, Volume 38, Issue 6, pp 496-505

Kontroversen um die sonographische Bestimmung der Zervixlänge in der Schwangerschaft und die Notwendigkeit der Zerklage

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Zusammenfassung

Die Zervixinsuffizienz und die vorzeitige Wehentätigkeit sind Teil des pathophysiologischen Spektrums im Rahmen der Frühgeburtlichkeit und nicht 2 voneinander getrennte Entitäten. Schwangere mit Frühgeburtsrisiko können durch die vaginalsonographische Beurteilung der Zervix erkannt werden. Die Zervixlänge ist ein unabhängiger Prädiktor der Frühgeburtlichkeit. Die vaginalsonographische Zervixlängenmessung eignet sich jedoch nicht zum Screening auf Frühgeburtlichkeit in unselektierten Kollektiven, sondern sollte bei Schwangeren mit einer Frühgeburt-/Spätabortanamnese oder mit Risikofaktoren für Frühgeburtlichkeit angewandt werden. Eine Zervixlänge <25 mm scheint ein guter Cut-off-Wert zu sein, um Risikoschwangeren mit einem tatsächlichen Frühgeburtsrisiko zu erkennen. Eine prophylaktische Zerklage führt nicht zur Reduktion der Frühgeburtlichkeit, sondern zu unnötigen Eingriffen mit potenziellem Risiko für Schwangere und Fetus. Der seriellen transvaginalsonographischen Beurteilung der Zervix bei einem Risiko für Frühgeburtlichkeit mit anschließender sekundärer Zerklage bei verkürzter Zervixlänge und körperlicher Schonung unter Gabe von Breitspektrumantibiotika sollte der Vorzug vor der prophylaktischen Zerklage gegeben werden. Im Falle der über das Os externum prolabierten Fruchtblase sollte die tertiäre Zerklage (Notfallzerklage) erwogen werden. Da die Gefahr der aszendierenden Infektion sehr hoch ist, sollten auch hier Breitspektrumantiobiotika zum Einsatz kommen.

Abstract

Cervical incompetence and preterm labor are part of a pathophysiological spectrum, which leads to preterm delivery and are not completely different entities. Women at risk for preterm delivery can be identified by transvaginal follow-up of the cervix. Cervical length is an independent variable in the prediction of preterm delivery. Transvaginal cervical length measurement is not a screening tool for preterm delivery in a general population but should be used in women at risk for preterm delivery. A cervical length <25 mm seems to be a reasonable cut-off value for the prediction of preterm delivery in risk women. In these patients transvaginal follow-up should begin at the end of the first trimester and continue to at least 24 weeks of gestation. A primary cerclage does not improve the perinatal outcome and the virtual benefit has to be balanced against the potential risk of the procedure. Transvaginal follow-up of cervical length in women with a risk for preterm delivery with a secondary intervention and restricted physical activities with administration of broad-spectrum antibiotics should be preferred. A tertiary cerclage (emergency cerclage) with bed rest should be discussed in cases with prolapsed membranes into the vagina. The risk of ascending infection is very high in the latter group and broad-spectrum antiobiotis should be given.