Forum der Psychoanalyse

, Volume 26, Issue 4, pp 365–387

65 Jahre später

Zeitzeugen des „Hamburger Feuersturms (1943)“ im lebensgeschichtlichen Interview
  • Ulrich Lamparter
  • Christa Holstein
  • Malte Thießen
  • Dorothee Wierling
  • Silke Wiegand-Grefe
  • Birgit Möller
Originalarbeit

DOI: 10.1007/s00451-010-0053-5

Cite this article as:
Lamparter, U., Holstein, C., Thießen, M. et al. Forum Psychoanal (2010) 26: 365. doi:10.1007/s00451-010-0053-5

Zusammenfassung

Die langfristigen psychischen Folgen des Zweiten Weltkriegs über die Generationen hinweg stellen ein zentrales psychoanalytisches Forschungsthema dar. Dabei ist eine interdisziplinäre Herangehensweise unverzichtbar. Im Projekt „Zeitzeugen des Hamburger Feuersturms (1943) und ihre Familien“ werden die langfristige Verarbeitung der Bombenangriffe vom Juli 1943 in Hamburg und ihre familiäre Tradierung in einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Psychoanalytikern und Historikern untersucht. Die vorliegende Arbeit berichtet von den Befunden aus lebensgeschichtlichen Interviews mit 64 Zeitzeugen, 34 Frauen und 30 Männer mit einem mittleren Alter von 75 Jahren, die als Kinder oder Jugendliche dem „Hamburger Feuersturm“ von 1943 ausgesetzt waren. Sie wurden mit einem semistrukturierten Interview untersucht. Eine „nacherzählend gedeutete Verarbeitungsgeschichte“ und das Interviewtranskript waren die Ausgangspunkte für eine typologische Ordnung durch die Forschungsgruppe, die zu insgesamt 9 prototypischen Fällen führte. An diesen Fällen lassen sich neben psychostrukturell-biografischen Verläufen auch mentalitätsgeschichtliche und kulturgeschichtliche Traditionslinien reflektieren. Insgesamt sieht die Untersuchungsgruppe ihr Erleben im Hamburger Feuersturm als sehr wichtig und oft zentral im Lebensverlauf an. Die Analyse der Verarbeitung im Lebensverlauf muss die Gestaltung des Lebensschicksals beim Kriegsende und den so genannten Aufbaujahren historisch adäquat berücksichtigen. Die Untersuchungen stoßen auf großes Interesse der damaligen „Kriegskinder“.

65 years later

Witnesses of the Hamburg Firestorm (1943) in biographical interviews

Abstract

Research on the long-term emotional impact of World War II experiences is an important psychoanalytical issue and requires an interdisciplinary approach. In the project: “Witnesses of the ‘Operation Gomorrha (Hamburg Firestorm)’ (1943) and their families” long-term processing of and coping with war experiences of former children and adolescents are investigated by historians and psychoanalysts. A sample of 64 witnesses (34 women, 30 men, average age 75 years) and their families was recruited and investigated by semi-structured interviews. The interviews were analyzed by methods of “renarrated and interpreted history of coping” and group analysis against the background of historical, psychological and cultural approaches. A total of nine prototypical cases give insight into different biographically determined representations of the “Firestorm” and the conjunction with socio-cultural processes. Analysis of coping over the life-time has to take life experiences after the war and during the time of rebuilding into account. The research project attracts much interest among the former “war”-children.

Copyright information

© Springer-Verlag 2010

Authors and Affiliations

  • Ulrich Lamparter
    • 1
  • Christa Holstein
    • 1
  • Malte Thießen
    • 2
  • Dorothee Wierling
    • 3
  • Silke Wiegand-Grefe
    • 4
  • Birgit Möller
    • 5
  1. 1.Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Zentrum für Innere MedizinUniversitätsklinikum Hamburg-EppendorfHamburgDeutschland
  2. 2.Institut für GeschichteUniversität OldenburgOldenburgDeutschland
  3. 3.Forschungsstelle für Zeitgeschichte in HamburgHamburgDeutschland
  4. 4.Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und JügendaltersUniversitätsklinikum Hamburg-EppendorfHamburgDeutschland
  5. 5.Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und JugendaltersUniversitätsklinikum Hamburg-EppendorfHamburgDeutschland