, Volume 55, Issue 2, pp 156-164

Genetische Ätiologie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

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Zusammenfassung

Die beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn. Die Lebenszeitprävalenz für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen liegt in den Hochinzidenzländern der nordwestlichen Industriegesellschaften bei 1 %. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind typische polygene Erkrankungen, bei denen eine Vielzahl genetischer Suszeptibilitätsfaktoren zusammen mit Faktoren des Lebensstils zu einer Manifestation der Erkrankung führt. Die rasante technologische Entwicklung im Bereich der molekularbiologischen Techniken ermöglichte es in den letzten Jahren erstmals, systematische genomweite Studien durchzuführen und die Ebene Kandidatengen-getriebener Assoziationsstudien zu verlassen. Charakteristisch für genomweite Untersuchungen sind sehr große Studienkonsortien und eine hohe Reproduzierbarkeit. Sie haben mittlerweile zur Identifikation von mehr als 200 Genen und Genregionen geführt. Die Forschung der nächsten Jahre werden insbesondere zwei Beobachtungen prägen: Zum einen bestehen für viele der identifizierten Krankheitsgene und krankheitsassoziierten Regionen multiple Verbindungen zur Entstehung anderer entzündlicher und nichtentzündlicher Krankheiten. Dies wirft die Frage auf, ob wesentliche Komorbiditäten bislang in der klinischen Charakterisierung übersehen wurden oder ob es bislang unbekannte pathophysiologische Brücken zwischen scheinbar sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern gibt. Zum anderen müssen sich die modellhaften Vorstellungen der Krankheitspathophysiologie und Ätiopathogenese ändern, da die meisten entzündlichen Erkrankungen wie auch die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen offensichtlich keine T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen sind. Es ist zu erwarten, dass sich, untermauert durch den enormen Fortschritt in der modernen Ätiologieforschung, neue therapeutische Zugangswege zu einer Vielzahl chronischer Erkrankungen auftun werden.

Abstract

Crohn’s disease and ulcerative colitis are the two main forms of inflammatory bowel disease. Inflammatory bowel diseases have a life time prevalence of up to 1 % in western industrialized countries. It is generally proposed that genetic susceptibility, which is much more widespread in the population, needs (unknown) factors in lifestyle in order to lead to disease manifestation. Systematic genome-wide association studies opened a new level of understanding of the risk architecture of inflammatory bowel diseases. This has led to the concept that barrier problems on the level of the intestinal epithelial cells may be a main driver in disease etiopathogenesis. Many of the newly discovered disease genes are not only relevant for inflammatory bowel disease but also for other disorders. This has initiated a large research interest in co-morbidities, which appear to be overlooked on the clinical side, too. Novel therapies should address the primary disease mechanisms and therefore provide causal interventions. Endpoints should include the avoidance of co-morbidities, which may be a limiting factor for patients with chronically active disease.