Der Internist

, Volume 51, Issue 2, pp 161–168

Isolationsmaßnahmen bei Infektionen der Luftwege

Authors

    • Infektiologie & SpitalhygieneKantonsspital Aarau
  • A.F. Widmer
    • Infektiologie & SpitalhygieneKantonsspital Aarau
Schwerpunkt

DOI: 10.1007/s00108-009-2417-8

Cite this article as:
Buehlmann, M. & Widmer, A. Internist (2010) 51: 161. doi:10.1007/s00108-009-2417-8
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Zusammenfassung

Respiratorische Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionen bei Kindern und Erwachsenen. Rund 1/3 aller infektbedingten Krankenhausaufnahmen betreffen Infektionen der Atemwege. Infektionen der oberen Atemwege gehören zu den häufigsten Ursachen für Absenzen von der Schule oder Arbeit. Die Mehrheit der respiratorischen Infektionen sind viral bedingt. Viren besitzen in der Regel eine hohe Infektiosität und werden vorwiegend durch Tröpfchen, aber auch durch direkten oder indirekten Kontakt via kontaminierte Oberflächen übertragen. Isolationsmaßnahmen bei respiratorischen Infektionen dienen dem Personalschutz sowie der Verhinderung nosokomialer Infektionen im stationären und ambulanten Setting. Im Gegensatz zum stationären Bereich bestehen für den ambulanten Bereich keine detaillierten Richtlinien. Im vorliegenden Artikel werden die Isolationsmaßnahmen bei ambulanten Patienten vorgestellt.

Schlüsselwörter

IsolationRespiratorische InfektionenLuftwegeAmbulantStationär

Isolation precautions in respiratory tract infections

Abstract

Respiratory tract infections belong to the most important infections in children and adults. One third of all infection-related hospitalizations are due to respiratory tract infections. Upper respiratory tract infections are one of the most important reasons for absence from school or work. The majority of respiratory tract infections are of viral origin. Viral infections are usually highly contagious. They are transmitted mainly by droplets, but also by direct or indirect contact via contaminated objects. Isolation precautions in respiratory tract infections are important to protect health-care workers from infection and prevent nosocomial transmission in the hospital and ambulatory care setting. Unlike for the hospital setting there are no detailed recommendations available for isolation precautions in the ambulatory care setting. Isolation precautions for outpatients are described in this article.

Keywords

IsolationRespiratory tract infectionAirwayOutpatientHospital

Respiratorische Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionen bei Kindern und Erwachsenen. Rund 1/3 aller infektbedingten Krankenhausaufnahmen betreffen Infektionen der Atemwege [4]. Allein die saisonale Grippe verursacht in der Schweiz 1000–5000 stationäre Aufnahmen und 400–1000 Todesfälle pro Jahr. Infektionen der oberen Atemwege gehören zu den häufigsten Ursachen für die Abwesenheit von der Schule oder Arbeit [13]. Die saisonale Grippe ist für 10% aller krankheitsbedingten Absenzen von der Arbeit verantwortlich und verursacht Kosten von mehreren Millionen Franken jährlich [10]. Übertragungen in Spitälern und Arztpraxen können durch Hygienemaßnahmen wirksam verhindert werden.

Übertragung respiratorischer Keime

Erreger von respiratorischen Infektionen werden durch Aerosole, Tröpfchen oder direkten Kontakt übertragen. Oft sind bei einem bestimmten Erreger auch mehrere Übertragungswege möglich.

Bei den meisten respiratorischen Keimen ist die Tröpfchenübertragung epidemiologisch am wichtigsten.

Die Art der Übertragung ist entscheidend für Art und Ausmaß der Hygienemaßnahmen, welche zur Verhinderung der Ausbreitung getroffen werden müssen.

Übertragung durch Tröpfchen

Als Tröpfchen werden sedimentierende Partikel >5 μm Durchmesser bezeichnet, die beim Sprechen, Husten, Niesen oder bei invasiven Prozeduren wie einer bronchioloalveolären Lavage entstehen. Die Übertragung durch Tröpfchen erfolgt durch direkten Kontakt der Schleimhaut des Nasen-/Rachenraums mit infektiösen respiratorischen Sekreten über kurze Distanzen unter 1–3 m. Die höchste Keimdichte findet sich bis 1 m und nimmt dann rasch ab: Ab 3 m können keine Tröpfchen mehr nachgewiesen werden [14].

Manche Infektionserreger, die durch Tröpfchen übertragen werden, können gleichzeitig durch Kontakt weiterverbreitet werden (Tab. 1). Infektionen der Luftwege durch virale und bakterielle Erreger (Pneumokokken oder Meningokokken) werden typischerweise hauptsächlich durch Tröpfchen übertragen.

Tab. 1

Übertragung respiratorischer Keime

Erreger

Übertragung

„Attack rate“ (%)a

Kontakt

Tröpfchen

Aerosol

Viren

Influenza

++

++

(+)

20–60

Adenoviren

++

++

+

10–40

Respiratory Syncytial Virus

++

++

50b

Rhinoviren

++

++

60

Bakterien

Neisseria meningitidis

(+)

++

1

Streptococcus pneumoniae

(+)

++

<1

Mykobacterium tuberculosis

++

25–50

a Prozentsatz der exponierten Personen, die symptomatisch werden, b Kinder.

Übertragung durch Aerosole

Aerosole sind feine, alveolengängige Schwebetröpfchen oder Partikel mit einem Durchmesser von <5 μm. Sie werden ebenfalls durch Husten, Niesen, Sprechen oder invasive Eingriffe wie eine bronchioloalveoläre Lavage freigesetzt, verteilen sich im Raum und können dort über Stunden persistieren. Infektionserreger, die durch Aerosole übertragen werden, können über Luftströmungen weiterverbreitet werden, ohne dass ein direkter Kontakt zur infizierten Person besteht. Typische Vertreter dieser luftübertragenen Erreger sind Mycobakterium tuberculosis, Varizellen und Masern (Tab. 1).

Übertragung durch Kontakt

Die Übertragung erfolgt über direkten Körperkontakt, meistens via Hände oder indirekt via kontaminierte Objekte oder Oberflächen. Die Kontaktübertragung ist besonders bei viralen Erregern von Bedeutung (Tab. 1). Unbehüllte Viren wie z. B. Adeno- oder Enteroviren sind besonders umweltresistent und können in der Umgebung während Tagen (Enteroviren) bis Monaten (Adenoviren) überleben. Aber auch unbehüllte Viren wie z. B. Influenza können in der Umwelt Stunden bis Tage überleben. Niedrige Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit sind in der Regel mit einer längeren Persistenz in der Umwelt assoziiert, obwohl für einige Viren widersprüchliche Daten existieren [6].

Wie ansteckend sind respiratorische Keime?

Die Übertragung von Infektionserregern auf die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums führt entweder zur Kolonisation, d. h. asymptomatischen Proliferation der Keime auf der Schleimhautoberfläche, oder Infektion, d. h. Invasion und Proliferation von Bakterien im Gewebe.

Die Mehrheit der respiratorischen Infektionen sind viral bedingt. Viren verursachen eine Infektion der Schleimhaut, die meistens symptomatisch verläuft, aber auch oligo- bis asymptomatisch sein kann. Bakterien wie Pneumokokken oder Meningokokken verursachen primär eine Kolonisation der Nasen-Rachen-Schleimhaut. Bei Beeinträchtigung der Schleimhautimmunität durch anatomische Faktoren (z. B. Tubenobstruktion, behinderter Abfluss aus dem Sinus maxillaris etc.), Immunsuppression oder hoher Virulenz des Erregers kann sich aus der Kolonisation eine invasive Infektion entwickeln.

Virale Infektionen

Virale Erreger von Luftwegsinfektionen sind in der Regel infektiöser als Bakterien. Sie führen direkt zu einer Infektion der Nasen-Rachen-Schleimhäute mit entsprechender Immunantwort des Wirts und werden über Husten, Niesen und Kontakt mit respiratorischen Sekreten übertragen. Kleinkinder tragen durch fehlende Immunität, hohe Virusmengen in den respiratorischen Sekreten und engen Kontakt zu Geschwistern und Bezugspersonen besonders zur Verbreitung viraler Erreger bei. Je nach Virus werden 10–60% der exponierten Personen symptomatisch („attack rate“, vgl. Tab. 1; [9]).

Bakterielle Infektionen

Streptococcus pneumoniae

Die Übertragung und Kolonisation durch Pneumokokken erfolgt durch nahen Körperkontakt und Tröpfchen innerhalb von Familien, in Kinderhorten, Militärunterkünften, Gefängnissen und Pflegeheimen, d. h. überall dort, wo Menschen in nahem Kontakt zusammenleben. Die Übertragung von Pneumokokken wird insbesondere durch begleitende virale Infektionen begünstigt. Nur ein Bruchteil der kolonisierten Individuen erkrankt an einer Pneumokokkeninfektion, insbesondere bei Vorliegen einer anatomischen oder immunologischen Prädisposition oder zusätzlicher Faktoren wie Zigarettenrauchen, Allergien etc. Pneumokokkeninfektionen wie die Pneumokkenpneumonie oder -sinusitis gelten deshalb nicht eigentlich als ansteckend [9].

Neisseria meningitidis

Meningokokken haben als einziges Reservoir den Menschen. Sie werden durch Tröpfchen oder direkten Kontakt übertragen und überleben nur schlecht in der Luft oder Umgebung. Etwa 35–50% der Familienangehörigen von Patienten mit Meningokokkeninfektionen sind ebenfalls mit Meningokokken kolonisiert, deutlich mehr als in der Gesamtbevölkerung (1,5–3% Meningokokkenträger). Haushaltkontakte erkranken 500- bis 800-mal häufiger an Meningokokken als die Allgemeinbevölkerung, allerdings ist das absolute Risiko einer invasiven Meningokokkenerkrankung auch für Haushaltkontakte mit 2–4/1000 gering. Entsprechend treten 95% aller Fälle in zivilisierten Ländern sporadisch auf, d. h. ohne nachweisbaren Kontakt zu einem Patienten mit Meningokokkeninfektion [9].

Mycobakterium tuberculosis

Patienten mit Tuberkulose sind ansteckend, wenn sie Tuberkelbazillen aushusten oder beim Sprechen aerosolisieren (offene Lungentuberkulose). Im Vergleich mit typischen bakteriellen Erregern ist die Tuberkulose deutlich ansteckender. Das Übertragungsrisiko hängt von der Keimdichte, der Expositionszeit, der Intensität des Kontakts sowie der Prädisposition des Exponierten (höheres Übertragungsrisiko bei Immunsupprimierten) ab. Bei engem Kontakt mit einem Patienten mit offener Lungentuberkulose und Nachweis von säurefesten Stäbchen im Sputum beträgt das durchschnittliche Übertragungsrisiko ca. 25–50% [9]. Rund 13–17% der Übertragungen gehen von Patienten mit positiver Sputumkultur, jedoch ohne Nachweis von säurefesten Stäbchen im Direktpräparat des Sputums aus [1, 15].

Isolationsmaßnahmen bei respiratorischen Infekten

Die Isolationsmaßnahmen haben 2 Ziele:
  1. 1.

    Verhinderung der Keimübertragung auf das Personal (Personalschutz),

     
  2. 2.

    Verhinderung der Keimübertragung auf Mitpatienten (Prävention von nosokomialen Infektionen).

     

Die Art der Isolationsmaßnahmen richtet sich nach dem hauptsächlichen Übertragungsweg des Erregers.

Standardhygienemaßnahmen

Die Maßnahmen der Standardhygiene sind die Basis für die Betreuung aller Patienten mit Infektionskrankheiten. Die Standardhygiene beinhaltet einerseits die hygienische Händedesinfektion und andererseits den Schutz des Personals vor Kontakt mit Körperflüssigkeiten und -sekreten wie Blut, Stuhl, Urin und respiratorischen Sekreten durch Tragen von Handschuhen und evtl. Schutzkittel bzw. Schutzbrille. Letztere wurden im Rahmen des Personalschutzes wegen der Gefahr blutübertragener Erkrankungen in den 1980er Jahren eingeführt.

Durch strikte Einhaltung der Standardhygienemaßnahmen kann die Übertragung vieler Krankheitserreger bereits verhindert oder deutlich reduziert werden.

Isolationen im Krankenhaus

Bei Erkrankungen, die zu Epidemien innerhalb der Institution oder potenziell schwerwiegenden Komplikationen führen können, werden verschärfte Hygienemaßnahmen getroffen, um das Risiko einer nosokomialen Übertragung möglichst gering zu halten (Isolation). Die Art der Isolation richtet sich nach dem hauptsächlichen Übertragungsweg und ist entsprechend eingeteilt in Kontakt-, Tröpfchen und aerogene Isolation. Voraussetzung für eine optimale Isolation ist eine gezielte Diagnostik mit Suche nach den häufigsten, epidemiologisch relevanten viralen und bakteriellen Erregern.

Bei der Tröpfchenisolation wird ein Mund-Nasen-Schutz Typ II (früher: chirurgische Maske) getragen. Eine randomisierte klinische Studie vom Oktober 2009 hat nachgewiesen, dass chirurgische Masken für die Prävention der tröpfchenübertragenen Influenza ausreichend ist [7].

Für die aerogene Isolation wird eine FFP-Maske Typ 2 oder 3 („face filtering piece“) verwendet, die optimal an die Gesichtsform angepasst werden kann und eine Filterleistung von ≥95% aufweist (Tab. 2). In den USA gilt eine andere Klassifikation: Klinisch kann eine FFP Typ 2 mit einer N95-Maske nach NIOSH (National Institute for Occupational Safety and Health) als äquivalent wirksam angesehen werden.

Tab. 2

Isolationsmaßnahmen bei hospitalisierten Patienten

Isolationsmaßnahmen

Kontakt

Tröpfchen

Aerosol

Schutzkittel

Ja

Empfohlena

Empfohlena

Handschuhe

Ja

Empfohlena

Empfohlena

Schutzbrille

Bei Expositionb

Bei Expositionb

Bei Expositionb

Mund-Nasen-Schutz II

Nein

Ja

Nein

FFP-Maske

Nein

Nein

Ja

Einzelzimmer

Ja

Ja

Ja

Zimmer mit Unterdruck

Nein

Nein

Jac

Schlussdesinfektion Zimmer

Ja

Ja

Ja

FFP: „face filtering piece“. a Indiziert bei Viren mit relevanter Kontaktübertragung (Adenoviren, Parainfluenza, RSV, pandemische Influenza H1N1). b Bei Exposition der Augen mit infektiösen Körperflüssigkeiten. c Falls vorhanden, ansonsten wenn möglich Zimmer mit Schleuse.

Für respiratorische Erreger mit relevanter Kontaktübertragung (Adenoviren, Parainfluenza, Respiratory Syncytial Virus, pandemische Influenza H1N1) sind zusätzlich Schutzkittel und Handschuhe indiziert.

Isolierte Patienten werden grundsätzlich in einem Einzelzimmer untergebracht. Bei hohem Patientenanfall und gleichem Erreger können die Patienten evtl. kohortiert werden (z. B. Grippepatienten während einer Grippeepidemie). Patienten mit offener Lungentuberkulose sollten in einem Einzelzimmer mit Schleuse und idealerweise Unterdruck betreut werden.

Nach Aufhebung der Isolation respektive bei Entlassung des Patienten wird das Isolationszimmer einer Schlussdesinfektion unterzogen, um auf Oberflächen vorhandene Infektionserreger zu eliminieren und eine Übertragung auf weitere Patienten zu verhindern.

Isolation in Langzeitinstitutionen

Die Einhaltung der Isolationsmaßnahmen ist auch in Langzeitinstitutionen wichtig, weil sich dort viele betagte, polymorbide und immunsupprimierte Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko aufhalten und die Gefahr von Epidemien innerhalb der Institution besteht.

Im Unterschied zum Akutspital steht eine Diagnostik meistens nicht, oder nur verzögert, zur Verfügung. In diesem Fall richten sich die Hygienemaßnahmen nach den Symptomen des Patienten: Bei grippalen Erkrankungen sollte der Patient wenn möglich im Zimmer bleiben und Gemeinschaftsräume resp. -anlässe bis zum Abklingen der Symptome meiden. Für die Pflege gelten die Maßnahmen der Tröpfchenisolation, d. h. das Pflegepersonal trägt als Minimum einen Mund-Nasen-Schutz, idealerweise zusätzlich Schutzkittel und Handschuhe für die Körperpflege des Patienten. Eine strikte Händehygiene, d. h. Händedesinfektion mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel, ist unabdingbar zur Verhinderung einer Ausbreitung respiratorischer Erkrankungen.

Die jährliche Grippeimpfung für Personal und Patienten ist ein zusätzlicher bedeutender Pfeiler der Prävention von Grippeepidemien in Langzeitinstitutionen [2, 11, 12].

Isolation in der Praxis

Die Zahl an polymorbiden, immunsupprimierten Patienten nimmt auch im ambulanten Sektor stetig zu, und eine Keimübertragung kann auch in den Räumlichkeiten einer Praxis oder im Wartezimmer erfolgen. Übertragungen von infektiösen Erregern im ambulanten Setting sind in der Literatur mehrfach beschrieben [5, 8]. Die Einhaltung der Isolationsmaßnahmen ist deshalb auch im ambulanten Sektor wichtig.

Es gibt keine detaillierten Richtlinien für die Isolation bei respiratorischen Infektionen in der Praxis [14]. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Verwendung von Mund-Nasen-Schützen sowie die hygienische Händedesinfektion die Übertragung von Influenza bei Haushaltkontakten von Grippekranken reduziert [3].

Es gibt keine Richtlinien für die Isolation bei respiratorischen Infektionen in der Praxis

Wie in Langzeitinstitutionen steht in der Praxis auch mehrheitlich keine exakte virale oder bakterielle Diagnostik zur Verfügung, d. h. die Isolationsmaßnahmen richten sich nach den klinischen Symptomen. Zudem müssen die Maßnahmen dem hohen Patiententurnover (speziell in der Grippesaison) in der Praxis Rechnung tragen.

Hygienemaßnahmen

Patienten mit respiratorischen Infektionen erhalten bereits bei der Anmeldung einen Mund-Nasen-Schutz, damit nicht weitere Patienten im Wartezimmer exponiert und angesteckt werden. Optimal werden sie in einen anderen Warteraum gewiesen.

Patienten mit offener Lungentuberkulose müssen beim Praxisbesuch eine FFP-2-Maske tragen, bis sie nicht mehr husten und mindestens 2 Wochen resistenzgerecht tuberkulostatisch behandelt sind. Im Zweifellsfall sollte Rücksprache mit einem Infektiologen genommen werden.

Für die Untersuchung werden Patienten mit grippalen oder respiratorischen Infektionen tröpfchenisoliert, d. h. der Arzt trägt als Minimum einen Mund-Nasen-Schutz, fakultativ zusätzlich Schutzkittel und Handschuhe für die Untersuchung (Tab. 3). Eine sorgfältige Händedesinfektion nach der Konsultation ist für die Verhinderung einer Keimverschleppung zentral.

Tab. 3

Isolationsmaßnahmen bei ambulanten Patienten

Isolationsmaßnahmen

Kontakt

Tröpfchen

Aerosol

Schutzkittel

Ja

Fakultativ

Fakultativ

Handschuhe

Ja

Fakultativ

Fakultativ

Schutzbrille

Bei Exposition

Bei Exposition

Bei Exposition

Mund-Nasen-Schutz II

Nein

Jaa

Nein

FFP-Maske

Nein

Nein

Ja

Desinfektion Kontaktflächenb

Ja

Ja

Empfohlen

Desinfektion Materialc

Ja

Ja

Empfohlen

FFP: „face filtering piece“. a Im Wartezimmer trägt auch der Patient einen Mund-Nasen-Schutz (Verhinderung einer Ansteckung der Mitpatienten). b Desinfektion mit Flächendesinfektionsmittel (große Flächen) oder Alkohol 80 Vol.-%. c Desinfektion mit Alkohol 80 Vol.-% (z. B. Blutdruckmanschette, Stethoskop etc.).

Räumlichkeiten

Im Sprechzimmer sollte idealerweise nur dasjenige Material vorhanden sein, welches für die Untersuchung benötigt wird. Reservematerial sollte aus dem Zimmer entfernt oder in verschlossenen Schränken aufbewahrt werden. Für die Untersuchung sollte möglichst Einwegmaterial benutzt werden (z. B. Mundspatel).

Nach der Untersuchung sollte die Patientenliege mit 80%igem Alkohol abgerieben werden. Dies gilt speziell auch für die Untersuchung von Kleinkindern (Elimination von erregerhaltigen Sekreten). Regelmäßiges Anwenden von Alkohol auf empfindlichen Kunststoffoberflächen kann die Oberfläche ausbleichen. Alternativ kann ein anderes Desinfektionsmittel, z. B. basierend auf Glucoprotamin, verwendet werden.

Dauer der Isolationsmaßnahmen

Die Isolation wird solange aufrecht erhalten, bis der Patient nicht mehr infektiös ist. Die Infektiosität ist abhängig vom Alter (höhere Virusausscheidung bei Kindern), der Immunlage (längere Virusausscheidung bei Immunsuppression) sowie dem Schweregrad der Erkrankung.

Für die wichtigsten Krankheitserreger gibt es standardisierte Empfehlungen für die Dauer der Isolation [14]. Die Art und Dauer der Isolationsmaßnahmen für die wichtigsten Erreger ist in Tab. 4 zusammengefasst.

Tab. 4

Art und Dauer der Isolation von Erregern respiratorischer Infektionen

Erreger

Isolation

Dauer

Besonderheit

Viren

Influenza

Tröpfchen

5 Tage

Prolongierte Virusausscheidung bei Immunsuppressiona

Pandemische Influenza H1N1

Tröpfchen

24 h nach Stopp der Symptome

Adenoviren

Tröpfchen

Solange Symptome

Parainfluenzaviren Typ 3

Tröpfchen

Solange Symptome

Respiratory Syncytial Virus

Tröpfchen

Solange Symptome

Bakterien

Neisseria meningitidis

Tröpfchen

24 h nach Therapiebeginn

Streptococcus pneumoniae

Keine

Mycobacterium tuberculosis

Aerosol

Mindestens 2 Wochen nach Therapiestartb

Rücksprache mit Infektiologie empfohlen

a Auf Hochrisikoabteilungen (z. B. Knochenmarktransplantierte) ist eine Kontrolle der Virusausscheidung mittels Nasopharyngealabstrich empfohlen; Aufhebung der Isolation erst, wenn Polymerasekettenreaktion negativ. b Länger bei kavernöser Lungentuberkulose, HIV-positiven Personen, multiresistenter Tuberkulose und/oder ungenügendem Therapieansprechen.

Bei immunsupprimierten Patienten auf Hochrisikoabteilungen (z. B. akute Leukämien, Knochenmarktransplantierte) empfiehlt sich die Überprüfung der Infektiosität anhand eines Virusabstrichs im Verlaufe der Krankheit. Patienten mit Infektionen durch Influenza, Parainfluenza Typ 3 und Respiratory Syncytial Virus sollten erst dann entisoliert werden, wenn die Polymerasekettenreaktion aus dem Nasopharyngealabstrich negativ ausfällt.

Aufhebung der Isolation im Krankenhaus

Wird die Isolation eines Patienten im Krankenhaus aufgehoben, muss gewährleistet sein, dass Infektionserreger aus der Umgebung nicht verschleppt werden und zur Infektion von Personal oder anderen Patienten führen.

Nach Aufhebung der Isolation wird das Isolationszimmer deshalb mit einem Flächendesinfektionsmittel desinfiziert. Angebrochenes Verbrauchsmaterial wird verworfen, alle Oberflächen werden mit Alkohol 80 Vol.-% (kleine Flächen) oder Flächendesinfektionsmittel (große Flächen) desinfiziert. Die Desinfektionsmittelliste des Verbundes für angewandte Hygiene e.V. (VAH), früher herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), erstellt genaue Angaben, welche Desinfektionsmittel bei den verschiedenen Infektionserregern verwendet werden können (http://www.vah-online.de). Für respiratorische Viren sind in der Regel keine Anpassungen des Desinfektionsmittels notwendig. Die angegebenen Einwirkzeiten der Desinfektionsmittel gemäß VAH-Liste sind sehr lang und können nach Rücksprache mit einer Fachperson für Krankenhaushygiene gegebenenfalls angepasst werden.

Bei aerogener Isolation muss der Raum während mindestens 1 h gelüftet werden, um in der Luft schwebende Krankheitserreger zu verdünnen, respektive zu entfernen. Klimatisierte Räume sollten während mindestens 2 h, ideal über Nacht nicht benutzt werden.

Fazit für die Praxis

  • Respiratorische Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionen bei Kindern und Erwachsenen und sind mehrheitlich durch Viren verursacht.

  • Virale Infektionserreger der Luftwege sind in der Regel hochinfektiös und können in der Umgebung Stunden bis Tage, vereinzelt sogar mehrere Wochen überleben.

  • Die meisten Infektionen der Luftwege werden hauptsächlich durch Tröpfchen übertragen. Eine Kontaktübertragung über Hände oder kontaminierte Oberflächen ist bei den meisten Viren ebenfalls möglich, beim Respiratory Syncytial Virus die Regel.

  • Die Standardhygienemaßnahmen beinhalten die hygienische Händedesinfektion sowie den Schutz vor infektiösen Sekreten. Damit kann die Übertragung von vielen respiratorischen Keimen bereits deutlich reduziert werden.

  • Isolationsmaßnahmen verbessern den Personalschutz und reduzieren das Risiko der nosokomialen Übertragung zusätzlich. Sie sind in allen Institutionen des Gesundheitswesens, d. h. im stationären und ambulanten Bereich, indiziert.

Interessenkonflikt

Die korrespondierende Autorin gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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