, Volume 155, Issue 4, pp 337-344

Gut im Rechnen, schlecht im Lesen!

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Zusammenfassung

Störungen im Erwerb der Lese- und Rechenleistungen treten in der Praxis oft in Kombination auf. Bisher ist nur unzureichend geklärt, ob es sich dabei um ein überzufällig häufiges gemeinsames Vorkommen, also Komorbidität handelt, ob beide Störungen aus gemeinsam zugrunde liegenden Defiziten resultieren oder als isolierte Störungsbilder zu betrachten sind. Häufig werden Defizite im semantischen Gedächtnis oder im verbalen Arbeitsgedächtnis als gemeinsame Verursachungsfaktoren vermutet. Die aktuelle Befundlage bietet jedoch keine überzeugende Bestätigung für eine dieser Sichtweisen, sondern spricht vielmehr dafür, dass Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen auf der Ebene der kognitiven Verarbeitung voneinander unabhängig und auf unterschiedliche Defizite zurückzuführen sind. Während Defizite im Schriftspracherwerb in der Literatur bereits weitestgehend übereinstimmend durch Probleme in der verbal-phonologischen Verarbeitung erklärt werden, führt man Rechenstörungen in neueren Konzeptionen auf Defizite in der basisnumerischen Verarbeitung zurück.

Abstract

Many children show disorders in the development of both reading and arithmetic, in spite of good cognitive skills. The prevalence and causal factors of this comorbidity are as yet unknown. Sometimes, common deficits in semantic memory or verbal working memory are assumed, however, empirical evidence does not consistently confirm these views. Recent findings suggest that the two disorders are independent at a neurocognitive level. Deficits in the development of reading and spelling skills are generally seen as a consequence of deficits in phonological processing. Current conceptions of deficits in the development of arithmetic skills assume that these are caused by deficits in the basic processing of numbers.