BEITRAG ZUM THEMENSCHWERPUNKT

Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie

, Volume 37, Issue 1, pp 15-19

First online:

Die Rolle der Ganganalyse in therapeutischen Trainingsprogrammen von Betagten

  • R. W. KressigAffiliated withLeitender Arzt, MOBEQ (Rehabilitationsprogramm für Mobilitäts- und Gleichgewichtsstörungen), Department für Rehabilitation und Geriatrie, Hôpitaux Universitaires de Genève Email author 
  • , O. BeauchetAffiliated withLeitender Arzt, MOBEQ (Rehabilitationsprogramm für Mobilitäts- und Gleichgewichtsstörungen), Department für Rehabilitation und Geriatrie, Hôpitaux Universitaires de Genève

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Zusammenfassung.

Das Gangstudium von alten Menschen verbessert unser Verständnis der motorischen Kontrolle in dieser Population und hilft, die Effizienz präventiver Interventionen zu verbessern. Im Erwachsenenalter ist Gehen eine automatisierte, regelmäßige motorische Aktivität, die weitgehend vom Unterbewusstsein und somit von subkortikalen Hirnregionen kontrolliert wird. Im Betagtenalter erfordert Gehen vermehrte Aufmerksamkeit, was auf eine zunehmende kortikale Abhängigkeit der motorischen Kontrolle schließen lässt. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Schritt-zu-Schritt-Variabilität, die bei stürzenden alten Menschen besonders hoch ist. Die wachsende Zahl von klinischen Ganganalyse-Systemen ermöglicht es heute, die Gangvariabilität und das Sturzrisiko bei betagten Menschen zu eruieren. Im Design von Sturzpräventionsinterventionen, die eine Verminderung der Gangvariabilität anstreben, müssen grundsätzliche Mechanismen aus dem motorischen Lernprozess und dem motorischen Gedächtnis einbezogen werden. Vormals unterbewusste, automatisierte Bewegungsabläufe müssen wiedererlernt und im motorischen Gedächtnis abgespeichert werden. Neben regelmäßigem Gehtraining scheint T’ai Chi mit seinen langsamen, hochkontrollierten Bewegungssequenzen in diesem Wiedererlernprozess besonders wirksam zu sein. Weitere Forschungsprojekte sind notwendig, um Interventionen zu finden, welche die Gangvariabilität betagter Menschen günstig zu beeinflussen vermögen.

Schlüsselwörter

Gangvariabilität Motorische Kontrolle Sturzprävention T’ai Chi

Gait analysis and tailored exercise prescription in older adults

Summary.

Examining gait characteristics in older adults enhances our understanding of movement control in this population and helps to better target preventive interventions. Walking is a highly automated, regular motor behavior that is mostly controlled by subcortical locomotor brain regions. With increasing age, walking requires higher levels of attention and thus more cortical involvement in motor control. This can affect gait regularity by increasing stride-tostride variability that is characteristically high among fallers. A growing number of clinical gait analysis systems is now available to determine gait variability and thus the falling risk in older adults. Interventions targeting high gait variability in older adults need to consider basic principles of motor learning. Previously common and automatic gait patterns have to be relearned and again brought up to a highly automated level of motor control. Regular walking exercise, and particularly T’ai Chi with its emphasis on sequenced, slow, and highly controlled movements, might be helpful in this relearning process. Further research is needed to explore other interventions that could favorably affect stride-to-stride variability of older adults.

Key words

Gait variability motor control fall prevention T’ai Chi