, Volume 106, Issue 9, pp 775-782
Date: 20 Sep 2009

Eigenerhebung der Leseleistung mit dem ACTO-Selbsttest bei AMD-Patienten nach intravitrealen Injektionen

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Zusammenfassung

Einleitung

Nach VEGF-Injektionen sind monatliche Kontrollen durch den betreuenden Augenarzt erforderlich, um einen erneuten Visusabfall zeitnah zu erkennen. Dieses Zeitintervall ist für viele ältere AMD-Patienten nicht einhaltbar. Vielfach stoßen die Praxen an ihre logistischen Grenzen; die Vergütung der zusätzlichen ärztlichen Leistung ist unzureichend. Vor diesem Hintergrund entstand der ACTO-Selbsttest. Bei dieser Screeningmethode kann der Patient seine Leseleistung selbst überprüfen, um Veränderungen der Sehkraft – außerhalb der Routinekontrollen beim Augenarzt – aufzudecken.

Material und Methode

Der papiergestützte ACTO-Selbsttest besteht aus einer in Dezimalschritten abgestuften Sehtesttafel und einem Amsler-Gitternetz mit 6 „Ja-Nein“-Fragen sowie einer Anleitung. Der Patient führt den Selbsttest an beiden Augen getrennt durch und überträgt die Ergebnisse in eine Tabelle. Das „Aktion Augenlicht“ Service Center begleitet die Untersuchungen telefonisch, motiviert den Patienten und vereinbart bei stabilem Testergebnis neue Kontrolltermine. Fällt das Ergebnis schlechter aus oder besteht der Verdacht auf eine Visusminderung, erfolgt umgehend eine Terminvereinbarung beim betreuenden Augenarzt.

Ergebnisse

Zwischen den Lesestufen des ACTO-Selbsttests und der dezimalen Sehschärfe in die Ferne besteht eine gute Korrelation (r2=0,9). Insgesamt wurden 1444 Patienten telefonisch begleitet, 745 von ihnen nahmen an dem regelmäßigen Kontrollprogramm teil. Insgesamt kam es zu 3003 Kontakten. In 137 Fällen wurde der Augenarzt über ein verschlechtertes Ergebnis beim ACTO-Selbsttest informiert und eine umgehende augenärztliche Überprüfung vereinbart. 699 Patienten wurden als sog. „dropouts“ nicht weiter verfolgt. Die Gründe dafür waren in 39% der Fälle ein Visusabfall unterhalb der Grenzen des ACTO-Selbsttests, bei 29% eine gleichzeitige monatliche augenärztliche Kontrolle und bei 32% eine – trotz anfänglicher schriftlicher Einwilligung – nicht mehr gewünschte Betreuung. Im Verlauf der Erhaltungsphase kam es bei rund 18% der AMD-Patienten zu einer Verschlechterung der ACTO-Selbsttest-Ergebnisse.

Schlussfolgerung

Durch den monatlich durchgeführten ACTO-Selbsttest kann, in Kombination mit der telefonischen Unterstützung, eine erneute Leseminderung zeitnah erkannt und augenärztlich als echte Visusminderung bestätigt werden. Der Selbsttest ersetzt dabei nicht die qualifizierte Funduskopie des Augenarztes. Allerdings erhöhen die monatlich durchgeführten Selbsttests – bei gleichzeitig wenigeren Arztkontakten – die Sicherheit bei der Erkennung eines Rezidivs. Gleichzeitig kann dadurch die frühzeitige augenärztliche Intervention bei Visusveränderungen verbessert werden.

Abstract

Introduction

Monthly controls are necessary after injections of vascular endothelial growth factor (VEGF) to enable timely recognition of a renewed decrease in vision. However, these monthly control intervals are not realistic for many older patients with age-related macular degeneration (AMD), and outpatient clinics often reach their logistical limits because of inadequate funding for the additional medical work. Against this background, we conceived the ACTO self-test as a novel screening method for patients to discover unnoticed visual changes outside the routinely scheduled ophthalmic examination.

Material and methods

The paper version of the ACTO self-test consists of a reading chart gradated in decimal steps as well as six questions regarding the quality of the Amsler grid. The patient uses a self-screening test to examine each eye separately and then transfers the results to a table. Along with the self-examination, the Action Eyesight Service Center is available to the patient by phone to motivate the patient and schedule a new appointment if improved test results occur. If decreased values or suspected decreased visual function occur, these are verified immediately by the referring physician.

Results

There is a good correlation between the steps of the ACTO self-test and standard visual acuity at 4 m (r2=0.9). Altogether, 1,444 patients were followed by phone and 745 participated in repeated regular audits, for a total of 3,003 phone contacts. The treating physician was informed about decreased visual acuity or increased Amsler distortion in the ACTO test in 137 cases, and immediate verification was done. We had 699 dropouts; the reasons were decreased visual acuity below the limits of the ACTO test in 39%, additional monthly examinations by the local ophthalmologist in 29%, and a desire for no more telephone follow-up (despite initial written consent) in 32%. Decreased vision when reading or an increased score on the Amsler test within the ACTO screening test was observed in 18% of AMD patients during the maintenance phase.

Conclusion

Monthly screening by the ACTO screening test in combination with phone audits offers a new way to test visual acuity, with the Amsler score helping to detect changes in visual function. For patients with visual changes, confirmation by the ophthalmic physician can be achieved in time. Self-assessment cannot replace qualified ophthalmologic examination, but monthly self-controls enhance safety, reduce the number of physician contacts, and improve the detection of visual changes, with the option of immediate ophthalmic retreatment.

Der ACTO-Selbsttest ist im Internet abrufbar unter http://www.acto.de