, Volume 105, Issue 11, pp 968-973

Analyse der Inzidenz und Ursachen von Großschadensereignissen in einem süddeutschen Rettungsdienstbereich

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Zusammenfassung

Die zunehmende Anzahl von Großschadensereignissen führte im Rettungsdienstbereich Augsburg zur Bildung einer seit dem 01.01.1996 auf ehrenamtlicher Basis agierenden Notarztgruppe (LNA-Gruppe), die sich speziell um die Problematik der Bewältigung größerer Schadensereignisse bemüht. Inzidenz und Quantität solcher Einsätze wurden analysiert, um Daten zur weiteren Verbesserung für kommende Großeinsätze zu erhalten.

Alle in einem Zeitraum von 5 Jahren (Juli 1997 bis Juni 2002) in der Rettungsleitstelle Augsburg prospektiv erfassten Einsätze bei Großschadensereignissen mit Alarmierung der Sanitätseinsatzleitung (leitender Notarzt und organisatorischer Leiter Rettungsdienst) wurden analysiert (Fehlalarmierungen wurden ausgeschlossen). Die absolvierten Ereignisse wurden aufgegliedert nach Schadensart, Patientenanzahl und Tages- und Jahreszeit.

Das Einsatzgebiet des Rettungsdienstbereichs Augsburg umfasst die Stadt und das Umland von Augsburg mit den dazugehörigen Landkreisen. In diesem Gebiet leben ca. 850.000 Einwohner auf einer Fläche von 4100 km2. Seit 1998 werden pro Jahr im Mittel >145.000 Einsatzaufträge abgewickelt, davon im Mittel >28.000 Notarzteinsätze/Jahr. In dem bisher prospektiv erfassten Zeitraum von 5 Jahren kam es zu 75 sogenannten Großeinsätzen, was einer Inzidenz von 1,25 LNA-Einsätzen/Monat entspricht. Es fanden sich in der überwiegenden Anzahl der Fälle Alarmierungen bei Bränden, gefolgt von Verkehrsunfällen. Im Rahmen dieser Ereignisse wurden ca. 800 Patienten versorgt. Die kleinste Patientenanzahl pro Einsatz betrug 2 (Absturz eines Sportflugzeugs), die größte umfasste 150 Patienten bei einer Open-air-Veranstaltung in der Augsburger Innenstadt. Eine Häufung der Ereignisse findet sich in den Monaten November und Dezember, tageszeitliche Häufungen liegen nicht vor. Aus den bei diesen Ereignissen gewonnenen Kenntnissen sowie der zugrunde liegenden Literatur wurde ein Algorithmus zur Abarbeitung von Großschadensereignissen erarbeitet, dieser wird in der Arbeit vorgestellt.

Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen erscheint der gezielte Einsatz der Sanitätseinsatzleitung bei Großschadensereignissen zur Koordinierung der medizinischen Maßnahmen vor Ort sinnvoll und notwendig.

Abstract

The growing number of mass casualty events during the early 1990s led, in January 1996, to the foundation of an honorary group of specially trained emergency physicians for dealing primarily with the management of large-scale emergency events and mass casualties. The incidence and quantity of these casualties was analysed in order to be better prepared for such events in the future.

Methods: All calls prospectively registered by the Augsburg Rescue Co-ordination Centre (ARCC) in the 5 years from July 1997 to June 2002 were analysed, distinguishing between the different types of damage, number of patients involved, and time of occurrence (time of day/season).

The area served by the ARCC includes the city of Augsburg with its surrounding counties. An estimated 850,000 inhabitants live in this area of 4,100 square kilometres (1,600 square miles). Since 1998, more than 145,000 calls a year have been dealt with of which 28,000 were covered by emergency physicians. In the 5 year period discussed here, 75 large-scale-calls were registered, giving an average incidence of 1.25calls/month. Most of the calls were fire alarms, followed by car accidents. In total, we were able to serve more than 800 patients. The lowest number per event was two people during an emergency landing of a sport aircraft; the largest number was about 150 patients during a large open-air event in the city. While there was no difference in the time of day at which the event happened, most occurred in November and December. Taking these results into account, the authors, supported by the members of the emergency physician team of the German Trauma Society, developed an algorithm describing the optimal procedure for mass casualty events. This is presented here.

In mass casualty or large-scale emergency events, an experienced emergency physician is necessary to co-ordinate the rescue brigades on site.