, Volume 76, Issue 3, pp 295-307

Rückfallverhinderung bei alkoholabhängigen Männern durch die Kombination von SSRI und kognitiver Verhaltenstherapie

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Zusammenfassung

Ausgangspunkt

Die hier berichtete Studie vergleicht das serotonerge Antidepressivum Nefazodon (SSRI) mit Plazebomedikation (PL) und spezifische kognitive Verhaltenstherapie (CBT) mit psychoedukativer, nichtdirektiver Gruppenunterstützung (GC) hinsichtlich der Effekte auf Rückfallverhinderung bei Alkoholabhängigkeit mittels einer umfangreichen, prospektiven, randomisierten und plazebokontrollierten, doppelblinden Untersuchung an drei psychiatrischen Universitätskliniken. Erwartet wurde, dass die spezifischen und aktiven Interventionen (SSRI, CBT) den unspezifischen, unterstützenden Plazebointerventionen (PL, GC) über den Nachkontrollzeitraum von 12 Monaten überlegen sind.

Methode

In die Studie einbezogen wurden männliche Patienten, die mindestens 5 Kriterien der Alkoholabhängigkeit nach ICD-10 bzw. DSM-IV erfüllten. Nach Entgiftung, ausführlicher Aufklärung und erfolgter Einwilligung wurden die Patienten einer der 4 Kombinationsbehandlungen zugewiesen: NEF+CBT, NEF+GC, PL+CBT, PL+GC. Diese Entwöhnungsbehandlungen liefen über 12 Wochen. CBT und GC wurde im Gruppenformat angeboten, wobei die Therapeuten einem festgelegten Manual folgten. Die Haupterfolgsmaße (erhoben nach 3 und 12 Monaten) waren die kumulative Anzahl abstinenter Tage, die Menge konsumierten Alkohols während 3 bzw. 12 Monaten, die Anzahl an Rückfällen sowie die Zeitdauer bis zum ersten Rückfall.

Ergebnisse

Nach 12 Wochen Behandlung konnte kein statistischer Unterschied zwischen den 4 Therapiebedingungen festgestellt werden. Auch 12 Monaten waren die meisten Vergleiche nicht signifikant, mit Ausnahme, dass die SSRI+GC-Gruppe die signifikant höchste Menge an Alkohol währende des Nachkontrollzeitraums konsumiert hatte.

Diskussion

Die Befunde dieser sehr sorgfältig durchgeführten und kontrollierten Untersuchung belegen, dass die 4 sehr unterschiedlichen und aufwendigen Behandlungen sowohl kurz- als auch längerfristig zu vergleichbaren Ergebnissen bei den nichtdepressiven, schwer und chronisch alkoholabhängigen Männern kommen. Nefazodone (SSRI) mag in einer Subgruppe sogar dazu führen, dass mehr Alkohol konsumiert wird. Das aufwendige kognitiv-behaviorale Gruppenprogramm erwies sich einer unterstützenden, beratenden Gruppenintervention nicht überlegen.

Summary

Background

This study evaluates the serotonergic antidepressant nefazodone (SSRI) vs placebo (PL) and specific cognitive-behavioral therapy (CBT) vs nondirective group counseling (GC) for relapse prevention in alcohol dependence in a large, prospective, randomized and placebo-controlled, double-blind study at three German university centers.

Methods

Male patients fulfilling at least five criteria for alcohol dependence according to DSM-IV and ICD-10 were eligible, after detoxification, for one of the following treatment combinations: SSRI+CBT, SSRI+GC, PL+CBT, and PL+GC. The SSRI or PL were administered throughout the evaluation period of 15 months. CBT or GC was applied during the first 12 weeks as group therapy according to operationalized manuals. The main outcome measures (assessed at 3 and 12 months of treatment) were the cumulative number of abstinent days, the amount of ethanol consumed during specified evaluation periods of 3 and 12 months, the number of relapses, and the duration of time until first relapse.

Results

After 12 weeks of treatment, no statistically significant differences in any outcome measure were observed between the four treatment combinations. After 52 weeks, the only significant difference was observed in the amount of ethanol consumed, with the SSRI+GC group showing higher intake.

Conclusions

The results of this carefully designed clinical trial suggest that the four treatment combinations do not differ substantially in their efficacy in relapse prevention of nondepressed, severely alcohol-dependent patients. Nefazodone may even promote ethanol drinking in a subset of patients. Cognitive-behavioral therapy as performed in this study was associated with little additional benefit compared with structured GC.

Diese Forschung wurde ermöglicht durch eine Zuwendung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF: 01EB9417/2) und einen „unrestricted educational grant“ der Firma Bristol Myers Squibb.