Der Pathologe

, Volume 34, Issue 4, pp 329–334

Ringversuch zum Nachweis genomischer Veränderungen bei Non-Hodgkin-Lymphomen mittels In-situ-Hybridisierung

Authors

    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Ulm
  • L. Floßbach
    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Ulm
  • H.-W. Bernd
    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
  • R. Bob
    • Pathodiagnostik Berlin
  • M. Buck
    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Ulm
  • S.B. Cogliatti
    • Institut für PathologieKantonsspital St. Gallen
  • A.C. Feller
    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
  • M.L. Hansmann
    • Senckenbergisches Institut für PathologieKlinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
  • S. Hartmann
    • Senckenbergisches Institut für PathologieKlinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
  • H. Horn
    • Abteilung für PathologieRobert-Bosch Krankenhaus Stuttgart
  • W. Klapper
    • Sektion HämatopathologieUniversitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • D. Kradolfer
    • Institut für PathologieKantonsspital St. Gallen
  • T. Mattfeldt
    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Ulm
  • P. Möller
    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Ulm
  • A. Rosenwald
    • Pathologisches InstitutJulius-Maximilians-Universität Würzburg
  • H. Stein
    • Pathodiagnostik Berlin
  • C. Thorns
    • Institut für PathologieUniversitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
  • G. Ott
    • Abteilung für PathologieRobert-Bosch Krankenhaus Stuttgart
Originalien

DOI: 10.1007/s00292-012-1719-0

Cite this article as:
Barth, T., Floßbach, L., Bernd, H. et al. Pathologe (2013) 34: 329. doi:10.1007/s00292-012-1719-0
  • 210 Views

Zusammenfassung

Hintergrund

Die Detektion charakteristischer genomischer Aberrationen mittels nicht radioaktiver In-situ-Hybridisierung (ISH) hat nach den Vorschlägen der World Health Organization (WHO) eine wichtige Rolle in der Lymphomdiagnostik. Um die Reproduzierbarkeit entsprechender Analysen zu untersuchen, wurde ein Ringversuch mit acht Instituten für Hämatopathologie durchgeführt.

Material und Methoden

Untersucht wurden zwei diffuse großzellige B-Zell-Lymphome (DLBCL) ohne bekannte Aberrationen, ein follikuläres Lymphom mit IGH/BCL2-Translokation und BCL6-Bruch und zwei B-Zell-Lymphome intermediär zwischen DLBCL und Burkitt-Lymphom mit c-MYC und BCL2-Rearrangement, eines zusätzlich mit BCL6-Bruch. Eingesetzt wurden bruchpunktflankierende Sonden für BCL6 und c-MYC und Fusionssonden für die c-MYC/IGH- und die IGH/BCL2-Translokation.

Ergebnisse

Alle Aberrationen wurden übereinstimmend von allen Zentren richtig detektiert; es gab keine falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnisse. Die Zahl der jeweils als positiv gewerteten Zellen variierte zwischen 25% und 94%. Der Pearson-Korrelationskoeffizient zwischen den Zentren war stets > 0,8.

Schlussfolgerung

Die ISH-Analytik an Paraffingewebe ist eine gut reproduzierbare Technik, die die molekularpathologische Lymphomdiagnostik erheblich stützen kann.

Schlüsselwörter

Fluoreszenz-In-situ-HybridisierungNicht radioaktive In-situ-HybridisierungNon-Hodgkin-LymphomParaffin-GewebeQualitätssicherung

Abkürzungen

ISH

In-situ-Hybridisierung

FISH

Fluoreszenz-In-situ-Hybridisierung

WHO

World Health Organization

DLBCL

diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom

NHL

Non-Hodgkin-Lymphom

FFPE tissue

„Formalin-fixed, paraffin-embedded tissue”

CISH

Chromogen-In-situ-Hybridisierung

BAP

„Break-apart“-Probe, eine Bruchpunkt-flankierende Sonde

Round robin test for detection of genomic aberrations in non-Hodgkin lymphoma by in situ hybridization

Abstract

Background

The detection of characteristic genomic aberrations by fluorescence in situ hybridization (FISH) has a high diagnostic impact on lymphomas according to the World Health Organization (WHO). To investigate the reproducibility of non-isotopic ISH results a multicenter trial was carried out involving eight institutes for hematopathology.

Material and methods

Analyses were performed on two diffuse large B-cell lymphomas (DLBCL) without known aberrations, on one follicular lymphoma with a IGH/BCL2 translocation and BCL6 split and on two B-cell lymphomas intermediate between DLBCL and Burkitt’s lymphoma with c-MYC and BCL2 rearrangements, one with an additional BCL6 split. Break-apart probes for BCL6 and c-MYC, as well as fusion probes for the c-MYC/IGH and the IGH/BCL2 translocations were used.

Results

All aberrations were correctly detected by all centres and no false positive or false negative results were obtained. The numbers of positive cells varied from 25% to 94%. Pearson’s correlation coefficient between the centres was always > 0.8.

Conclusions

The ISH analysis of recurrent genomic aberrations in formalin-fixed paraffin-embedded (FFPE) tissue is a highly reproducible technique which yields substantial additive help for lymphoma diagnostics.

Keywords

Fluorescence in situ hybridizationNon-isotopic in situ hybridizationNon-Hodgkin lymphomaFormalin-fixed paraffin-embedded tissueQuality assurance

Hintergrund und Fragestellung

Bei der Differenzialdiagnostik von B-Zell-Lymphomen sind ergänzend zur Immunhistochemie auch genetische Marker von Bedeutung. Wichtig sind hier die IGH-BCL2-Translokation (follikuläres Lymphom) und die c-MYC-IGH-Translokation (Burkitt-Lymphom), die mittels der nichtradioaktiven In-situ-Hybridisierung (ISH) detektiert werden können. Bislang gibt es nur für Her2neu (Mammakarzinom) Studien zur Reproduzierbarkeit der ISH-Ergebnisse bei soliden Tumoren. Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit bestand darin, die Verlässlichkeit der ISH-Analyse im Kontext der B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome zu studieren.

Lymphome der B-Zell-Reihe machen mit 80–90% den überwiegenden Anteil der Non-Hodgkin-Lymphome aus [4, 15, 16]. Dabei reicht das Spektrum von indolenten oder niedrig malignen Erkrankungen, wie beispielsweise dem follikulären Lymphom, bis hin zu hoch aggressiven Tumoren, wie dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) oder dem Burkitt-Lymphom. Die Differenzialdiagnostik gestaltet sich oft schwierig; zudem spielt der Zeitfaktor gerade bei Verdacht auf Burkitt-Lymphom, das bekanntermaßen einen onkologischen Notfall darstellt [3], eine wichtige Rolle. Für die jeweilige Therapieentscheidung ist eine gesicherte Diagnostik von großer Wichtigkeit; den Leitlinien der World Health Organization (WHO) folgend wird dementsprechend neben der Morphologie und der Immunhistologie die Bestimmung weiterer molekularpathologischer Marker empfohlen [11, 16]. So ist das follikuläre Lymphom charakterisiert durch eine Translokation des BCL2-Gens, das im Rahmen der t(14;18)(q32;q21) unter die Kontrolle des potenten Promotors bzw. Enhancers für die Immunglobulinschwerketten (IGH) gerät und somit überexprimiert wird [7]. Ein analoger Mechanismus führt im t(8;14)(q24;q32)-positiven Burkitt-Lymphom zur Überexpression von c-MYC [12]. Die typische Morphologie und die klassischen Signalkonstellationen in der Fluoreszenz-In-situ-Hybridisierung (FISH) für ein Burkitt-Lymphom zeigt Abb. 1.

https://static-content.springer.com/image/art%3A10.1007%2Fs00292-012-1719-0/MediaObjects/292_2012_1719_Fig1_HTML.jpg
Abb. 1

Klassisches Burkitt-Lymphom mit c-MYC/IGH-Translokation. a typische Morphologie (Giemsa-Färbung) mit kohäsivem Wachstum und Sternenhimmelphänomen. b FISH mit einer Bruchpunkt-flankierenden Sonde für c-MYC: Erkennbar ist die positive Signalkonstellation mit einem Fusionssignal (gelb) für das intakte Allel, einem separaten roten und einem separaten grünen Signal für den Bruch im c-MYC-Lokus. c FISH mit einer Fusionssonde zum Nachweis der t(8;14). Auch hier liegt eine positive Signalkonstellation vor: Zu erkennen sind ein separates rotes Signal für das intakte Allel des c-MYC-Lokus, ein separates grünes Signal für das intakte Allel des IGH-Lokus und zwei gelbe Fusionssignale, die durch die Translokation von c-MYC und IGH zustande gekommen sind

In einigen Fällen können die IGH-BCL2-Translokation und die c-MYC-IGH-Translokation oder eine c-MYC-non-IGH-Translokation auch gemeinsam auftreten („double hit“). Es kann sich dabei um transformierte follikuläre Lymphome oder um primär hochmaligne B-Zell-Lymphome handeln. Viele dieser aggressiven „Double-hit“-Lymphome zeigen morphologische und immunphänotypische Eigenschaften, die eine Bezeichnung als „B-Zell Lymphom, unklassifiziert, mit Eigenschaften intermediär zwischen DLBCL und Burkitt-Lymphom“ [16] erlauben; sie haben insgesamt eine sehr ungünstige Prognose [9, 13]. Als weiteres Beispiel für einen „double hit“ kann bei allen B-Zell-Lymphomen zusätzlich zu einer c-MYC-Translokation auch ein Bruch im BCL6-Lokus vorliegen. Dieser Befund ist möglicherweise ebenfalls ein Hinweis auf eine höhere Aggressivität des Tumors [9, 10, 14].

Eine Detektion aller genannten genomischen Aberrationen erfolgt mittels der ISH-Technik. Bislang wurde die Reproduzierbarkeit entsprechender Ergebnisse bei soliden Tumoren nur für Her2neu im Mammakarzinom in groß angelegten Ringversuchen untersucht [2]. Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit bestand darin, die Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit der ISH-Analyse im Kontext der Differenzialdiagnostik der B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome zu überprüfen.

Studiendesign und Untersuchungsmethoden

Untersuchte Fälle

Untersucht wurden fünf B-Zell Lymphome aus dem Routineeingang der Institute für Pathologie in Ulm, Würzburg und Stuttgart, bei denen klassische zytogenetische und/oder interphasenzytogenetische Untersuchungen vorlagen. Bei der Auswahl der Fälle wurde darauf geachtet, dass alle zu detektierenden Aberrationen in etwa gleich häufig vorhanden bzw. nicht vorhanden waren. Die Auswahl der Sonden stellt einen Querschnitt durch die Routinediagnostik an B-Zell-Lymphomen dar. Die Fälle wurden gemäß der deutschen Richtlinie zum Umgang mit menschlichem Körpergewebe anonymisiert [1]. Es wurde Material von zwei diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL) ohne Brüche von c-MYC, BCL2 und BCL6, einem B-Zell Lymphom intermediär zwischen DLBCL und Burkitt-Lymphom mit t(8;14)(q24;q32) c-MYC/IGH und t(14;18)(q32;q21) IGH/BCL2, einem weiteren B-Zell-Lymphom intermediär zwischen DLBCL und Burkitt-Lymphom mit t(8;14)(q24;q32) c-MYC/IGH, t(14;18)(q32;q21) IGH/BCL2 und zusätzlichem BCL6-Bruch sowie von einem follikulären Lymphom mit t(14;18)(q32;q21) IGH/BCL2 und zusätzlichem BCL6-Bruch verwendet. Die zu untersuchenden Fälle und ihre zytogenetischen Charakteristika zeigt Tab. 1 nochmals in der Übersicht.

Tab. 1

Charakteristika der verwendeten B-Zell-Lymphome

Fall 1

Fall 2

Fall 3

Fall 4

Fall 5

Diagnose

DLBCL

DLBCL

B-Zell Lymphom, unklassifiziert, mit Eigenschaften intermediär zwischen DLBCL und Burkitt-Lymphom

Follikuläres Lymphom, Grad I

B-Zell Lymphom, unklassifiziert, mit Eigenschaften intermediär zwischen DLBCL und Burkitt-Lymphom

ICD-O

9680/3

9680/3

9680/3

9695/3

9680/3

t(14;18)

Nein

Nein

Ja

Ja

Ja

c-MYC-Bruch

Nein

Nein

Ja

Nein

Ja

t(8;14)

Nein

Nein

Ja

Nein

Ja

BCL6-Bruch

Nein

Nein

Ja

Ja

Nein

Teilnehmer

Am Ringversuch teilgenommen haben die folgenden Institute für Hämatopathologie:
  • Institut Pathodiagnostik Berlin,

  • Senckenbergisches Institut für Pathologie am Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt,

  • Institut für Pathologie des Kantonsspitals St. Gallen,

  • Sektion Hämatopathologie des Universitätsklinikums Schleswig Holstein am Campus Kiel,

  • Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein am Campus Lübeck,

  • Abteilung für Pathologie des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart,

  • Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Ulm und

  • Pathologisches Institut der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Untersuchungsbedingungen

Alle Untersuchungen wurden an formalinfixiertem und in Paraffin eingebettetem Gewebe durchgeführt. Es wurden jeweils Präparate mit 2 µm Schnittdicke angefertigt und an die teilnehmenden Institute verschickt. Die Aufgabenstellung lautete, die fünf Fälle mittels ISH-Analyse auf Bruchereignisse im c-MYC- und BCL6-Lokus sowie auf das Vorhandensein der Translokationen t(8;14)(q24;q32) c-MYC/IGH und t(14;18)(q32;q21) IGH/BCL2 hin zu untersuchen.

In-situ-Hybridisierung

Mit einer Ausnahme wurden in allen Instituten die folgenden FISH-Sonden (Abbott Molecular, Wiesbaden) verwendet:
  • Für die Detektion von Bruchereignissen im c-MYC-Lokus die Vysis LSI MYC Dual Color, „Break-apart-rearrangement“-Probe,

  • für die Detektion der c-MYC/IGH-Translokation die Vysis LSI IGH/MYC, CEP8 Tri-color, „Dual-fusion-translocation“-Probe,

  • für die Detektion der IGH/BCL2-Translokation die Vysis LSI IGH/BCL2 Dual Color, „Dual-fusion-translocation“-Probe und

  • zur Detektion von Bruchereignissen im BCL6-Lokus die Vysis LSI BCL6 Dual Color, „Break-apart-rearrangement“-Probe.

In einem Institut wurden die Fälle mittels CISH untersucht. Hierbei kamen die folgenden Sonden der Firma Dako (Glostrup, Dänemark) zum Einsatz:
  • MYC-FISH-DNA-Probe, Split-Signal,

  • BCL2-FISH-DNA-Probe, Split-Signal,

  • IGH–FISH-DNA-Probe, Split-Signal und

  • BCL6-FISH-DNA-Probe, Split-Signal.

Nach der Prozessierung der Schnitte analog zur klassischen FISH wird hier in einem letzten, zusätzlichen Schritt an den Fluoreszenzfarbstoff ein im Hellfeldmikroskop sichtbares Chromogen gekoppelt.

Zur Beurteilung der ISH-Ergebnisse wurden von jedem teilnehmenden Institut die jeweiligen intern ermittelten „Cut-off“-Werte herangezogen. Diese variierten – je nach Sonde und Auswerter – zwischen 0% und 17%.

Statistische Tests

Um die Homogenität der untersuchten Gruppen zu bestätigen, wurden für jede Sonde jeweils die Ergebnisse der Gruppe der positiven und der Gruppe der negativen Fälle einer Varianzanalyse (bei drei Gruppenmitgliedern mit jeweils sieben bis acht Ergebnissen) oder einem t-Test (bei zwei Gruppenmitgliedern mit jeweils sieben bis acht Ergebnissen) unterzogen. Lediglich bei der Gruppe der drei für die c-MYC/IGH-Fusion negativen Fälle ergab sich ein statistisch signifikanter Wert (p = 0,0012). Abschließend wurde der Pearson-Korrelationskoeffizient bestimmt, um Aussagen über die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen den verschiedenen Instituten machen zu können.

Ergebnisse

Die Ergebnisse des Ringversuchs sind in Abb. 2 graphisch dargestellt. Hier sind für jede Sonde und jeden Fall die prozentualen Anteile der als positiv gewerteten Zellen aufgeführt. Alle neun Aberrationen wurden übereinstimmend von allen Zentren richtig erkannt. Die Zahl der jeweils als positiv gewerteten Zellen variierte jedoch erheblich. Bei der c-MYC/IGH-Translokationssonde zwischen 52% und 87%, bei der IGH/BCL2-Translokationssonde zwischen 35% und 94%, bei der c-MYC-Bruchpunkt-flankierenden Sonde von 35–94% und bei der BCL6-Bruchpunkt-flankierenden Sonde von 25–90%.

https://static-content.springer.com/image/art%3A10.1007%2Fs00292-012-1719-0/MediaObjects/292_2012_1719_Fig2_HTML.gif
Abb. 2

Ergebnisse des Ringversuchs: Prozentuale Anteile (Mittelwerte mit Standardabweichungen) positiver Zellen in den fünf Versuchsfällen bei den verschiedenen Fluoreszenz-In-situ-Hybridisierung (FISH)-Sonden

Nebenbefundlich wurden in allen fünf Fällen von mindestens einem Institut drei oder mehr Kopien des BCL6-Lokus in einem bestimmten Anteil der Tumorzellen detektiert. Bei den Fällen 2, 3 und 4 wurden ebenfalls von mindestens einem Labor drei oder mehr Kopien des IGH-Lokus in einem Teil der Tumorzellen beobachtet.

Von den Ergebnissen eines Instituts wurden in der dargestellten Statistik nur die Werte der Bruchpunkt-flankierenden Sonden für c-MYC und BCL6 direkt berücksichtigt. Durch die simultane Detektion eines Bruchereignisses im IGH-Lokus und im c-MYC- bzw. BCL2-Gen in den betreffenden Fällen (3, 4 und 5) wurde jedoch auch hier folgerichtig auf das Vorhandensein der entsprechenden Translokationen t(8;14)(q24;q32) und/oder t(14;18)(q32;q21) hingewiesen.

Insgesamt wurden 160 Hybridisierungen durchgeführt (fünf Fälle, vier Sonden jeweils, in acht Instituten). Bei 4% aller Hybridisierungen wurde schlechte Qualität vermerkt; unter 1% aller Hybridisierungen wurden als „nicht auswertbar“ eingestuft.

Insgesamt besteht eine hohe Korrelation der Institute untereinander; der Pearson-Korrelationskoeffizient war immer > 0,8, in 71% der untersuchten Korrelationen sogar > 0,9.

Diskussion

Die ISH-Analyse zeigt sich als robuste Technik zur Detektion charakteristischer genomischer Aberrationen in B-Zell-Lymphomen. In einer Multicenter-FISH-Studie an „tissue microarrays“ (TMA) von aggressiven B-Zell-Lymphomen zeigte sich ebenfalls eine hohe Reproduzierbarkeit der Ergebnisse [8].

Trotz leicht abweichender „Cut-off“-Werte und einer jeweils variierenden Anzahl positiver Zellen wurden in der vorliegenden Studie alle vorhandenen Aberrationen erkannt und die entsprechende Diagnose folgerichtig gestellt. Dies drückt sich auch in der fast durchweg hohen Korrelation der Institute untereinander aus.

Grundsätzlich wurde auch auf die Kopienanzahl der untersuchten Gene geachtet, so wurden teilweise drei oder mehr Signale für BCL6 und IGH beobachtet. Tatsächlich ist eine Aneuploidie bei B-Zell-Lymphomen nicht ungewöhnlich, sodass dieser Nebenbefund nicht überraschend war.

Vergleich CISH vs. FISH

In einem Institut kamen keine Translokationssonden zum Einsatz. Bei den für die CISH verwendeten „Break-apart“ (BAP)-Sonden liegen die Ergebnisse jedoch im Mittelfeld und auch die Korrelation mit den Zentren, in denen die klassische FISH-Technik angewandt wurde, ist durchweg hoch (Pearson-Korrelationskoeffizient > 0,87). Somit stellt sich die CISH in der vorliegenden Studie als äquivalente Methode bei der Anwendung von Bruchpunkt-flankierenden Sonden dar.

Bestimmung des „Cut-off“-Werts

Basierend auf der jeweils individuellen Ausrüstung und Einrichtung der hämatopathologischen Referenzzentren ist die Bestimmung individueller „Cut-off“-Werte für die einzelnen ISH-Sonden unabdingbar. Ein hierbei allgemein akzeptiertes Vorgehen, das auch in den beteiligten Laboren Anwendung findet, ist das Auswerten von jeweils 100 Zellen an Paraffinschnitten von mindestens drei unabhängigen, nichtneoplastischen Geweben, beispielsweise reaktiven Tonsillen oder Lymphknoten. Der Mittelwert aus den positiven Zellen plus die 3-fache Standardabweichung ergibt schließlich den „Cut-off“-Wert für die entsprechende Sonde [5, 6, 17]. Noch exakter, wenn auch aufwändiger in der Etablierung, ist eine Abschätzung basierend auf der Binominalverteilung der Werte bei mindestens 200 ausgewerteten Zellen [18, 19].

Maßgeblich für die Beurteilung, ob eine Zelle als positiv oder negativ gewertet wird, ist in jedem Fall die Definition, wann zwei Signale als getrennt angesehen werden. Grundsätzlich sollte der Abstand mindestens dem Durchmesser eines weiteren Signals entsprechen. Eine strengere Auslegung, beispielsweise wenn als Mindestabstand grundsätzlich der 2-fache Durchmesser eines Signals gefordert wird, führt zwingenderweise zu einem niedrigeren „Cut-off“-Wert, was unter Umständen bei der Beurteilung von inhomogenem Tumorgewebe problematisch sein kann. Auch ergibt sich so mitunter eine geringere Anzahl von als positiv gewerteten Zellkernen, was in der vorliegenden Studie ebenfalls beobachtet werden konnte.

Problematik bei FISH an Paraffingewebe

Anders als beispielsweise bei Zytospinpräraraten kommt es bei der FISH an Gewebeschnitten zu Trunkierungsartefakten, d. h. einzelne Zellkerne werden angeschnitten und das potenziell in diesem Abschnitt befindliche Signal „fehlt“ [5, 6, 11]. Auch kommt es, abhängig von der Schnittdicke, zu vermeintlichen Fusionssignalen (falsch-positives Ergebnis bei einer Translokationssonde), die aber tatsächlich durch die optische Überlappung von Signalen mehrerer Zellkerne entstanden sind. Diese Gegebenheiten gilt es bei der Auswertung richtig zu interpretieren bzw. zu berücksichtigen. Abhängig vom jeweiligen Auswerter kann es hier zu Variationen in der Interpretation der positiven Kerne kommen, was sich auch in den fluktuierenden Zahlen der in unserem Ringversuch als positiv gewerteten Zellen widerspiegelt.

Die Variation bei der Anzahl positiver Zellen mag möglicherweise auch durch die Qualität der Hybridisierungen bedingt sein. Gerade Paraffingewebe erfordert bei der FISH eine intensive und adäquate Vorbehandlung, um optimale Bedingungen für das Binden der Sonde zu schaffen [17]. Besonders die Inkubation in einer Pepsinlösung, die den Verdau der der DNA anhängenden Proteine und somit die Zugänglichkeit der DNA-Sequenzen für die entsprechende Sonde gewährleisten soll, erfordert – je nach Sonde und Gewebe – unterschiedliche Bedingungen in Bezug auf Dauer und Menge des Enzyms. Ggf. hätte zur Optimierung dieser Bedingungen die Hybridisierung mehrfach wiederholt werden müssen, was im Rahmen des Ringversuchs nur bedingt möglich war.

Schlussendlich weisen Lymphomgewebe mitunter eine inhomogene Verteilung der Tumorzellen auf, sodass unter Umständen von den Instituten geringfügig abweichende Areale beurteilt wurden und so die variierende Anzahl der als positiv gewerteten Zellen zustande kam.

Fazit für die Praxis

  • Das Ergebnis des ersten Ringversuchs zur ISH-Diagnostik hinsichtlich rekurrenter genomischer Veränderungen an Non-Hodgkin-Lymphomen ist als durchweg positiv zu sehen.

  • Alle Aberrationen wurden von sämtlichen Instituten richtig erkannt und eingestuft.

  • Die Ergebnisse sind grundsätzlich gut reproduzierbar.

  • Eine eingehendere Standardisierung der Arbeitsabläufe, der Definition des „Cut-off“-Werts (Mittelwert von drei nichtneoplastischen Geweben, z. B. Tonsillen, plus der 3-fachen Standardabweichung) und der Auswertungsprotokolle wäre wünschenswert, um die Variation in der Anzahl der als positiv gewerteten Zellen zu minimieren.

  • Insgesamt stellt die ISH-Analyse rekurrenter genomischer Veränderungen eine bedeutende Ergänzung zu morphologischen und immunhistologischen Untersuchungen in der Lymphomdiagnostik dar.

  • Die Differenzialdiagnostik wird erheblich erleichtert oder sogar erst ermöglicht.

Interessenkonflikt

Der korrespondierende Autor gibt für sich und seine Koautoren an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2012