Der Unfallchirurg

, Volume 108, Issue 5, pp 410–414

MRT-induzierte Verbrennung bei Tätowierungen

Fallbericht eines unfallchirurgischen Patienten

Authors

    • Klinik und Poliklinik für UnfallchirurgieUniversitätsklinik
    • Klinik und Poliklinik für UnfallchirurgieUniversitätsklinik
  • J. Blum
    • Klinik und Poliklinik für UnfallchirurgieUniversitätsklinik
  • K. F. Kreitner
    • Klinik und Poliklinik für RadiologieUniversitätsklinik
  • P. M. Rommens
    • Klinik und Poliklinik für UnfallchirurgieUniversitätsklinik
Kasuistiken

DOI: 10.1007/s00113-004-0877-9

Cite this article as:
Klitscher, D., Blum, J., Kreitner, K.F. et al. Unfallchirurg (2005) 108: 410. doi:10.1007/s00113-004-0877-9

Zusammenfassung

Verbrennungen bei Patienten mit Tätowierungen stellen eine selten beschriebene Komplikation infolge von MRT-Untersuchungen dar. Im Rahmen unfallchirurgischer Diagnostik wird das MRT zunehmend auch bei Unfallpatienten eingesetzt.

In diesem Beitrag wird der Fall eines Patienten nach Wirbelsäulentrauma vorgestellt, bei dem brennende Schmerzen im Bereich einer Tätowierung am distalen Femur zum Abbruch der MRT-Diagnostik geführt haben. Anhand dieses Beispiels werden mögliche Pathomechanismen MRT-induzierter Verbrennungen bei Tätowierungen diskutiert.

Es wird deutlich, dass Patienten vor einer MRT gezielt nach Tätowierungen zu fragen und über möglich Schmerzempfindungen aufzuklären sind.

Schlüsselwörter

MagnetresonanztomographieUnfallchirurgieVerbrennungTätowierungKomplikationSicherheit

MRI-induced burns in tattooed patients

Case report of an orthopedic trauma patient

Abstract

Skin burns to patients with tattoos during MRI procedures are reported but rare complications. MRI scans are being used more often also as diagnostic procedures in trauma patients.

In this article we present the case of a patient after trauma of the vertebral column who experienced burning pain at the site of a tattoo on the distal femur during the MRI examination, necessitating cessation of this procedure. Based on this example we discuss possible pathomechanisms of MRI-induced skin burns to patients with tattoos.

It becomes clear that patients have to be asked about possible tattoos before MRI scans and should be informed about possible pain development.

Keywords

Magnetic resonance imagingTrauma surgeryBurnTattooComplicationSafety

Die Magnetresonanztomographie (MRT) gilt im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren als risikoarme Methode. Durch die Verwendung elektromagnetischer Hochfrequenzfelder kann die MRT-Diagnostik jedoch, neben anderen ernsthaften Komplikationen wie beispielsweise der Funktionsstörung von Herzschrittmachern oder der Dislokation von Aneurysmaclips [7], zu Verbrennungen der Haut führen und zwingt damit zur Einhaltung strenger Sicherheitsregeln. In der Literatur werden solche Verbrennungen im Zusammenhang mit EKG- oder Monitorkabeln [1], Pulsoximetern [8] oder metallischen Implantaten [2] vergleichsweise häufig beschrieben. MRT-induzierte Verbrennungen durch Tätowierungen stellen jedoch eine sehr selten beschriebene Komplikation dar [4, 10, 11].

Aufgrund möglicher Fragestellungen im Rahmen von Unfallfolgen hat die MRT auch bei unfallchirurgischen Patienten an Bedeutung gewonnen. Gerade bei der Feinbeurteilung spinaler Traumen kann sie wichtige Informationen bieten, die durch konventionelles Röntgen und Computertomographie (CT) nicht erhältlich sind. Mögliche Komplikationen, welche mit der MRT-Untersuchung verbunden sein können, sind somit auch für den diese Untersuchung anfordernden Unfallchirurgen von Belang.

Wir möchten an dieser Stelle anhand eines Fallbeispiels über MRT-induzierte Komplikationen bei Tätowierungen berichten und mögliche Pathomechanismen aufzeigen.

Kasuistik

Ein 45-jähriger Patient war von einem PKW angefahren und z. T. überrollt worden. Dabei bestand bei unauffälligen Röntgenaufnahmen des Brust-/Lendenwirbelsäulenübergangs (Abb. 1) im Rahmen der CT-Diagnostik der Verdacht auf einen stabilen frontalen Spaltbruch (AO-Typ A2.1) des 11. Brustwirbels (Abb. 2). Bei Paresen der unteren Extremitäten sollte eine MRT zum Ausschluss einer Contusio spinalis durchgeführt werden. Auf der MRT-Untersuchungsliege verspürte der Patient bereits zu Beginn der Untersuchung brennende Schmerzen im Bereich einer Tätowierung oberhalb des rechten Knies. Die Untersuchung musste daraufhin abgebrochen werden. Außerhalb der MRT-Umgebung verschwanden die Schmerzen.
Abb. 1

Unauffällige Röntgenaufnahmen des BWS/LWS-Übergangs a.-p. (a) und seitlich (b) bei einem 45-jährigen Unfallverletzen

Abb. 2

Im Rahmen der CT-Diagnostik dann Verdacht auf einen stabilen frontalen Spaltbruch (AO-Typ A2.1) des 11. Brustwirbels bei Paresen der unteren Extremität

Der Patient hatte Tätowierungen an beiden Oberarmen, Unterarmen, Oberschenkeln und Unterschenkeln. Die Schmerzen wurden jedoch lediglich im Bereich der Tätowierung oberhalb des rechten Knies angegeben. Inspektorisch zeigten sich im betreffenden Hautareal aufgrund des frühzeitigen Abbruchs der Untersuchung keine Verbrennungszeichen. Die Tätowierung, in Form eines Herzens mit 2 Pfeilen, bestand sowohl aus roten, als auch aus blau-schwarzen Farbflächen (Abb. 3). In welchem Bereich der Tätowierung die Schmerzen aufgetreten waren, konnte vom Patienten nicht angegeben werden. Die Tätowierung war einige Jahre zuvor in einem Gefängnis angefertigt worden. Über die Zusammensetzung der verwendeten Farbstoffe konnte nachträglich nichts in Erfahrung gebracht werden.
Abb. 3

Photographie einer Tätowierung an der Streckseite des distalen Femurs bei diesem Patienten, im Bereich derer MRT-induzierte Missempfindungen aufgetreten waren

Die Paresen im Bereich der Beine bildeten sich innerhalb weniger Tage komplett zurück, sodass auf die Durchführung einer MRT verzichtet wurde.

Diskussion

Aufgrund des frühzeitigen Abbruchs der MRT-Untersuchung war es neben der Schmerzsymptomatik nicht zu erkennbaren Verbrennungszeichen gekommen. Diese wären allerdings bei einer Fortführung der Untersuchung sehr wahrscheinlich entstanden. Wie kann man sich diese Phänomene erklären?

Bei einer Tätowierung werden Farbpigmente ins Stratum corneum eingebracht. Diese Farbstoffe enthalten z. T. organische Elemente, teilweise jedoch auch Pigmente mit ferromagnetischen oder stromleitenden Eigenschaften [4, 5]. So können beispielsweise Schwarz- und Rottöne eisenoxidhaltig sein. Tabelle 1 liefert eine Übersicht einiger bei Tätowierungen verwendeter metallhaltiger Farbstoffe.
Tabelle 1

Übersicht einiger metallhaltiger Farbstoffe [4, 5]

Farbe

Farbstoff

Schwarz

Eisenoxid

Rot

Eisenoxid, Eisendioxid, Eisenhydroxit,

Braun

Eisensulfat

Blau

Kobaltaluminat

Grün

Chromoxid

Weiß

Zinkoxid

An Mechanismen, die zu MRT-induzierten Verbrennungen führen können, sind u. a. folgende bekannt:
  1. 1.

    Erwärmung durch die Anziehung ferromagnetischer Objekte im elektromagnetischen Feld,

     
  2. 2.

    Erwärmung durch induzierte Ströme an elektrisch leitenden Materialien.

     

Erwärmung durch die Anziehung ferromagnetischer Objekte im elektromagnetischen Feld

MRT-induzierte Verbrennungen bei Patienten mit ferromagnetischen Implantaten sind des Öfteren beschriebene Komplikationen [2]. Ursache der Gewebeerwärmung ist die Anziehungskraft des magnetischen Felds auf ferromagnetische Objekte [4, 7].

Kreidstein et al. [4] untersuchten verschiedene bei Tätowierungen verwendete Farbstoffe auf ihr Verhalten im elektromagnetischen Feld. Für eisenoxidhaltige Pigmente konnte, im Gegensatz zu karbon- und titanhaltigen Pigmenten, eine Anziehung und Wanderung der Partikel im magnetischen Feld beobachtet werden.

Erwärmung durch induzierte Ströme an elektrisch leitenden Materialien

Leitende Materialien im elektromagnetischen Hochfrequenzfeld können durch induzierte Stromkreisläufe zur Gewebeerwärmung mit Verbrennungen I. bis III. Grades führen. Beschrieben sind solche Zwischenfälle beispielsweise im Zusammenhang mit EKG-Kabeln, Monitorkabeln [1] oder Pulsoximetern [8]. Ursache des Effekts ist oft eine Schleifenbildung des Kabels mit Kontakt zur Patientenhaut [6, 7].

Strominduzierte Hautverbrennungen können jedoch auch auftreten, wenn der Körper des Patienten selbst durch punktuellen Kontakt der Extremitäten einen Stromkreis bildet [3, 7]. Es ist denkbar, dass auch eine Tätowierung in Form eines Kreises oder einer Schleife, bestehend aus elektrisch leitenden Pigmenten, zur Induktion eines Stromkreises führt. Wagle et al. [11] beschreiben eine Verbrennung II. Grades bei einem Patienten mit kreisförmiger Tätowierung.

Der von unserem Patienten im MRT-Untersuchungsraum angegebene brennende Schmerz könnte also durch die Wanderung in der Schwarzblau- oder Rotfärbung vorhandener ferromagnetischer Partikel entstanden sein.

Kreidstein et al. [4] und Vahlensieck [10] berichten jeweils von Grad-I-Verbrennungen im Bereich von Tätowierungen nach MRT-Untersuchungen. Wagle et al. [11] beschreiben eine Grad-II-Verbrennung im Bereich einer Oberarmtätowierung. Tope et al. [9] befragten 135 Patienten mit Tätowierung und stattgehabter MRT-Untersuchung nach gegebenenfalls aufgetretenen Komplikationen. Lediglich 2 Patienten (1,5%) schilderten Komplikationen in Form von brennenden oder kribbelnden Missempfindungen. Sichtbare Hautreaktionen wurden vom befragten Patientenkollektiv nicht angegeben.

Einige Autoren empfehlen die Auflage einer kalten Kompresse [9] oder die Anlage eines Druckverbands [4] über der Tätowierung, um ein Hitzegefühl bzw. die Anziehung ferromagnetischer Partikel zu verhindern. Ob diese Maßnahmen zur Prävention beitragen, ist jedoch nicht bewiesen.

Schlussfolgerung

Komplikationen infolge einer MRT-Untersuchung bei Patienten mit Tätowierungen treten nur höchst selten auf. Dennoch halten wir es für notwendig, Patienten vor einer MRT gezielt nach Tätowierungen zu fragen und über mögliche Schmerzempfindungen aufzuklären. Bei gegebenenfalls auftretenden Missempfindungen muss im Einzelfall Risiko und Nutzen der MRT-Untersuchung abgewogen werden. In Anbetracht der möglichen Verbrennungen sollte die Weiterführung der Untersuchung nicht erzwungen werden.

Interessenkonflikt:

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