Wiener klinische Wochenschrift

, Volume 120, Issue 1, pp 37–45

Lernstrategien oder strategisches Lernen? Gender-abhängige Erfolgsstrategien im Medizinstudium an der Medizinischen Universität Wien

Authors

    • Abteilung für EpidemiologieZentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien
  • Lukas Mitterauer
    • QualitätssicherungUniversität Wien
  • Evelyne Rimroth
    • Abteilung für EpidemiologieZentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien
    • Institut für Medizinische PsychologieZentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien
  • Oskar Frischenschlager
    • Institut für Medizinische PsychologieZentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien
Originalarbeit

DOI: 10.1007/s00508-007-0923-z

Cite this article as:
Haidinger, G., Mitterauer, L., Rimroth, E. et al. Wien Klin Wochenschr (2008) 120: 37. doi:10.1007/s00508-007-0923-z

Zusammenfassung

ZIEL DER STUDIE: Wir untersuchen die höheren Bestehensraten männlicher Studierender bei der summativ-integrativen Prüfung (SIP-1) am Ende des ersten Studienjahres des Medizinstudiums an der Medizinischen Universität Wien. Obwohl Schulleistungen (Mathematik, Chemie, Physik, Englisch) in allen unseren Untersuchungen als Erfolgsprädiktor bestätigt wurden und obwohl weibliche Studierende in diesen Fächern signifikant bessere Schulleistungen aufweisen, weisen weibliche Studierende geringere Erfolgsraten auf. Als Erklärung dafür nehmen wir geschlechtsspezifisch unterschiedliches und erfolgsrelevantes "strategisches Lernen" an. METHODE: In einer prospektiven Studie an 726 Studierenden der Medizinischen Universität Wien wurde "strategisches Lernverhalten" mit einem Fragebogen (45 Items) erhoben. Eine Faktorenanalyse ergibt 11 Faktoren, welche mit den Prüfungsergebnissen (bestanden/nicht bestanden) und dem Geschlecht in Beziehung gesetzt werden. ERGEBNISSE: Acht der 11 Faktoren erwiesen sich als geschlechtsabhängig oder mit dem Prüfungserfolg verbunden, vier von diesen als sowohl geschlechtsabhängig als auch erfolgsrelevant ("Erfolgssicherheit", "laufend und viel mitlernen", "hohe Lernkapazität", "ängstlich/fleißig/strategielos"). Männliche Studierende zeigen eine deutlich strategischere Ausrichtung ihres Lernverhaltens. Interessant erscheint darüber hinaus, dass ein auf Verstehen ausgerichtetes Lernen für den Prüfungserfolg nicht relevant ist. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Lernverhalten von Mädchen, das grosso modo in der Schule zu besseren Leistungen führt, erweist sich in der Situation der SIP-1 als nicht zielführend. Es wird zu überlegen sein, inwieweit auf Gender-bezogene Differenzen in der Planung von Curriculum und Prüfungswesen Bedacht genommen werden kann.

Schlüsselwörter

GenderGeschlechtStudienerfolgLernstrategienStrategisches LernenMedizin

Learning strategy or strategic learning? Gender-dependent success in medical studies at the Medical University of Vienna

Summary

OBJECTIVES: Analysis of the fact that male medical students have a higher success rate at the written test (multiple-choice questions) at the end of the first study year (SIP-1), although female students perform significantly better in school (school marks in mathematics, physics, chemistry, and English) and school performance is a positive predictor of study success. It is hypothesized that aspects of strategic learning influence study success and that sex-specific differences exist. METHODS: In a prospective study including 726 medical students data on strategic learning (written questionnaire, 45 items) were collected. Factor analysis produced 11 factors, which then were related to results of SIP-1 (passed/failed), and to sex. RESULTS: Eight out of the 11 factors were dependent on sex or study success, four of them dependent on sex as well as study success ("confidence in success", "learning a lot and ab initio", "high learning capacity", and "distressed/diligent/aimless"). Overall, male students showed a more distinct methodical learning approach. Moreover, "learning by understanding" seems not to be relevant for study success. CONCLUSIONS: Gender-specific learning behaviour, which generally leads to better performance of girls in school, fails in the situation of SIP-1. Future developments of curriculum and examination system should take into account gender specific requirements.

Keywords

GenderSexStudy successLearning strategiesStrategic learningMedicine

Copyright information

© Springer-Verlag 2008