Monatsschrift Kinderheilkunde

, 156:783

Strafbarkeit der Zirkumzision von Jungen

Medizinrechtliche Aspekte eines umstrittenen ärztlichen Eingriffs
Originalien

DOI: 10.1007/s00112-008-1822-8

Cite this article as:
Putzke, H., Stehr, M. & Dietz, HG. Monatsschr Kinderheilkd (2008) 156: 783. doi:10.1007/s00112-008-1822-8

Zusammenfassung

Es kommt nicht selten vor, dass (Kinder-)Chirurgen oder (Kinder-)Urologen von Personensorgeberechtigten mit dem Verlangen konfrontiert werden, eine Zirkumzision an einem Knaben vorzunehmen, obwohl die medizinische Indikation nicht vorhanden oder jedenfalls fraglich ist. Der vorliegende Beitrag macht deutlich, dass ein Arzt in derartigen Fällen Abstand von einem solchen Eingriff nehmen sollte, um später nicht Adressat von zivilrechtlichen Klagen zu werden oder gar Beschuldigter in einem Strafverfahren. Denn die Autoren kommen zu folgendem Ergebnis: Ein Arzt, der an einem minderjährigen und nicht einsichtsfähigen Jungen eine medizinisch nicht notwendige Zirkumzision vornimmt, macht sich nach § 223 Absatz 1 des Strafgesetzbuchs (StGB) strafbar, selbst wenn die Inhaber der Personensorge in den Eingriff einwilligen. Mangels Dispositionsbefugnis über das beeinträchtigte Rechtsgut (die körperliche Unversehrtheit des Kindes) ist diese Einwilligung nämlich unwirksam. Der Beitrag stellt nicht nur die aktuelle Rechtslage dar, sondern widmet sich auch eingehend den oft vorgetragenen Argumenten, die für die Rechtmäßigkeit einer Zirkumzision streiten sollen (Behandlung einer Phimose, Vorbeugung von Krankheiten, Religion).

Schlüsselwörter

Kinder Kindeswohl Körperverletzung Phimose Zirkumzision 

Liability to penalty for circumcision in boys

Medico-legal aspects of a controversial medical intervention

Abstract

Surgeons and urologists (usually pediatric) are often confronted with the request to perform circumcision on a boy from parents or guardians in the absence of a medical indication. This review highlights the importance of refraining from such procedures to avoid being the possible addressee of a civil law claim or even being accused in a lawsuit a some later point. The attending physician who performs a circumcision without medical indication on a minor male incurs a penalty according to § 223 para. 1 of the German Criminal Code, even in the case where the parent or guardian of the child has signed the informed consent to that procedure. In the absence of power of approval over the compromised legally protected interest of the child (physical inviolacy), the consent is invalid. The present article discusses not only the current German legal status, but also examines in depth the arguments often put forward to support the legitimacy of male circumcision (treatment of phimosis, disease prevention, religion).

Keywords

Children Best interest Bodily harm Phimosis Circumcision 

Copyright information

© Springer Medizin Verlag 2008

Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und PolizeiwissenschaftJuristische Fakultät, Ruhr-Universität BochumBochumDeutschland
  2. 2.Kinderchirurgische KlinikDr. von Haunersches Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität MünchenMünchenDeutschland

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