 h after meals < 140 mg/dl) insulin therapy should be initiated. Maternal and fetal monitoring is required in order to minimize maternal and fetal/neonatal morbidity and perinatal mortality. After delivery all women with GDM have to be reevaluated as to their glucose tolerance by a 75 g OGTT (WHO criteria) 6–12 weeks postpartum and every 2 years in case of normal glucose tolerance (Evidence level B). All women have to be instructed about their (sevenfold increased relative) risk of type 2 diabetes at follow-up and possibilities for diabetes prevention, in particular weight management and maintenance/increase of physical activity. Monitoring of the development of the offspring and recommendation of healthy lifestyle of the children and family is recommended.

Keywords

Gestational diabetesDiabetic fetopathyRisk of diabetesOverweight/obesityPregnancy

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 2012

Authors and Affiliations

  • Alexandra Kautzky-Willer
    • 1
  • Dagmar Bancher-Todesca
    • 2
  • Arnold Pollak
    • 3
  • Andreas Repa
    • 3
  • Monika Lechleitner
    • 4
  • Raimund Weitgasser
    • 5
    • 6
  1. 1.Gender Medicine Unit, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin IIIMedizinische Universität WienWienÖsterreich
  2. 2.Klinische Abteilung für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin, Universitätsklinik für FrauenheilkundeMedizinische Universität WienWienÖsterreich
  3. 3.Universitätsklinik für Kinder- und JugendheilkundeMedizinische Universität WienWienÖsterreich
  4. 4.Landeskrankenhaus HochzirlHochzirlÖsterreich
  5. 5.Abteilung für Innere MedizinDiakonissen-Krankenhaus SalzburgSalzburgÖsterreich
  6. 6.Universitätsklinik für Innere Medizin ILKH Salzburg – Universitätsklinikum, Paracelsus Medizinische PrivatuniversitätSalzburgÖsterreich