, Volume 49, Issue 1, pp 32-36

Testosteron und Infertilität

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Zusammenfassung

Bei etwa 15% aller Paare bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, die Ursache findet sich in >50% der Fälle beim Mann, sowohl als alleinige Ursache als auch als Kofaktor der Infertilität eines Paares. Wichtig ist es jedoch, diejenigen Patienten sorgfältig zu differenzieren, die von einer kausal orientierten Therapie profitieren, und des Weiteren für die übrigen Patienten eine optimale Therapieempfehlung herauszuarbeiten. Während die Spermatogenese zentral durch die Freisetzung von follikelstimulierendem Hormon (FSH) gesteuert wird, wird die Rolle des Testosterons bei der normalen Fertilität oftmals außer Acht gelassen. Eine Substitution mit exogen zugeführtem Testosteron bei gleichzeitigem Kinderwunsch verbietet sich, da es zu einer Suppression der Spermatogenese kommt. In den Fällen mit normalen bis erhöhten Gonadotropinen und einem symptomatischen Testosteronmangel ist die Therapie schwierig. Es gibt keine einheitliche Empfehlung, da die Evidenzlage dürftig ist.

Anders verhält es sich beim hypogonadotropen Hypogonadismus, der eine der wenigen kausal therapierbaren Störungen der männlichen Infertilität darstellt. Zur Stimulation der Gonadenfunktion bei Patienten mit aktuellem oder späterem Kinderwunsch werden GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) oder Gonadotropine zur Stimulation der Testosteronproduktion und der Spermatogenese eingesetzt. Eine physiologische Stimulation wird entweder mit GnRH mittels subkutan applizierter GnRH-sezernierender Pumpe oder – mittlerweile gebräuchlicher – luteinisierendem Hormon (LH) und FSH als subkutane Injektionen von hCG (humanes Choriongonadotropin) und hMG bzw. der jeweiligen rekombinanten Hormone erreicht. Nach Abschluss der Kinderwunschbehandlung erfolgt die Substitution mit Testosteronpräparaten.

Abstract

About 15% of men and women in their reproductive years remain childless; in 50% of cases the reasons can be found in the male partner. It is important to define as exactly as possible the reasons for infertility to select those men who can be treated by a causal treatment option and to find the optimum treatment strategy. While FSH is the key hormone for intact spermatogenesis, testosterone as an important modifier of quantitative normal sperm production may sometimes be underestimated. Exogenous substitution with testosterone will suppress spermatogenesis and is thus not indicated in hypogonadal males with hypogonadism and infertility at the same time. In males with normal to elevated gonadotrophins and symptomatic testosterone deficiency, treatment is difficult and evidence-based recommendations are missing.

The situation in males presenting with secondary hypogonadotropic hypogonadism exhibiting one of the clearly defined and treatable reasons of male infertility is totally different. To stimulate the gonadal function in secondary hypogonadal patients wishing to father a child, pulsatile GnRH or subcutaneous gonadotrophin treatment are used. They stimulate both testosterone production and spermatogenesis. After the end of successful fertility treatment, substitution is continued by exogenous testosterone treatment with oral, transdermal or intramuscular physiological preparations.