, Volume 29, Issue 2 Supplement, pp 141-144
Date: 28 Sep 2008

Die Rolle von Endothelzellen in der Transplantatabstoßung

Zusammenfassung

Endothelzellen spielen eine zentrale Rolle in der Transplantatabstoßung. Sie sind einerseits Ziel von Immunreaktionen und nehmen andererseits als aktive Partner an der Attraktion und Extravasation von Immunzellen teil. Diese Mechanismen werden auch in Transplantatbiopsien offensichtlich, bei denen einerseits die antikörpermediierte Komplementablagerung am Endothel und andererseits auch die damit assoziierte luminale Immunzellansammlung nachgewiesen werden kann. Obwohl HLA-Moleküle (in AB0-kompatiblen Transplantaten) die unbestritten größte Bedeutung als Zielantigene haben, wird auch ein Beitrag von gegen andere Antigene gerichteten Antikörpern (AK) postuliert und für MICA- („MHC class I-related chain A“-) und Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor auch überzeugend nachgewiesen. Die klinische Applikation dieser Erkenntnisse wird jedoch durch die mangelnde Verfügbarkeit von standardisierten Tests behindert. Die kausale Rolle von AK in der Transplantatabstoßung ist unbestritten, die molekularen Mechanismen der Transplantatdysfunktion sind jedoch weitgehend unbekannt. Es wurde zwar gezeigt, dass antiendotheliale AK verschiedener Spezifität in vitro Endothelzellen aktivieren können, allerdings konnte eine derartige endotheliale Reaktion in rezenten Untersuchungen in immunzelldefizienten Tiermodellen und In-vitro-Ansätzen (ohne Beteiligung von Immunzellen) nicht nachgewiesen werden. Dies könnte bedeuten, dass in der Effektorphase der AK-mediierten Abstoßung nicht eine direkte Schädigung/Aktivierung der Endothelzellen im Vordergrund steht, sondern eine (evtl. komplementinduzierte) Rekrutierung von Immunzellen an den Ort des Geschehens zumindest in der Frühphase der AK-mediierten Abstoßung entscheidend ist.

Abstract

Endothelial cells (EC) are crucially involved in allograft rejection. They are prime targets of alloreactivity but also key players in the recruitment and extravasation of immune cells. These mechanisms also become clear in allograft biopsies with antibody-mediated complement deposition on EC and associated intracapillary accumulation of immune cells. HLA molecules are the most prominent targets of alloantibodies in AB0 compatible transplantation. Clinically relevant antibodies against other antigens such as MICA (MHC class I-related chain A) or the angiotensin II Type-1 receptor could also be convincingly demonstrated. The lack of generally available diagnostic tests for such non-HLA antibodies hampers their introduction into clinical practice. Alloantibodies undoubtedly cause allograft rejection. However, our knowledge of the molecular mechanisms underlying graft dysfunction in antibody-mediated rejection (AMR) is still fragmentary. Activation of EC by anti-endothelial cell antibodies was demonstrated in several experimental systems. Recent animal studies employing immune cell deficient transplant recipients or in-vitro assays, however, failed to demonstrate an immediate response of EC upon antibody binding and complement activation. It might therefore be considered that direct antibody- or complement-mediated EC damage is not necessarily the leading event in acute AMR. Antibody- and/or complement-induced recruitment of immune cells might rather be of crucial importance at least in the early phases of AMR.