, Volume 27, Issue 2, pp 177-201

Atomangst

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Zusammenfassung

Unter Einsatz von komplexen statistischen Verfahren, den so genannten latenten Wachstumsmodellen, untersucht der Beitrag die langfristige Entwicklung von Sorgen bei Unterstützern und Sympathisanten der Friedensbewegung. Die der Arbeit zugrunde liegenden Daten entstammen einer 1985 mit damals im Schnitt 14 Jahre alten Jugendlichen begonnenen Längsschnittstudie mit 7 Erhebungswellen. Erhebungen wurden alle 3½ Jahre durchgeführt. Es wird angenommen, dass Aktivisten der Friedensbewegung zu Beginn der Studie im Jahr 1985 weniger (selbstbezogene) mikrosoziale Sorgen (Hypothese 1) und höhere (auf größere soziale Einheiten bezogene) makrosoziale Sorgen artikulieren (Hypothese 2) als Nichtaktive. Für Jugendliche, die 1985 die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs hoch einschätzten, aber nicht an Aktivitäten der Friedensbewegung teilgenommen haben, wird angenommen, dass sie 21 Jahre später mehr private Sorgen haben als ihre politisch aktiven Altersgenossen (Hypothese 3). Für jugendliche Aktivisten wird weiterhin angenommen, dass sie auch 21 Jahre später mehr makrosoziale Besorgnisse artikulieren als ihre im Jugendalter nichtaktiven Peers (Hypothese 4). Alle 4 Hypothesen finden Bestätigung. Die Ergebnisse werden als Beleg für die psychoanalytisch-basierte Annahme von Leithäuser interpretiert, dass Furcht vor globalen Bedrohungen, die nicht durch „identifizierende Teilnahme“ an politischen Aktionen bearbeitet werden, tatsächlich in private Ängste verschoben wird, dass also der Verzicht auf politisches Engagement im Angesicht einer erlebten globalen Bedrohung ein langfristiges Risiko für die seelische Gesundheit darstellt.

Abstract

Utilizing complex statistical analyses, namely latent growth modeling, the long-term development of worries among peace movement supporters is examined. Data originate from a 7-wave German longitudinal study started in 1985 with the then on average 14-year-old subjects. Waves were interspersed at 3½ year intervals. Activists are assumed to have lower (self-related) microworries (H1) and higher macroworries (concerned with larger entities; H2) than non-activists at the onset of the study. Non-activists who appraised the threat of nuclear war as high in 1985 are assumed to report worse mental health than their activist age mates 21 years later (H3). Activists are assumed to express relatively more macroworries than non-activists in mid-adulthood (H4). All four hypotheses were confirmed. Results are interpreted as evidence for the psychoanalytic argumentation by Leithäuser that fear of global threats is likely to be displaced into personal anxiety if not coped with in the form of “identifying participation” in political action, suggesting that refraining from acting out against a perceived sociopolitical threat is a long-term risk for a positive mental-health trajectory.