, Volume 22, Issue 3, pp 240-248,
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Das Konzept der „psychischen Realität“

Zusammenfassung

Untersucht wird, inwieweit das gegenwärtige Verständnis der „psychischen Realität“ mit der Konzeptualisierung Freuds noch identisch ist und das Konzept einheitlich verwendet wird. Es wird aufgewiesen, dass dieser Begriff in der gegenwärtigen Literatur auf sehr verschiedene Inhalte—z. B. Ersatzbildungen, von unbewussten Prozessen beeinflusstes subjektives Erleben, erste psychische Organisation des Subjekts, Manifestationen von Phantasien—bezogen wird. Bei Freud hingegen bezieht sich dieser Begriff in zweifacher Weise auf unbewusste Inhalte: Zum einen auf ihre reale Existenz und zum anderen auf die Eigenschaft unbewusster Vorstellungen, auf reale Ereignisse der Außenwelt auch dann zu verweisen, wenn sie ursprünglich bloße Phantasien waren. Es wird dafür plädiert, dieses Konzept nicht zu verwässern und die Definition Freuds beizubehalten.

Abstract

The questions are examined, to what extent our contemporary understanding of “psychic reality” and Freuds concept are still identical and whether this concept is used always in the same sense. It can be shown, that in the present literature this concept relates to very different contents as for example substitutive formations, subjective experiences being influenced by unconscious processes, the first mental organization of the subject or, simply, manifestations of phantasies. In Freud’s view, however, this concept refers twofold to unconscious contents: on the one hand to their real existence, on the other hand to the quality of unconscious concepts, to refer even then to real events in the external world, if, originally, they were only phantasies. It is argued not to blur the original concept and to retain the definition of Freud.