Der Schmerz

, Volume 26, Issue 3, pp 247–258

Das Fibromyalgiesyndrom

Definition, Klassifikation, klinische Diagnose und Prognose

Authors

    • Klinik für Allgemeine Innere Medizin und PsychosomatikUniversitätsklinikum Heidelberg
  • W. Häuser
    • Innere Medizin 1Klinikum Saarbrücken gGmbH
  • B. Arnold
    • Abteilung für SchmerztherapieKlinikum Dachau
  • W. Jäckel
    • Abteilung Qualitätsmanagement und SozialmedizinUniversitätsklinikum Freiburg
  • M. Offenbächer
    • GRP – Generation Research Program, Humanwissenschaftliches ZentrumLudwig-Maximilians-Universität München
  • F. Petzke
    • Schmerztagesklinik und -ambulanzUniversitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen
  • M. Schiltenwolf
    • Ambulanz und Tagesklinik für SchmerztherapieOrthopädische Universitätsklinik
  • M. Settan
    • Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung
  • C. Sommer
    • Neurologische KlinikUniversitätsklinikum Würzburg
  • T. Tölle
    • Klinik für NeurologieTechnische Universität München
  • N. Üçeyler
    • Neurologische KlinikUniversitätsklinikum Würzburg
  • P. Henningsen
    • Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische PsychologieKlinikum rechts der Isar, Technische Universität München
Schwerpunkt

DOI: 10.1007/s00482-012-1169-x

Cite this article as:
Eich, W., Häuser, W., Arnold, B. et al. Schmerz (2012) 26: 247. doi:10.1007/s00482-012-1169-x
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Zusammenfassung

Hintergrund

Die planmäßige Aktualisierung der S3-Leitlinie zum Fibromyalgiesyndrom (FMS; AWMF-Registernummer 041/004) wurde ab März 2011 vorgenommen.

Material und Methoden

Die Leitlinie wurde unter Koordination der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) von 9 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und 2 Patientenselbsthilfeorganisationen entwickelt. Acht Arbeitsgruppen mit insgesamt 50 Mitgliedern wurden ausgewogen in Bezug auf Geschlecht, medizinischen Versorgungsbereich, potenzielle Interessenkonflikte und hierarchische Position im medizinischen bzw. wissenschaftlichen System besetzt.

Die Literaturrecherche erfolgte über die Datenbanken Medline, PsycInfo, Scopus und Cochrane Library (bis Dezember 2010). Die Graduierung der Evidenzstärke erfolgte nach dem Schema des Oxford Center for Evidence Based Medicine. Die Formulierung und Graduierung der Empfehlungen erfolgte in einem mehrstufigen, formalisierten Konsensusverfahren. Die Leitlinie wurde von den Vorständen der beteiligten Fachgesellschaften begutachtet.

Ergebnisse und Schlussfolgerung

Die klinische Diagnose des FMS kann sowohl nach den Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology (ACR) von 1990 (mit Untersuchung der „tender points“) als auch ohne Untersuchung von „tender points“ anhand der modifizierten vorläufigen diagnostischen Kriterien des ACR von 2010 oder der Kriterien der deutschen AWMF-Leitlinie zum Fibromyalgiesyndrom erfolgen.

Schlüsselwörter

FibromyalgiesyndromDefinitionKlassifikationKlinische DiagnoseLeitlinie

Fibromyalgia syndrome

Definition, classification, clinical diagnosis and prognosis

Abstract

Background

The scheduled update to the German S3 guidelines on fibromyalgia syndrome (FMS) by the Association of the Scientific Medical Societies (“Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften”, AWMF; registration number 041/004) was planned starting in March 2011.

Materials and methods

The development of the guidelines was coordinated by the German Interdisciplinary Association for Pain Therapy (“Deutsche Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie”, DIVS), 9 scientific medical societies and 2 patient self-help organizations. Eight working groups with a total of 50 members were evenly balanced in terms of gender, medical field, potential conflicts of interest and hierarchical position in the medical and scientific fields.

Literature searches were performed using the Medline, PsycInfo, Scopus and Cochrane Library databases (until December 2010). The grading of the strength of the evidence followed the scheme of the Oxford Centre for Evidence-Based Medicine. The formulation and grading of recommendations was accomplished using a multi-step, formal consensus process. The guidelines were reviewed by the boards of the participating scientific medical societies.

Results and conclusion

The clinical diagnosis of FMS can be established by the American College of Rheumatology (ACR) 1990 classification criteria (with tender point examination), by the modified preliminary diagnostic ACR 2010 criteria or by the diagnostic criteria of the German interdisciplinary guideline (AWMF) on FMS.

The English full-text version of this article is available at SpringerLink (under “Supplemental”).

Keywords

Fibromyalgia syndromeDefinitionClassificationDiagnosis, clinicalGuideline

Hintergrund und Fragestellungen

Beim Fibromyalgiesyndrom (FMS) handelt es sich um ein Beschwerdebild, dessen Definition, Klassifikation und Diagnose zwischen den einzelnen medizinischen Fachgesellschaften sowie zwischen Ärzten, Psychologen und Betroffenen umstritten ist [61]. Die Diskussion um die Definition, Klassifikation und Diagnose von chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen [“chronic widespread pain“ (CWP)] wird teilweise durch berufspolitische Ansprüche der medizinischen Fachgesellschaften und Versorgungsansprüche von Betroffenen mitbestimmt.

Die Arbeitsgruppe bearbeitete folgende Schlüsselfragen:
  1. 1.

    Was sind die Kernsymptome des FMS?

     
  2. 2.

    Welche Unterschiede/Überlappungen gibt es zwischen FMS und somatoformer Schmerzstörung bzw. depressiven Störungen?

     
  3. 3.

    Nach welchen Kriterien soll das FMS diagnostiziert werden?

     
  4. 4.

    Welche Ausschlussdiagnostik ist notwendig?

     
  5. 5.

    Wann ist eine fachpsychotherapeutische Diagnostik sinnvoll?

     
  6. 6.

    Gibt es unterschiedliche Verlaufsformen/Schweregrade des FMS?

     
  7. 7.

    Wie ist die Prognose (Lebenserwartung) beim FMS?

     

Material und Methoden

Die Methodik der Literaturrecherche und -analyse sowie der Erstellung der Empfehlungen ist im Methodenreport der Leitlinie dargestellt.

Ergebnisse

Vorbemerkung

Die folgenden Feststellungen gelten für Erwachsene. Zur Definition, Klassifikation, klinischen Diagnose und Prognose von CWP bei Kindern und Jugendlichen wird auf den Beitrag „Definition, Diagnostik und Therapie von chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen und des sogenannten Fibromyalgiesyndroms bei Kindern und Jugendlichen“ verwiesen. Schlüsselempfehlungen sind kursiv gesetzt.

Definition von chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen

Konsensbasierte Feststellung

Definition von CWP: CWP können durch die Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) von 1990 und die vorläufigen modifizierten ACR-2010-Kriterien definiert werden. EL5, starker Konsens

Kommentar

Schmerzen lassen sich nach klinischen Kriterien in monolokuläre Schmerzen (eine Körperstelle), regionale Schmerzen (eine Körperregion, z. B. Schulter/Arm) und Schmerzen mehrerer Körperregionen einteilen [27]. Die Mehrzahl der Schmerzorte wird im muskuloskelettalen System angegeben. Bevölkerungsbasierte Studien zeigen, dass die meisten Menschen mit muskuloskeletalen Schmerzen >1 Schmerzort angeben [18, 45].

Die Klassifikationskriterien des ACR von 1990 definieren CWP [58] durch >3 Monate bestehende Schmerzen:
  • im Achsenskelett (Halswirbelsäule oder vorderer Brustkorb oder Brustwirbelsäule oder Lendenwirbelsäule) und

  • in der rechten und linken Körperhälfte und

  • oberhalb und unterhalb der Taille.

Schmerzen in mehreren Körperregionen können auch durch die Angabe von mindestens 7 von 19 vorgegebenen Schmerzorten im Widespread Pain Index (WPI; deutsch: regionale Schmerzskala) erfasst werden (modifizierte vorläufige ACR-2010-Kriterien; [20, 64]).

Schmerzen in mehreren Körperregionen können spezifische Ursachen haben, z. B. entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder diffuse Knochenmetastasen. Bei den meisten Betroffenen mit CWP lassen sich keine spezifischen somatischen Krankheitsursachen finden [45].

Die o. g. Schmerzlokalisationen im Achsenskelett suggerieren aus Sicht der Arbeitsgruppe nicht gesicherte topographische Schmerzursachen. Die Bezeichnung der Schmerzlokalisationen mit „Nacken oder vorderer oder unterer Rücken“ wird als angemessener angesehen.

Definition des Fibromyalgiesyndroms

Evidenzbasierte Feststellung

Das FMS wurde in den ACR-1990-Klassifikationskriterien durch CWP und Druckschmerzhaftigkeit von mindestens 11 von 18 “tender points“ definiert. EL2b, starker Konsens

Kommentar

Menschen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen und Müdigkeit sind seit biblischen Zeiten beschrieben. Smythe [51] nannte in einem historischen Überblick Beispiele berühmter Persönlichkeiten (z. B. Florence Nightingale und Charles Darwin; „lifelong invalids, yet lived to a ripe old age“). In der rheumatologischen Literatur wurde der Beschwerdekomplex als „Weichteilrheuma“ bzw. „Fibrositis“ bezeichnet. Nach Smythe [50] war die Fibrositis ein unscharf definiertes Beschwerdebild mit multilokulären Schmerzen und Steifheit, das >3 Monate anhielt, verbunden mit einer ausgeprägten lokalen Hyperalgesie, einer chronischen Müdigkeit und Schlafstörungen. Zusätzlich sei eine depressive Verstimmung häufig beteiligt. Der Begriff Fibromyalgie (engl. „fibromyalgia“) wurde erstmals 1976 von Hench [25] gebraucht. Im Jahr 1990 definierte das ACR die Kriterien einer „Fibromyalgie“ in Abgrenzung zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Arthrosen. Die ACR-Klassifikationskriterien des FMS stellen eine Konsensusdefinition von Klinikern im Sinne der Beschreibung eines klinischen Bilds dar. Die Kombination der o. g. Kriterien grenzte mit einer Sensitivität von 88% und einer Spezifität von 81% Patienten mit primärer (keine organische Krankheit) und sekundärer (komorbide entzündlich-rheumatische Erkrankung) Fibromyalgie von Kontrollpatienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und regionalen Schmerzsyndromen (Arthrose) ab [58]. Diese Klassifikationskriterien waren von den Autoren nicht als diagnostische Kriterien konzipiert [61].

Symptomkomplex des Fibromyalgiesyndroms

Evidenzbasierte Feststellung

Personen mit Schmerzen in mehreren Körperregionen (CWP) finden sich in bevölkerungsbasierten Untersuchungen und in Einrichtungen aller klinischen Versorgungsstufen. Schmerzen in mehreren Körperregionen sind mit anderen körperbezogenen und seelischen Beschwerden assoziiert. EL2b, starker Konsens

Kommentar

Patienten mit CWP unterscheiden sich von Patienten mit regionalen und lokalen Schmerzsyndromen durch eine höhere körperliche und seelische Symptombelastung (Disstress). Patienten mit CWP und FMS (nach den ACR-1990-Kriterien) unterscheiden sich von Patienten mit CWP ohne FMS durch eine höhere körperliche und seelische Symptombelastung [7, 19, 56]. Die „tender points“ sind Marker von Disstress [60].

In einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe des Jahres 2009 mit 2504 Personen konnte eine asymptotische Verteilung von Schmerzorten sowie körperlichen und seelischen Beschwerden nachgewiesen werden. Durch Clusteranalyse ließen sich 4 Gruppen von Personen unterscheiden: schmerzfreie Personen ohne körperliche und seelische Beschwerden („Gesundheitscluster“), Personen mit oligolokulären Schmerzen und geringer körperlicher und psychischer Symptombelastung (Cluster mit regionalen Schmerzen), Personen mit Schmerzen in mehreren Körperregionen, geringer körperlicher und keiner seelischen Symptombelastung (CWP-Cluster) und Personen mit Schmerzen in mehreren Körperregionen und mäßiger körperlicher und seelischer Symptombelastung (FMS-Cluster; [19]). Innerhalb eines Kontinuums von körperlicher (inkl. der Anzahl an Schmerzorten) und seelischer Symptombelastung befinden sich Personen mit CWP im äußeren Bereich und Personen mit FMS im Endbereich des Kontinuums [60].

Kernsymptome des Fibromyalgiesyndroms

Evidenzbasierte Feststellung

Kernsymptome des FMS sind neben CWP Schlafstörungen bzw. nichterholsamer Schlaf und Müdigkeit bzw. Erschöpfungsneigung (körperlich und/oder geistig). EL3b, starker Konsens

Kommentar

Alle Angehörige einer deutschen FMS-Selbsthilfeorganisation berichteten in einem selbstentwickelten Symptomfragebogen zahlreiche körperliche und seelische Beschwerden. Die Hauptsymptome (>97% der Betroffenen) waren: Muskelschmerzen wechselnder Lokalisation; Rückenschmerzen; Müdigkeit; Gelenkschmerzen wechselnder Lokalisation; Gefühl, schlecht geschlafen zu haben; Morgensteifigkeit; Zerschlagenheit am Morgen; Konzentrationsschwäche; Antriebsschwäche; geringe Leistungsfähigkeit und Vergesslichkeit [16]. Diese Beschwerden wurden von FMS-Patienten aus verschiedenen deutschen klinischen Einrichtungen (diagnostiziert nach den ACR-1990-Klassifikationskriterien; [17]), FMS-Patienten (diagnostiziert nach klinischen Kriterien) der US-amerikanischen Datenbank für rheumatische Erkrankungen [63] sowie von einem Patienten- und Expertenkonsens über die „key domains“ des FMS [41] ebenfalls als häufigste Beschwerden angegeben.

Klassifikation des Fibromyalgiesyndroms als funktionelles somatisches Syndrom

Konsensbasierte Feststellung

Das FMS kann als funktionelles somatisches Syndrom klassifiziert werden. EL5, Mehrheit

Kommentar

Funktionelle somatische Syndrome werden durch einen typischen klinischen Komplex körperlicher Symptome, eine definierte Zeitdauer und durch das Fehlen eines die Symptome ursächlich erklärenden somatischen Krankheitsfaktors (z. B. strukturelle Gewebeschädigung, biochemische Störung, spezifische Laborbefunde) definiert. Die einzelnen Fachgesellschaften definieren funktionelle somatische Syndrome jeweils anhand von ihrem Fachgebiet zugeordneten Symptomen und berücksichtigen bei der Definition nicht zusätzliche, anderen Fachgebieten zugeordnete körperliche und seelische Beschwerden [40].

Die „Fibromyalgie“ wird in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Deutsche Version, im Kapitel „Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes“ im Unterkapitel „Sonstige Krankheiten des Weichteilgewebes, anderenorts nicht klassifiziert“ (M79.70) aufgeführt [8].

Abgrenzung/Überlappung des Fibromyalgiesyndroms mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung (F45.40) bzw. chronischer Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (F45.41)

Evidenzbasierte Feststellung

Die Kriterien eines FMS (ICD-10: M79.70) und die einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (F45.40) bzw. einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (F45.41) erfassen z. T. überlappende, z. T. unterschiedliche klinische Charakteristika von Personen mit CWP ohne spezifischen somatischen Krankheitsfaktor. Das FMS ist nicht pauschal mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bzw. einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren gleichzusetzen. EL3a, starker Konsens

Kommentar

Die ICD der WHO bietet die Möglichkeit, chronische körperliche Beschwerden ohne somatischen Krankheitsfaktor sowohl in den Kapiteln der somatischen Erkrankungen als auch im Kapitel „Psychische und Verhaltensstörungen“ unter den somatoformen Störungen (F45) zu klassifizieren. Daher werden in Deutschland Patienten mit einem fibromyalgiformen Beschwerdebild von vielen Ärzten und Psychologen nicht als M79.70, sondern als anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.40) oder Somatisierungsstörung (F45.1) codiert.

Für die anstehende Überarbeitung der ICD wird eine intensive Diskussion über die Klassifikation von körperlichen Beschwerden ohne somatischen Krankheitsfaktor geführt [32]. Folgende Positionen stehen einander gegenüber:
  • Abschaffung der Diagnosekategorie „somatoforme Störung“ und Klassifikation von körperlichen Beschwerden ohne somatischen Krankheitsfaktor nur unter den körperlichen Krankheiten [33];

  • Beibehaltung der Kategorie „somatoforme Störung“ im Kapitel „Psychische und Verhaltensstörungen“ mit einer Präzisierung der Kriterien [37].

Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung ist durch die ICD-10-Kriterien unscharf definiert. Es ist bei den diagnostischen Kriterien der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht aufgeführt, ob und, falls ja, wie viele der übergeordneten Kriterien somatoformer Störungen erfüllt sein müssen.

Übergeordnete Kriterien somatoformer Störungen:
  • Medizinische Befunde erklären nicht die Art und das Ausmaß der Symptome oder das Leiden oder die innere Beteiligung des Patienten (Diskrepanz zwischen Befund und Befinden).

  • Wiederholte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischer Untersuchung trotz wiederholter negativer Ergebnisse (dysfunktionelles Krankheitsverhalten).

  • Patient widersetzt sich Versuchen, die Möglichkeit einer psychischen Ursache zu diskutieren, auch wenn Beginn und Fortdauer der Symptome eine enge Beziehung zu unangenehmen Lebensereignissen, Schwierigkeiten oder Konflikten aufweisen (somatische Fixierung).

  • Das zu erreichende Verständnis für die körperliche oder psychische Verursachung der Symptome ist häufig für Patienten und Arzt enttäuschend (dysfunktionelles Beziehungsverhalten).

  • Aufmerksamkeitssuchendes (histrionisches) Verhalten der Patienten

Wie im Beitrag „Ätiologie und Pathophysiologie des Fibromyalgiesyndroms“ [49] aufgeführt, sind die körperlichen Symptome des FMS nicht ausreichend durch somatische Krankheitsfaktoren erklärbar. Dieses Kriterium trifft auf die meisten FMS-Patienten zu. Es wurden keine Studien gefunden, die belegen, dass FMS-Patienten nach der Diagnose eines FMS auf eigene Initiative eine weitere organische Ausschlussdiagnostik fordern. Fallserien klinischer Einrichtungen [15] und Kohortenstudien bei FMS-Selbsthilfeorganisationen [1] zeigen, dass die Mehrheit der Betroffenen bei der Frage nach den subjektiven Krankheitsursachen sowohl körperliche als auch seelische Faktoren angibt. Eine somatische Fixierung ist in diesen Stichproben nur bei wenigen FMS-Patienten feststellbar. Studien zu dysfunktionellem Patient-Arzt-Verhalten und aufmerksamkeitssuchendem Beziehungsverhalten bei FMS-Patienten wurden nicht gefunden. Eine multizentrische deutsche Studie zur Quantität der Inanspruchnahme medizinischer Versorgungseinrichtungen zeigte, dass nur ein Teil der FMS-Patienten vermehrte Arztkonsultationen im Vergleich zur Gesamtgruppe der Bundesbürger aufwies [33].

Kriterien der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung:
  1. a)

    schwere quälende Schmerzen >6 Monate;

     
  2. b)

    für deren Erklärung adäquat durchgeführte somatische Untersuchungen keinen ausreichenden Anhalt ergeben;

     
  3. c)

    Auftreten in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen, die wegen ihrer Schwere als entscheidende ursächliche Einflüsse gelten;

     
  4. d)
    Ausschluss von:
    • psychogenem Schmerz im Verlauf einer depressiven Störung oder einer Schizophrenie;

    • Schmerzen aufgrund bekannter oder psychophysiologischer Mechanismen wie Muskelspannungsschmerzen oder Migräne

     

Die Kriterien a und b treffen auf FMS-Patienten zu. Kriterium c trifft auf viele (jedoch nicht auf alle) FMS-Patienten zu: Fallserien aus klinischen Einrichtungen fanden relevante psychosoziale Belastungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Entwicklung oder Intensivierung der CWP bei 60–80% der Betroffenen [15]. Psychosoziale Stressoren sind mit einem erhöhten Risiko eines FMS assoziiert [49]. Zum Kriterium d: Systematische Übersichtsarbeiten fanden komorbide depressive Störungen bei 30–80% der FMS-Patienten [11]. Psychophysiologische Mechanismen der Schmerzen beim FMS werden im Kapitel der Arbeitsgruppe „Pathophysiologie“ dargestellt [49]. Longitudinale Studien des schwedischen Zwillingsregisters wiesen mittels Pfadanalyse einen gemeinsamen (mehr durch Umweltfaktoren als durch genetische Faktoren bestimmten) Faktor nach, der sowohl funktionellen somatischen Störungen (FMS, Reizdarmsyndrom, Kopfschmerzen, „chronic fatigue syndrome“) als auch psychischen Störungen (Depression und generalisierte Angststörung) zugrunde liegt [28, 29].

Eine dimensionale Betrachtung des FMS-Beschwerdekomplexes (Ausmaß körperlicher und seelischer Beschwerden, Beeinträchtigungen, psychosozialer Stressoren und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen sowie subjektive Ursachenüberzeugungen) ist daher angemessener als die kategoriale Einordnung des FMS als anhaltende somatoforme Schmerzstörung [24].

Die Kriterien einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F 45.41) lauten: Seit mindestens 6 Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen, die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung haben. Psychischen Faktoren wird eine wichtige Rolle in Bezug auf den Schweregrad, die Exazerbation oder die Aufrechterhaltung der Schmerzen beigemessen, jedoch nicht die ursächliche Rolle in Bezug auf deren Beginn. Der Schmerz verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Schmerzstörungen, insbesondere im Zusammenhang mit einer affektiven, Angst-, Somatisierungs- oder psychotischen Störung, sollen hier nicht berücksichtigt werden [8].

Diese Diagnosekategorie kann für Patienten verwendet werden, bei denen die chronische Schmerzsymptomatik in mehreren Körperregionen mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung oder Arthrose begann und deren aktuelles Ausmaß der Schmerzsymptomatik (Anzahl Schmerzorte, Beeinträchtigungen) im Falle einer Remission oder eines blanden klinischen Verlaufs der entzündlichen Symptomatik nicht mehr durch entzündliche Prozesse, sondern durch psychosoziale Prozesse erklärt werden kann.

Abgrenzung/Überlappung des Fibromyalgiesyndroms mit depressiven Störungen

Evidenzbasierte Feststellung

Das FMS kann mit depressiven Störungen assoziiert sein, EL1b. Das FMS ist aber nicht als depressive Störung zu klassifizieren, EL3a. Starker Konsens

Kommentar

Sowohl bevölkerungsbasierte Studien als auch Studien in klinischen Populationen weisen eine Assoziation von CWP/FMS mit depressiven Störungen nach. Jedoch berichtet nicht jeder Patient mit einer depressiven Störung über Schmerzen und nicht jeder Patient mit FMS ist depressiv [43].

Die Hauptsymptome des FMS, Schmerzen und Müdigkeit, sind auch mögliche Symptome depressiver Störungen. Schmerzen werden von 30–60% der Patienten mit depressiven Störungen angegeben [2]. Das häufigste körperliche Symptom von Patienten mit „major depression disorders“ in pharmakologischen Studien war Müdigkeit [53]; 6% der Patienten dieser Studien gaben ≥6 Schmerzlokalisationen an [54]. Die Assoziationsraten von multilokulären (>2) Schmerzen und affektiven Störungen lagen im World Mental Health Survey bei 2,8–19,6% [13]. In einer klinischen Studie erfüllten 13% der Patienten mit einer „major depression“ die ACR-1990-Kriterien eines FMS [55]. In einer deutschen Studie erfüllten 38% der Patienten mit depressiven Störungen (F32–34, F43.2) die Survey-Kriterien eines FMS (≥7/19 Schmerzorte und Müdigkeit ≥6/10 auf visueller Analogskala; [20]). Ein Teil der als depressiv diagnostizierten Patienten zeigt also ein fibromyalgieformes Beschwerdebild.

In einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung des Jahres 2009 erfüllten 12,5% der Personen mit FMS (nach den Survey-Kriterien) die Kriterien eines Major-depression-Syndroms und 12,5% die Kriterien eines anderen depressiven Syndroms (gemessen mithilfe des Depressionsmoduls des Gesundheitsfragebogens für Patienten; [18]). Eine systematische Übersichtsarbeit fand in klinischen Studien Prävalenzraten depressiver Störungen von 30–70% bei Patienten mit FMS [11]. Die Beschwerdesymptomatik eines Teils der Patienten mit FMS-Diagnose erfüllt daher auch die Kriterien einer depressiven Störung („major“ oder „minor depression“ oder atypische Depression).

Trotz teilweiser Überlappungen in der Symptomatik und den neuroendokrinen Mechanismen kam eine Übersichtsarbeit zu der Schlussfolgerung, dass Major-depression-Störungen und das FMS nicht als Varianten des gleichen Krankheitsbilds anzusehen sind [44].

Fibromyalgie vs. Fibromyalgiesyndrom

Konsensbasierte Feststellung

Da das Beschwerdebild durch einen Symptomkomplex definiert wird, ist der Begriff „Fibromyalgiesyndrom“ angemessener als der Begriff „Fibromyalgie“. EL5, Konsens

Kommentar

Funktionelle somatische Syndrome sind keine distinkten Krankheitsbilder wie z. B. ein Myokardinfarkt. Die Grundlage der Definition funktioneller somatischer Syndrome ist ein Kontinuum von Beschwerden. Wie bei kontinuierlich ausgeprägten biologischen Variablen, z. B. dem Ausmaß der Verengung der Herzkranzgefäße oder der Höhe des Blutzuckers, erfolgt die Definition eines Krankheitsbilds durch die Festlegung eines Grenzwerts durch Expertenkonsens und/oder klinische Studien. Der Begriff „Fibromyalgie“ kann ein – nicht vorhandenes – distinktes entzündlich-rheumatisches Krankheitsbild der Weichteile suggerieren.

Die Autoren sind sich bewusst, dass der Begriff des „Syndroms“ in der medizinischen Literatur nicht einheitlich verwendet wird. Der Begriff des Syndroms wird in dieser Leitlinie als „Zusammentreffen einzelner, für sich allein uncharakteristischer Symptome zu einem kennzeichnenden Krankheitsbild“ verstanden. Andere funktionelle somatische Syndrome sind das Reizdarmsyndrom oder das Urethralsyndrom. Das FMS wird als ein Syndrom erster Ordnung bzw. ein Symptomkomplex mit unbekannter bzw. nicht geklärter Ätiologie, heterogener Pathogenese sowie definiertem Phänotyp eingeordnet (s. Feststellung „Kernsymptome des Fibromyalgiesyndroms“). Syndrome zweiter Ordnung (Sequenzen) sind durch eine unbekannte Ätiologie, homogene Pathogenese und einen definierten Phänotyp (z. B. Cushing-Syndrom) definiert. Syndrome dritter Ordnung – Syndrome im engeren Sinne – sind durch eine homogene Ätiologie, unbekannte bzw. unbedeutende Pathogenese und einen definierten Phänotyp (z. B. Down-, Marfan-Syndrom) definiert [34].

Verlaufsformen des Fibromyalgiesyndroms

Evidenzbasierte Feststellung

Anhand klinischer Charakteristika können unterschiedlich schwere Verlaufsformen unterschieden werden. Eine allgemein anerkannte Schweregradeinteilung existiert jedoch nicht. EL5, starker Konsens

Kommentar

Da die Beschwerden, die das FMS definieren, in der allgemeinen Bevölkerung und in klinischen Populationen innerhalb eines Kontinuums verteilt sind (s. Feststellung „Symptomkomplex des Fibromyalgiesyndroms“), ist jede Form der Schweregradeinteilung abhängig von den verwendeten Kriterien und ihren Grenzwerten. Es gibt keine allgemein anerkannte Schweregradeinteilung von funktionellen Störungen i. Allg. und des FMS im Besonderen. Die Leitlinie „Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden“ unterscheidet bei funktionellen Körperbeschwerden leichte und schwere Verläufe (Tab. 1, [14]).

Tab. 1

Klinische Charakteristika leichterer und schwerer Verlaufsformen des Fibromyalgiesyndroms (fließende Übergänge, keine zwingenden Kriterien). (Modifiziert nach der AWMF-Leitlinie „Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden [14])

Kriterium

Leichter Verlauf

Schwerer Verlauf

Körperliche Beschwerden

Überwiegend muskuloskeletale Beschwerden

Zahlreiche Beschwerden (sowohl muskuloskeletale als auch andere Organsysteme)

Dauer der körperlichen Beschwerden

Rezidivierend, beschwerdefreie oder -arme Intervalle

Anhaltend; keine oder seltene beschwerdefreie oder -arme Intervalle

Seelische Beschwerden

Gering

Ausgeprägt

Subjektive Krankheitsannahmen

Angemessen (z. B. Abhängigkeit von Stress oder Temperatur)

Unangemessen (z. B. anhaltende Ängste vor schwerwiegender Krankheit trotz erfolgter Ausschlussdiagnostik)

Subjektive Beeinträchtigung (Beruf, Familie, Freizeit)

Fehlend oder gering

Hoch

Inanspruchnahme medizinischer Leistungen

Gering

Hoch („doctor hopping“)

Psychosoziale Belastung

Wenige bzw. leichtgradige Stressoren (Familie, Beruf)

Zahlreiche und/oder schwerwiegende Stressoren (Familie, Beruf)

Behandler-Patient-Beziehung

Kooperativ

„Schwierig“, frustrierend

In klinischen FMS-Populationen ließen sich verschiedene Cluster von Patientengruppen bzw. Schweregrade unterscheiden. Hoher körperlicher Disstress und subjektive Beeinträchtigungen waren mit größerem Medikamentenkonsum sowie körperlichen und psychischen Komorbiditäten assoziiert [6, 48]. In klinischen Studien ist eine Schweregradeinteilung des FMS mithilfe des Fibromyalgia Impact Questionnaire (FIQ) möglich [46].

Fallvignette eines leichteren FMS-Verlaufs: 37-jährige Patientin: seit dem elften Lebensjahr wiederkehrende Kreuzschmerzepisoden ohne Ausstrahlung, vor 2,5 Jahren Ausdehnung der Schmerzsymptomatik auf den ganzen Rücken sowie alle Extremitäten. Seit dieser Zeit auch Schmerzen an den meisten Tagen des Jahrs, im Sommer bzw. Urlaub in Mittelmeerländern geringe bzw. keine Schmerzen. Seit 2 Jahren konstantes Schmerzniveau mit einer durchschnittlichen Schmerzstärke von 6/10, geringster Schmerzstärke von 2/10 und maximaler Schmerzstärke von 9/10 auf einer 11-stufigen numerischen Skala (NRS). Weitere körperliche Beschwerden: seit 2 Jahren vermehrtes Steifigkeitsgefühl der Hände sowie vermehrte Kälteempfindlichkeit, keine vegetative Beschwerden. Tragen schwerer Lasten (z. B. Sprudelkästen) nicht mehr möglich. Statt Jogging nur noch Walking möglich. Keine Einschränkungen bei Hausarbeit. Unauffällige biographische Anamnese und aktuelle Lebenssituation (verheiratet, kinderlose Ehe, Mann selbstständig). Keine aktuellen seelischen Beschwerden bzw. seelischen Störungen/psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungen in der Vorgeschichte

Fallvignette eines schweren FMS-Verlaufs: 54-jährige Patientin: wiederkehrende Hüftschmerzen als Kind sowie seit dem frühen Erwachsenenalter rezidivierende Gelenk- und Rückenschmerzen. Vor 8 Jahren Schmerzausdehnung in den gesamten Rücken sowie beide Arme und Beine, seit dieser Zeit Dauerschmerzen mit durchschnittlicher Schmerzstärke von 8/10, geringster Schmerzstärke von 7/10 und maximaler Schmerzstärke von 10/10 (NRS), keine schmerzfreien oder -armen Intervalle. Weitere Beschwerden: seit etwa 5 Jahren überwiegend nichterholsamer Schlaf und verstärkte Tagesmüdigkeit mit rascher Erschöpfung bei bereits geringen körperlichen oder psychischen Belastungen, vermehrtes Steifigkeitsgefühl der Hände sowie vermehrte Kälteempfindlichkeit, rezidivierende Bauchschmerzen wechselnder Lokalisation, einhergehend mit einer Erhöhung der Stuhlfrequenz bei 3–10 Stühlen, imperativer Stuhl- und Harndrang (gastroenterologische und urologische Abklärung ohne pathologischen Befund), Herzrhythmusstörungen (kardiologische Abklärung ohne pathologischen Befund, Therapie mit β-Blocker). Kann nur noch leichte Hausarbeit (Kochen, Geschirrwegräumen) verrichten, die übrige Hausarbeit (Putzen, Waschen) wird von einer Putzfrau bzw. einer Tochter übernommen. Hobby Malen vor einem Jahr wegen der Schmerzen in den Armen aufgegeben. Seit 2 Jahren arbeitsunfähig, ausgesteuert, Arbeitslosengeld 2. Biographische Anamnese: physische Traumatisierungen durch den alkoholabhängigen Vater als Kind sowie ein Selbstmordversuch in der Jugend. Belastende Lebensereignisse und psychosoziale Probleme: Suizid einer drogenabhängigen Tochter sowie Arbeitsplatzkonflikte. Bei bis in die Kindheit zurückverfolgbarer vermehrter Ängstlichkeit (z. B. Dunkelheit, Verlassenwerden) mit 18 Jahren erstmals Panikattacken sowie zunehmendes Vermeidungsverhalten. Kann seit 2 Jahren nicht mehr allein mit dem Auto fahren und nur noch in einem kleinen Geschäft in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung einkaufen. Rückzug von sozialen Kontakten seit 2 Jahren. Seit 3 Jahren die meiste Zeit niedergeschlagen, lust- und antriebslos. Seit 2 Jahren ambulante psychiatrische Behandlung, mehrere Psychopharmaka erfolglos

Prävalenz des Fibromyalgiesyndroms in Deutschland

Evidenzbasierte Feststellung

Die Punktprävalenz des FMS in Deutschland liegt bei etwa 3,5%. EL2c, Konsens

Kommentar

In einer Zusammenfassung von 10 Studien zur Prävalenz in der allgemeinen erwachsenen Bevölkerung verschiedener Länder lag die Prävalenz des FMS bei 0,7–3,3%. Die Prävalenz unter Frauen betrug 1,0–4,9%, unter Männern 0,0–1,6%. Das Verhältnis von Frauen zu Männern lag bei 2–21:1 [12].

In Deutschland lag die Prävalenz des FMS nach den ACR-1990-Kriterien unter 35- bis 74-jährigen Frauen einer Bevölkerungsstichprobe bei 5,5% [46]. In einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung lag die Punktprävalenz von Schmerzen in mehreren Körperregionen (Rückenschmerz und Schmerz in allen 4 Extremitäten) bei 8,6%. Die Punktprävalenz des FMS (nach den Survey-Kriterien, (≥7/19 Schmerzorte und Müdigkeit ≥6/10 auf visueller Analogskala) lag bei 3,8% [95%-Konfidenzintervall (95%-KI): 3,6–4,0%). Das Verhältnis von Frauen zu Männern lag bei 1,2:1 [18]. In einer europäischen Studie (inkl. Deutschland) wurde die Punktprävalenzrate von CWP anhand des Regionenschmerzkriteriums des London Fibromyalgia Epidemiology Study Screening Questionnaire bestimmt und die Punktprävalenz des FMS aufgrund der Häufigkeit des FMS in rheumatologischen Praxen bei Vorliegen des CWP-Kriteriums des London Fibromyalgia Epidemiology Study Screening Questionnaire geschätzt: Die Punktprävalenz des CWP in Deutschland lag bei 11%, die des FMS bei 3,2% (95%-KI: 2,1–4,3%). Das Verhältnis von Frauen zu Männern beim FMS lag bei 1,6:1 [5].

In klinischen Einrichtungen liegt das Verhältnis von Frauen zu Männern bei 8–12:1 [21]. Die höheren Prävalenzraten bei Männern in aktuellen epidemiologischen Studien [5, 18] im Vergleich zu den Raten aus klinischen Einrichtungen lässt sich wie folgt erklären:
  1. 1.

    Der Verzicht auf das Tender-point-Kriterium für die klinische Diagnose des FMS in epidemiologischen Studien führt bei Männern mit CWP zu einer häufigeren FMS-Diagnose, da die durchschnittliche Druckschmerzhaftigkeit von Männern niedriger ist als die von Frauen. Sowohl in der allgemeinen Bevölkerung [58] als auch in klinischen Stichproben haben Männer weniger druckempfindliche „tender points“ als Frauen.

     
  2. 2.

    Es ist möglich, dass die Diagnose „FMS“ bei Männern mit CWP nicht gestellt wird, weil das FMS als „Frauenkrankheit“ gilt [22].

     
  3. 3.

    Frauen nehmen bei chronischen körperlichen Beschwerden häufiger medizinische Leistungen in Anspruch als Männer [14].

     

Klinische Diagnose

Klinischer Konsenspunkt

Die klinische Diagnose des FMS kann nach den ACR-1990-Klassifikationskriterien, den symptombasierten Kriterien der S3-Leitlinie zum FMS oder den vorläufigen modifizierten ACR-2010-Kriterien gestellt werden. Die klinische Diagnose beruht auf der Anamnese eines typischen Symptomkomplexes, der klinischen Untersuchung und dem Ausschluss körperlicher Erkrankungen, die diesen Symptomkomplex ausreichend erklären könnten. Starker Konsens

Kommentar

Die ACR-1990-Klassifikationskriterien des FMS [58] waren als Klassifikationskriterien und nicht als diagnostische Kriterien konzipiert. Trotzdem wurden sie in der Folge zur Diagnose im klinischen Alltag als auch in Studien genutzt. Die Verwendung der Tender-point-Untersuchung zur klinischen Diagnose wurde wegen mangelnder Akzeptanz unter Nichtrheumatologen, unzureichender Objektivität der Durchführung, fehlender Daten zur Reliabilität außerhalb des rheumatologischen Settings sowie mangelnder Validität kritisiert [21, 61].

Auf der Basis von Patientenbefragungen, dem Vergleich mit Patienten mit Arthrose und rheumatoider Arthritis sowie Expertenkonsens wurden von einer Expertengruppe des ACR [61] vorläufige diagnostische Kriterien des FMS entwickelt. In den modifizierten vorläufigen ACR-2010-Kriterien wurde die ärztliche Einschätzung der körperlichen Symptombelastung durch eine Selbsteinschätzung der körperlichen Symptombelastung durch den Patienten mittels eines Fragebogens ersetzt [64]. Im Rahmen der Konsensuskonferenz der deutschen S3-Leitlinie zum FMS [10] wurden Kriterien für die klinische Diagnose des FMS entwickelt (sog. AWMF-Kriterien; Tab. 2, [21]). CWP, Müdigkeit und Schlafstörungen, die bereits historisch als Symptomtrias beschrieben wurden, werden in den diagnostischen Kriterien als Kernsymptome für die Diagnose eines FMS gefordert.

Tab. 2

Kriterien für die klinische Diagnose des FMS

ACR-1990-Klassifikationskriterien [58]

Modifizierte vorläufige diagnostische Kriterien des ACR 2010 [64]

AWMF-Leitlinie FMS, diagnostische Kriterien [21]

Obligates Hauptsymptom

CWP nach ACR-1990-Kriterien (s. Feststellung „Definition von chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen“)

Regionaler Schmerzindex: ≥7/19 Schmerzorte auf der regionalen Schmerzskala

CWP nach ACR-1990-Kriterien (s. Feststellung „Definition von chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen“)

Obligate weitere Symptome

Keine

Symptomschwerescore ≥5a

Müdigkeit (körperlich und/oder geistig) und Schlafstörungen und/oder nichterholsamer Schlaf und Schwellungs- und/oder Steifigkeitsgefühl der Hände und/oder Füße und/oder des Gesichts

Ausschlussdiagnostik

Keine

Ausschluss einer körperlichen Erkrankung, die das typische Symptommuster ausreichend erklärt

Ausschluss einer körperlichen Erkrankung, die das typische Symptommuster ausreichend erklärt

a Symptomschwerescore: Summe von Müdigkeit, nichterholsamem Schlaf, kognitiven Problemen (jeweils von 0: „nicht vorhanden“ bis 3: „extrem ausgeprägt“); Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Depression (jeweils: 0: „nicht vorhanden“, 1: „vorhanden“; Spannweite des Summenscores: 0–12).Nach den modifizierten vorläufigen diagnostischen Kriterien des ACR von 2010 kann ein FMS auch bei 3–6 Schmerzorten auf der regionalen Schmerzskala und einem Symptomschwerescore ≥9 diagnostiziert werden [64]. Dieses diagnostische Kriterium ist jedoch nicht vereinbar mit dem Hauptsymptom des FMS, nämlich CWP. Bei 3 Schmerzlokalisationen in der regionalen Schmerzskala kann auch ein regionaler Schmerz (z. B. Nacken, Oberarm, Unterarm) vorliegen. Daher wird die Verwendung dieses diagnostischen Kriteriums nicht empfohlen.Die Konkordanzrate zwischen den ACR-1990-Kriterien und den diagnostischen Kriterien der deutschen AWMF-Leitlinie zum FMS lag in einer multizentrischen Studie bei 87% [21].

ACR American College of Rheumatology; AWMF Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften; CWP „chronic widespread pain“; FMS Fibromyalgiesyndrom.

Obligate somatische Diagnostik bei Erstevaluation

Klinischer Konsenspunkt

Im Falle der Erstevaluation eines möglichen CWP werden folgende Maßnahmen empfohlen:
  • Ausfüllen einer Schmerzskizze oder der regionalen Schmerzskala durch den Patienten;

  • gezielte Exploration weiterer Kernsymptome (Müdigkeit, Schlafstörungen);

  • vollständige medizinische Anamnese inkl. Medikamentenanamnese;

  • vollständige körperliche Untersuchung (inkl. der Haut sowie des neurologischen und orthopädischen Befunds);

  • Basislabor:
    • Blutsenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein, kleines Blutbild (z. B. Polymyalgia rheumatica, rheumatoide Arthritis),

    • Kreatinkinase (CK; z. B. Muskelerkrankungen),

    • Kalzium (z. B. Hyperkalzämie);

    • thyreoidstimulierendes Hormon basal (z. B. Hypothyreose);

  • bei Hinweisen auf somatische (Mit-)Ursachen der Symptomatik: weitere Diagnostik in Abhängigkeit von den Verdachtsdiagnosen.

Starker Konsens

Kommentar

CWP und Müdigkeit können Symptome einiger internistischer und neurologischer Erkrankungen sein (Tab. 3, Tab. 4). Muskel- und Gelenkschmerzen in mehreren Körperregionen ohne Nachweis einer Neuropathie oder Myopathie können durch zahlreiche Arzneimittel hervorgerufen werden. Hinsichtlich der Verschreibungshäufigkeit führend sind Statine: 10–15% der Patienten unter einer Statintherapie entwickeln Myalgien unterschiedlicher Schwergrade mit und ohne CK-Erhöhung [38]. Arthralgien und Myalgien sind Nebenwirkungen von Aromatasehemmern [57] und Interferonen [42].

Tab. 3

Wichtige Differenzialdiagnosen von chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen. (Modifiziert nach [30])

Innere Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen

Chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankungen

Entzündliche Myopathien

Chronische Hepatitis C

Metabolische Myopathien

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Degenerative Myopathien

Zöliakie

Endokrine Myopathien

Osteoporose

Myotonien

Hyper-/Hypoparathyreoidismus

Toxische Myalgien

Hyper-/Hyopthyreose

Myalgien bei seltenen Erkrankungen (z. B. Stiff-person-Syndrom)

Vitamin-D-Mangel

Myalgien bei Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems

Tab. 4

Durch Medikamente und Drogen ausgelöste schmerzhafte Myopathien. (Modifiziert nach [4])

Entzündliche Myopathien

Andere Myopathien

Myopathie und Neuropathie

Cimetidin

ACTH

Amiodaron

D-Penicillamin

Carbimazol

Colchizin

Kokain

Clofibrat

Heroin

Levodopa

Cromoglicinsäure

Interferon

Penicillin

Cyclosporin

L-Tryptophan

Procainamid

Enalapril

Vincristin

Sulfonamide

Ezetimib

Zidovudin

HMG-CoA-Reduktasehemmer

Metoprolol

Minoxidil

Protonenpumpeninhibitoren

Salbutamol

ACTH Adrenokortikotropes Hormon; HMG-CoA 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym A.

Weiterführende apparative Diagnostik

Klinischer Konsenspunkt

Bei typischem Beschwerdekomplex und fehlendem klinischem Hinweis auf internistische, orthopädische oder neurologische Erkrankungen (Anamnese und klinische Untersuchung ohne Hinweis auf andere Erkrankungen als Ursachen von Schmerzen und Müdigkeit, unauffälliges Basislabor) wird empfohlen, keine weitere technische Diagnostik (weiterführendes Labor, Neurophysiologie, Bildgebung) durchzuführen. Starker Konsens

Kommentar

Eine norwegische longitudinale Studie in der ambulanten Primärversorgung zeigte einen geringen diagnostischen Wert von radiologischen Untersuchungen bei Patienten mit CWP [35]. Eine kanadische Studie in der ambulanten Primär- und Sekundärversorgung zeigte keinen diagnostischen Wert der Bestimmung von mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen assoziierten Autoantikörpern bei der anamnestischen Angabe von CWP und Müdigkeit sowie fehlenden Gelenkschwellungen bzw. Hinweisen auf Erkrankungen innerer Organe [52].

Screening auf seelische Symptombelastung

Klinischer Konsenspunkt

Im Falle der Erstevaluation eines CWP wird ein Screening auf vermehrte seelische Symptombelastung (Angst und Depression) empfohlen. Starker Konsens

Kommentar

Die häufigsten komorbiden seelischen Störungen beim FMS sind depressive und Angststörungen [11]. Ein Screening (per Fragebogen oder Fragen durch Arzt an Patienten) ist mit der deutschen Version des Patientenfragebogens zur Gesundheit (PHQ-4; [37]) möglich (Abb. 1).

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Abb. 1

PHQ-4. Patientenfragebogen zur Gesundheit

Werte ≥3 sind als Grenzwert für eine mögliche depressive Störung (Fragen 1 und 2) bzw. eine mögliche generalisierte Angststörung, Panikstörung oder posttraumatische Belastungsstörung (Fragen 3 und 4) anzusehen und korrespondieren mit einem Perzentilrang von 93,4% (Depression) bzw. 95,2% (Angst) in Bezug auf eine repräsentative deutsche Bevölkerungsstichprobe [37].

Fachpsychotherapeutische Untersuchung

Klinischer Konsenspunkt

Eine fachpsychotherapeutische Untersuchung (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut) wird bei folgenden Konstellationen empfohlen:
  1. a)

    Hinweise auf vermehrte seelische Symptombelastung (Angst, Depression);

     
  2. b)

    anamnestische Angaben von aktuellen schwerwiegenden psychosozialen Stressoren;

     
  3. c)

    anamnestische Angaben von aktuellen oder früheren psychiatrischen Behandlungen;

     
  4. d)

    anamnestische Angaben von schwerwiegenden biographischen Belastungsfaktoren;

     
  5. e)

    maladaptive Krankheitsverarbeitung;

     
  6. f)

    subjektive psychische Krankheitsattributionen.

     

Konsens

Mortalität

Evidenzbasierte Feststellung

Die Mortalität ist beim FMS nicht erhöht. EL2b, starker Konsens

Kommentar

In einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie an 8186 FMS-Patienten (rheumatologische Praxis, US National Data Bank for Rheumatic Diseases) von 1974–2009 war im Vergleich zu 12.329 Patienten mit Arthrose aus dem US National Death Index die Mortalität nicht erhöht. Das standardisierte Risiko für Suizid war im Vergleich zur US-amerikanischen Bevölkerung erhöht [Odds-Ratio (OR): 3,3; 95%-KI: 2,2–5,1; [65]].

In einer retrospektiven dänischen Kohortenstudie wurden 1361 FMS-Patienten von 1984–1999 beobachtet. Das Mortalitätsrisiko war nicht erhöht. Weibliche Patienten hatten ein erhöhtes Suizidrisiko (OR: 10,5; 95%-KI: 4,5–20,7; [9]).

Inanspruchnahme medizinischer Leistungen

Evidenzbasierte Feststellung

Das FMS verursacht in Deutschland hohe direkte (Inanspruchnahme medizinischer Leistungen) und indirekte Krankheitskosten (Krankengeld). EL2b, starker Konsens

Kommentar

Es wurden nur Studien aus Deutschland berücksichtigt. In der IMS MediPlus, einer Datenbank von 900 allgemeinmedizinischen Praxen in Deutschland, wurde die Inanspruchnahme ambulanter Leistungen von 4983 FMS-Patienten mit 4983 Kontrollen, die hinsichtlich des Alters und Geschlechts angeglichen waren, im Zeitraum 02/2006–02/2007 verglichen. FMS-Patienten wiesen im Untersuchungszeitraum doppelt so viele Besuche beim Allgemeinarzt, Überweisungen zum Facharzt und Krankschreibungen wie die Kontrollpatienten auf. Die Krankheitskosten (Arztbesuche, Medikamente, stationäre Behandlungen und Krankschreibungen) wurde auf 9573 $ im Vergleich zu 329 $ bei den Kontrollen geschätzt [3].

In einer Studie der ehemaligen Barmer Ersatzkasse (BEK) wurden für den Zeitraum vom 1. Juli 2008 bis 30. Juni 2009 für 19.592 Versicherte mit der Diagnose FMS (0,3% der Gesamtversicherten) jährliche direkte Krankheitskosten von 3160 € (ambulante und stationäre Behandlung) und indirekte Krankheitskosten von 721 € (Krankengeld) errechnet. Daten einer Kontrollgruppe wurden nicht berichtet [39].

Schlussfolgerungen

Mit der Validierung der für die erste Version der S3-Leitlinie entwickelten symptombasierten diagnostischen Kriterien [22] und der Beteiligung von Leitliniengruppenmitgliedern an der Entwicklung der modifizierten vorläufigen diagnostischen Kriterien des ACR von 2010 [64], die eine Diagnose des FMS ohne Tender-point-Überprüfung ermöglicht, setzt die überarbeitete Leitlinie die Bemühungen der ersten Leitlinienversion fort, auch Nichtrheumatologen die Diagnose eines FMS zu erleichtern.

Durch den Abgleich mit den Empfehlungen der S3-Leitlinie zu unspezifischen/funktionellen/somatoformen Körperbeschwerden [24] zur diagnostischen Etikettierung und Therapie des Beschwerdekomplexes erhofft sich die Arbeitsgruppe ein Ende der Klassifikationsdebatte von CWP ohne ausreichend erklärenden somatischen Krankheitsfaktor und eine Konzentration auf die Bearbeitung der Forschungsdefizite:
  • Entwicklung einer reliablen und (inter-)national akzeptierten Schweregradeinteilung von unspezifischen/funktionellen/somatoformen Körperbeschwerden i. Allg. und des FMS im Besonderen;

  • prospektive Kohortenstudien zur Bedeutung des sekundären Krankheitsgewinns, sozialer Faktoren (Arbeitslosigkeit, Rentenantrag), iatrogener Chronifizierung und diagnostischer Etikettierungen.

Interessenkonflikt

Siehe Tab. 5 im Beitrag „Methodenreport“ von W. Häuser, K. Bernardy, H. Wang, I. Kopp in dieser Ausgabe

Supplementary material

482_2012_1169_MO1_ESM.pdf (525 kb)
English version of "Das Fibromyalgiesyndrom" (PDF 0,5 MB)
482_2012_1169_MO2_ESM.pdf (415 kb)
Evidenzbericht: Forest Plots der standardisierten Mittelwertdifferenzen von experimenteller Gruppe versus Kontrollgruppe bei ausgewählten Zielvariablen am Therapieende und bei Nachuntersuchungen (PDF 0,4 MB)
482_2012_1169_MO3_ESM.pdf (430 kb)
Evidence report: Forest Plots of standardised mean differences between experimental groups versus controls on selected outcomes at final treatment and at follow up (PDF 0,4 MB)
482_2012_1169_MO4_ESM.pdf (299 kb)
Evidenzbericht: Tabellen - Charakteristiken der Studien, die in qualitative und/oder quantitative Analyse einbezogen wurden (PDF 0,3 MB)
482_2012_1169_MO5_ESM.pdf (676 kb)
Evidence report: Tables - Characteristics of studies included into qualitative and/or quantitative analysis (PDF 0,7 MB)

Copyright information

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