, Volume 24, Issue 4, pp 342-354
Date: 28 Jul 2010

Sedierung in der Palliativmedizin*: Leitlinie für den Einsatz sedierender Maßnahmen in der Palliativversorgung

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Zusammenfassung

Die European Association for Palliative Care (EAPC) betrachtet die palliative Sedierung als wichtige und notwendige Behandlungsoption für ausgewählte Patienten, die unter sonst therapierefraktären Symptomen leiden. Die Anwendung dieser Maßnahme erfordert entsprechende Sorgfalt als auch klinische Erfahrung („good clinical practice“). Eine Nichtbeachtung der potenziellen Risiken kann schädigendes und unethisches Handeln nach sich ziehen, welches die Glaubwürdigkeit und die Reputation der verantwortlichen Therapeuten und Institutionen als auch der Palliativmedizin insgesamt beeinträchtigen kann. Verfahrensorientierte Leitlinien tragen dazu bei, medizinisches Personal zu schulen, Standards für die optimale Versorgung zu setzen und die wichtige Information zu vermitteln, dass palliative Sedierung genau dann eine akzeptierte und ethisch gerechtfertigte Vorgehensweise darstellt, wenn sie in bestimmten angemessenen Situationen eingesetzt wird. Die EAPC ist bestrebt, die Entwicklung solcher Behandlungsstandards durch ein 10-Punkte-Rahmenprogramm im Sinne einer Leitlinie zu fördern, welches auf bereits bestehenden Standards, auf wissenschaftlichen Untersuchungen und auf Reviews beruht.

Abstract

The European Association for Palliative Care (EAPC) considers sedation to be an important and necessary therapy option in the care of selected palliative care patients with otherwise refractory distress. Prudent application of this approach requires due caution and good clinical practice. Inattention to potential risks and problematic practices can lead to harmful and unethical practice which may undermine the credibility and reputation of the responsible clinicians and institutions as well as the discipline of palliative medicine more generally. Procedural guidelines are helpful to educate medical providers, set standards for best practice, promote optimal care and convey the important message to staff, patients and families that palliative sedation is an accepted, ethical practice when used in appropriate situations. EAPC aims to facilitate the development of such guidelines by presenting a 10-point framework that is based on the pre-existing guidelines and literature and extensive peer review.

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European Association for Palliative Care (EAPC) Recommended Framework for the Use of Sedation in Palliative Care. Übersetzt von B. Alt-Epping, T. Sitte, F. Nauck, L. Radbruch
Original von: Nathan I Cherny, Lukas Radbruch (2009) EAPC recommended framework for the use of sedation in Palliative Care. Pall Med 23(7):581–559
Erstpublikation deutsche Fassung: Palliativmedizin 2010; 11(3):112–122, Thieme Verlag
*Im Titel des Originaltextes findet sich das Wort framework , in dem sich widerspiegelt, dass es sich keineswegs um direktive Vorgaben, als eher um einen Handlungsrahmen handelt, der in Form von nationalen Leitlinien oder lokalen Standards bzw. Verfahrensanweisungen entsprechend den jeweiligen kulturellen und regionalen Besonderheiten weiter ausgestaltet und auf individuelle klinische Situationen angewendet werden sollte. Die Vorgabe eines solchen Handlungskorridors, der die Rechtsqualität einer Empfehlung hat, wird in der deutschen Nomenklatur des Qualitätsmanagements als Leitlinie bezeichnet – im Gegensatz zu einer Richtlinie, die in ihrem Geltungsbereich rechtsverbindlichen Charakter hat.