Der Chirurg

, Volume 78, Issue 3, pp 265–272

Zum 100. Todestag Ernst von Bergmanns

Authors

    • Operatives ZentrumBundeswehrkrankenhaus
  • W. Düsel
    • Operatives ZentrumBundeswehrkrankenhaus
Die Bibliothek des Chirurgen

DOI: 10.1007/s00104-006-1299-8

Cite this article as:
Czymek, R. & Düsel, W. Chirurg (2007) 78: 265. doi:10.1007/s00104-006-1299-8

Zusammenfassung

„liebe tante lina. ich kann noch keine großen buchstaben, aber ich will dir mit den kleinen sehr danken für die schönen federn. grüße großpapa und alle. dein lieber ernst.“ Zwischen diesen ersten überlieferten schriftlichen Zeilen des Ernst von Bergmann und seinen letzten Worten am 25. März 1907 zum vermuteten Dickdarmkrebs „Ich habe die Diagnose schon vor 5 Jahren gestellt und nun ist es auch so.“ liegen Jahrzehnte eines kraftvollen Lebens unbändiger Schaffenskraft, ausgeprägter Selbstdisziplin und mitfühlender Fürsorge für Patienten und Familie; Jahrzehnte gewaltiger chirurgischer Erfolge und privaten Glückes wie beruflicher Rückschläge und tragischer familiärer Verluste. Ernst von Bergmann stieg auf zu einem der führenden deutschen Chirurgen nicht nur durch seine operativen und wissenschaftlichen Leistungen insbesondere auf den Gebieten der Asepsis und Kriegschirurgie, sondern auch durch sein vorbildliches, zuverlässiges, einnehmendes Wesen und sein Engagement für die ärztliche Fortbildung in verschiedenen medizinischen Gesellschaften. Allen voran ist die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie ihm zu Dank verpflichtet. Nach Übernahme des Berliner Lehrstuhles 1882 hatte er immer eine führende Rolle in ihr, nicht nur als deren 5-maliger Präsident in den Jahren 1888 bis 1890, 1896 und 1900. Als würdiger Nachfolger Langenbecks war er 25 Jahre Ordinarius im Universitätsklinikum Berlin in der Ziegelstraße (1882–1907). Im Nebenamt dozierte er durch die Bestallung von Kaiser Wilhelm I. am 16. November 1882 als ordentlicher Professor an der Medizinisch-Chirurgischen Akademie für das Militär; eine Aufgabe, die seinem patriotisch-nationalen Wesen besonders am Herzen lag.

Schlüsselwörter

Ernst von BergmannDeutsche Gesellschaft für ChirurgieAsepsisUniversitätsklinikum Berlin

On the centennial of Ernst von Bergmann’s death

Abstract

“dear aunt lina. i do not know any big letters yet, but i want to thank you in small letters for the beautiful pens. say hello to grandpa and to everybody. yours truly, ernst.” These are the first surviving written words of Ernst von Bergmann. Between them and his last words about his suspected colon cancer on 25 March 1907 (“I diagnosed this 5 years ago, and now it has come to pass.”) lie many years in a vigorous life characterised by untiring activity and creativity, self-discipline, and care for patients and his family. They were years of enormous success in surgery and private happiness but also of professional setbacks and tragic family loss. Ernst von Bergmann became a leading German surgeon not only because of his surgical and scientific achievements, particularly in the fields of asepsis and war surgery, but also due to his exemplary character, reliability, engaging personality, and commitment to medical training in various medical societies. Of these, the German Society of Surgery is most indebted to him. After assuming a chair in surgery in 1882, he continued to play a leading role in this society, not least as its five-time president from 1888 to 1890 and in 1896 and 1900. A worthy successor to Bernhard von Langenbeck, he was a full professor at the Berlin University Hospital for 25 years. He also taught at the Medical and Surgical Academy for the Military after being appointed there by Emperor Wilhelm I on 16 November 1882. This position was important to him and corresponded to his patriotic views.

Keywords

AsepsisBerlin University HospitalErnst von BergmannGerman Society of Surgery

Kindheit in Rujen/Livland und Schulausbildung

Als ältester Sohn des Pastors Richard von Bergmann und seiner Frau Berta, geb. Krüger, wurde Ernst Gustav Benjamin am 16. Dezember 1836 in Riga, Schloßstraße 11, geboren.

Eine frühe Förderung wurde ihm sowohl vom Großvater väterlicherseits, der die rasche Auffassungsgabe des Zöglings erkannte, wie von seiner Mutter Berta, die ihn im häuslichen Unterricht bis zum 14. Lebensjahr betreute, zuteil. Letztere vermittelte ihm das Lesen und Schreiben und regte ihn zu Briefen an seinen Großvater und die Schwestern des Vaters an. Folgender Text ist der früheste vorliegende Schreibversuch des Knaben:

„liebe tante lina. Ich kann noch keine großen buchstaben, aber ich will dir mit den kleinen sehr danken für die schönen federn. grüße großpapa und alle. dein lieber ernst.“

Studium und Assistenzarztzeit in Dorpat

Am 28. Juli 1854 immatrikulierte sich Ernst von Bergmann an der deutschen Universität Dorpat in Russland zum Studium der Medizin. Anfangs bestimmten Ekel und Grauen in den anatomischen Anstalten das Leben des jungen Studenten; der Anblick der ersten Operation erfüllte ihn mit Angst. Er glich im Studium die mangelnde Neigung zum Fach mit Arbeit und mühsamer Anstrengung aus. Ein Zitat aus dieser Zeit ist typisch für die schwierigen Anfänge:

„er gehöre nicht zu denen, die schieben, sondern habe sich vielmehr schieben lassen.“

Am 31.Oktober 1860 verteidigte Bergmann seine dem Vater gewidmete Inauguraldissertation „De balsami Copaive Cubebarumque in urinam transitu“.

Sein Lehrer Georg von Oettingen, später in enger Freundschaft mit ihm verbunden, bot Ernst von Bergmann, nachdem er ihm als klinischer Praktikant positiv aufgefallen war, eine frei werdende Stelle als Assistent in der chirurgischen Klinik an. Nach erfolgreichem und strebsamem Wirken als Assistent legte von Oettingen ihm 1862 nahe, zu habilitieren. Diese Gelegenheit ergriff Ernst von Bergmann und reichte Anfang 1863 zur Erlangung der Habilitation eine Dissertation pro venia legendi mit dem Thema „Zur Lehre der Fettembolie“ ein. Nach nur einem erfolgreichen Jahr als Privatdozent ermöglichte die Fakultät, wiederum auf Vorschlag des G. von Oettingen, ihm zur Festigung der wissenschaftlichen Reife die „Kommandierung“ in das Ausland über 14 Monate unter Bezahlung. Vor seiner Abreise feierte er am 2. Oktober 1864 Verlobung mit Hildegard Adelmann, der ältesten Tochter seines chirurgischen Chefarztes.

Wissenschaftliche Reise durch Europa

Am 21. Februar 1865 begann E. von Bergmann seine Reise, die ihn zunächst nach Königsberg in die chirurgische Klinik von Albrecht Wagner, dessen Freundschaft er gewann, führte. Ernst von Bergmann zeigte sich sehr beeindruckt von der neuen, 1864 eröffneten Klinik mit anspruchsvollen hygienischen Standards.

Nach 3 Tagen in Königsberg schloss sich die Weiterfahrt nach Breslau an. Hier stellte er sich im Allerheiligenhospital bei Middeldorpf vor, dem technischen und wissenschaftlichen Begründer der Galvanokaustik. Bei Middeldorpf sah er Operationen mit dem glühenden Platindraht, der Schlinge und dem Porzellanbrenner.

Am 2. März 1865 traf von Bergmann mit einer großen Erwartungshaltung in Wien ein. In der Wiener Zeit holte er nun die vielen Empfehlungsschreiben aus Dorpat aus der Tasche und ließ sich von seiner Frau Hildegard noch weitere schicken,

“…denn da ich kein glänzendes Meteor am Gelehrtenhimmel bin, so musst Du schon dafür sorgen, dass die Aufmerksamkeit der einflussreichen Gestirne auf mich gelenkt wird“.

Die Schreiben seines Dorpater Lehrers von Adelmann öffneten Türen. Die chirurgischen Kliniken in Wien wurden zur damaligen Zeit geleitet von Johann von Dumreicher und Franz Schuh. Schuh, dem die erste Herzbeutelpunktion und die Etablierung der Äthernarkose bei Operationen zuzuschreiben ist, wurde von Bergmann als liebenswürdiger und gewinnend einfacher Mensch beschrieben.

In Briefen kritisierte der junge von Bergmann aber auch die Arbeitsweise der Koryphäen. Zu Dumreich schrieb er:

„Schon aus der Entfernung pflegt er die Übel der eintretenden Kranken zu nennen. Würde er eine etwas sorgfältigere Krankenuntersuchung üben, so würde er sich nicht so oft bloßstellen.“

Im Allgemeinen war Bergmann in seinen Erwartungen von der Wiener Chirurgie enttäuscht worden.

„Man lernt von den Kranken immer mehr als von den Dozenten“.

Regelmäßig besuchte er die Klinik von Ferdinand Hebra, bekannt durch die herausragende Behandlung von Hautkrankheiten. Er nannte ihn einen genialen Bonvivant, der mit der Erkennung von Krankheiten Kunststücke mache, die ans Märchenhafte grenzten. Viel Zeit widmete er Julius Klob im Rudolf-Hospital. In dessen Klinik durfte von Bergmann 40 Leichen selbst sezieren und publizierte zu „metastatischen Infarkten und Abszessen“, beschäftigte sich außerdem mit Geschwulstfällen in der Abhandlung „Ein Gallertkrebs“ und „Bilder zusammengesetzter Zysten des Ovariums“ in der Zeitschrift der Gesellschaft Wiener Ärzte. Bergmann genoss aber ebenso das Gesellschaftsleben, diverse Gesellschaftsabende, Theater, Museen und erkundete auf Wanderungen Wien und seine Umgebung.

Am 6. September 1865 traf Bergmann in München ein und stellte sich am folgenden Morgen bei Nussbaum im Allgemeinen Krankenhaus vor. Dieser galt als kühner und genialer Operateur, imponierte als klinischer Lehrer von hinreißender Beredsamkeit. Bergmann assistierte ihm in dessen Privatpraxis, u. a. bei 5 Neurektomien.

„Ich habe Patruban, Langenbeck, Wagner dieselben Nerven suchen sehen, sie alle überragt Nussbaum an Sicherheit und Schnelligkeit“.

Nach Heidelberg zog ihn der Ruf eines der hervorragendsten deutschen Chirurgen, Otto Weber. Er galt als gewissenhafter, vorsichtiger Operateur und unübertrefflicher Lehrer. Nach allen Knochenresektionen legte Weber Gipse an zum Schutz vor Fieber- und Entzündungsschüben. Dieses Vorgehen deckte sich mit kürzlich gewonnen Erfahrungen Bergmanns in Dorpat. Weber kannte Bergmanns Arbeit über die Fettembolie und lobte ihn dafür. Zusammen saßen sie lange im Arbeitszimmer des Dozenten, wo Weber interessanteste mikroskopische Schnitte von Ostitis und Osteomyelitis sowie andere rare Präparate demonstrierte. Der frühzeitige Reiseabbruch in Heidelberg war erzwungen durch den gewünschten Besuch der Naturforscherversammlung in Hannover.

In Hannover traf Bergmann am 18. September ein. Unter 800 Teilnehmern bestand die Möglichkeit zum Austausch mit Koryphäen wie Bardeleben, Bruns, Esmarch, Kofer, Baum und anderen. Bergmann begeisterte eine Diskussion über die Blutstillung beim Aneurysma traumaticum mit den Feldchirurgen der Düppler Armee aus Berlin und besuchte Vorträge von Rudolf Virchow.

Berlin erreichte der Studienreisende zu Beginn des Wintersemesters. Aufgrund von Terminkollisionen musste Bergmann sich auf Besuche Graefes und Langenbecks Klinik sowie Langenbecks Vorlesungen beschränken, Virchows Vorlesungen entgingen ihm.

Größte Eindrücke auf den jungen Reisenden machte von Graefe und seine Augenklinik, dessen Meistereinfälle er bewunderte. Graefe besaß das breiteste und tiefste Spektrum, war aber trotzdem zu Selbstkritik fähig. Er vereinte äußerste Gewissenhaftigkeit mit höchstem Arbeitspensum. Jede Unterweisung stammte aus mühsamer Forschung. In Langenbecks chirurgischer Klinik zeigte sich dieser als genialer Operateur und Meister der Blutstillung. Er hatte drei Feldzüge hinter sich mit erstmaliger Anwendung der erhaltenden Chirurgie. Bergmann äußerte aber auch Klagen wie oberflächliche Untersuchungen, die Beschränkung auf die Operation ohne weit reichende Erklärungen und gelegentliche Irrtümer. An Weihnachten 1865 trat bei Ernst von Bergmann, der in seinem ganzen Leben über zahlreiche, lange und literarisch wertvolle Briefe mit seiner Familie in Verbindung stand, Heimweh nach Dorpat ein. Die Sehnsüchte wurden in dieser Zeit immer größer:

„Es kommen Sehnsuchtsperioden über mich, wo ich die Strassen von Berlin für jämmerlich gepflasterte Pfade, das Opernhaus für einen viereckigen Leierkasten und das Schauspielhaus für ein Marionettentheater halte und aus all dem klinischen Zeug wegflüchten möchte...“.

Am 14. Februar erreichte Ernst von Bergmann nach einer Reise voller intensiver Eindrücke wieder Dorpat, die Hochzeit mit Hildegard Adelmann wurde am 16. März 1866 gefeiert. Nicht nur in seiner Zeit in Dorpat zeichnete von Bergmann sich aus durch eine ausgeprägte Gutmütigkeit und die stete Bereitwilligkeit, zu raten und zu helfen. Bauern aus seiner Heimat Rujen, die bei ihm gelegentlich zur Behandlung vorfuhren, behandelte er kostenlos und rannte von Hinz zu Kunz, um ihnen Quartier zu verschaffen, bezahlte gelegentlich sogar deren Kost und Pflege in der Klinik. Nach nur wenigen glücklichen gemeinsamen Monaten meldete sich der junge Ehemann als Freiwilliger im Preußisch-Österreichischen Krieg und trat zur Weiterentwicklung seiner operativen Fähigkeiten als Chirurg auf der Seite Preußens in den Konflikt ein.

Nach Kriegsende kehrte Ernst von Bergmann im Frühherbst 1866 zu seiner Familie zurück. Eine Phase der intensiven Arbeit und des Familienlebens in Dorpat schloss sich an, am 27. Juni 1867 wurde Tochter Edith geboren. Ein glücklicher und genussreicher Sommer in Bergmanns Heimat Rujen war der jungen Familie beschieden. Im Herbst zeichnete sich allerdings die körperliche Schwächung der jungen Mutter Hildegard, die seit ihrem 12. Lebensjahr an einer Mitralinsuffizienz infolge Gelenkrheumatismus und Endokarditis litt, ab. Seinem Vater schrieb er:

„Du würdest in dem eingefallenen Gesicht und den tiefen Augen das frische Mädchen nicht erkennen, das ich Dir einst als Braut Deines Sohnes zuführte! So muss ich denn die Flügel sinken lassen und Gott bitten, er wolle sich meiner und meines armen Töchterchens erbarmen, wenn er uns die nimmt, die mit unserem Leben am innigsten verbunden ist!“

Nach Monate langem Leiden und aufopfernder Pflege des Ehemannes verstarb seine geliebte Frau Hildegard am 30. März 1868 im Alter von 21 Jahren. Über den Verlust seiner Frau und die Verödung des Hauses kam Bergmann schwer hinweg, resignierte aber nicht, sondern steigerte sein Arbeitspensum noch mehr. Trost war ihm Tochter Edith, die sich zunächst prächtig entwickelte, jedoch im Herbst 1869 an einer Entzündung der Wirbelsäule erkrankte. Ein jahrelanges Leiden von Kind und Vater schloss sich an. In den Kuraufenthalten beschrieb er den unglücklichen ihn quälenden Zustand seiner Tochter als körperliche „Verkrüppelung“ bei geistiger Frische. Am 3. September 1871 starb Edith an Masern und einer Lungenentzündung. In Bergmann brannte diese Wunde für den Rest seines Lebens.

Anknüpfend an die Studien von Weber/Heidelberg und Billroth beschäftigte Ernst von Bergmann sich zunehmend mit dem Entzündungsprozess im menschlichen Körper. 1868 erschienen drei bedeutende Arbeiten, die den Namen des Verfassers in der wissenschaftlichen Welt bekannt machten; „Das putride Gift und die putride Intoxikation“, „Über das schwefelsaure Sepsin (das Gift faulender Substanzen)“ sowie „Über das durch Fäulnis und Entzündungsprodukte erzeugte Fieber“. Die Thesen zu Bergmanns Modell vom Sepsin (einziges Gift, das allen Infektionskrankheiten zugrunde liegt; eine Stickstoffsubstanz des tierischen Körpers) ließen sich langfristig nicht halten und wurden durch die Lehren von den organischen Krankheitserregern in der Bakteriologie (Pasteur, Koch) verdrängt. Bergmann entwickelte sich weiter und imponierte als geborener Redner und ausgezeichneter Schriftsteller.

Deutsch-französischer Krieg

Im deutsch-französischen Krieg meldete Ernst von Bergmann sich erneut als Freiwilliger, musste sogar Beziehungen auf höchster Ebene bemühen, um sich einzubringen. Den allgemeinen Zeitgeist dieser Periode und die patriotisch nationale Gesinnung von Bergmanns charakterisiert wohl am deutlichsten ein Auszug aus einem Brief, den er auf dem Weg von Berlin nach Mannheim aufsetzte:

“...Es reicht wirklich an die Grenze des Märchenhaften, was die deutschen Städte und Dörfer für die Erquickung der durchziehenden Truppen getan haben. Auf jedem Bahnhof flossen Ströme Weins, gab es Butterbrote, Wurst, Backwerk, Früchte in Fülle. Man muss Deutschland in seiner Opferfreudigkeit gesehen haben, um sich einen Begriff von der Liebenswürdigkeit dieses Volkes zu machen. Die Gegend von Marburg ist arm, dennoch wimmelte es von Bäuerinnen, die aus ihren Vorratskammern den letzten Speck oder hart gekochte Eier hervorgesucht hatten, um sie den Soldaten zu spenden. In Hessen sah man aber schon viele verweinte Gesichter: es war ja das hessen-nassauische Korps in der Weißenburger Schlacht gewesen und natürlich gründlich mitgenommen worden.“

In Mannheim wurde Ernst von Bergmann Chefarzt des Lazaretts Seilerbahn und leistete einmal mehr hervorragende Arbeit. Hier lernte er seine spätere zweite Ehefrau, Fräulein von Porbeck, die als Oberin arbeitete, kennen. Am 23. März 1871 feierte er Verlobung. Am 24. März schrieb er seiner Schwester Minna:

„Heute weiß ich es, ich kann nicht arbeiten, nicht sorgen, nicht schaffen, wenn ich nicht eine Frau habe, die so selbstständig ist wie etwa unsere Mama. Ich habe immer Papa beneidet: wie ist ihm sein Leben vergoldet worden nicht nur, sondern von tausenderlei Sorgen frei gehalten durch eine selbstständige, ihrer Aufgabe bewusste und energisch auftretende Frau!“

Mit seiner zweiten Frau, die ihm zwei Töchter und einen Sohn schenkte, erlebte er sein angestrebtes Familienglück nach Kriegsende (Abb. 1).

Abb. 1

Ernst von Bergmann mit seiner zweiten Frau Pauline von Porbeck, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hatte (mit freundlicher Genehmigung des Walter de Gruyter Verlags nach [1])

Sein geliebter Freund und Lehrer Albrecht Wagner, Professor auf dem chirurgischen Lehrstuhl in Königsberg, war in Frankreich mit 43 Jahren an Typhus erkrankt und gestorben. Die Fakultät entschied sich für Bergmann als würdevollen Nachfolger, Arbeitsbeginn sollte am 1. Oktober 1871 bei einem Gehalt von 1200 Talern und 800 Talern Kollegien- und Examinationsgeldern als ordentlicher Professor in Königsberg sein. Die Pläne wurden jedoch durchkreuzt durch Intervention der Kaiserin persönlich und die Berufung Dr. Schönborns aus Berlin, des dirigierenden Arztes des der Kaiserin sehr nahe stehenden Augusta-Hospitals.

Die ihm zugefügte verletzende Behandlung hat er schwer verwunden. Seiner Schwester schrieb er:

„Ich habe es für ein großes Glück gehalten, nach Königsberg zu kommen, was hätte ich alles gewonnen: eine der schönsten Kliniken der Welt, reiche Praxis und ein mir teures Vaterland! Das alles ist zerronnen, so unvermutet und rasch als es gekommen war.“

Am 24. Mai 1871 entschied sich die Fakultät in Dorpat für Bergmann als Adelmanns Nachfolger. Bergmann war nun ordentlicher Professor der Chirurgie, Ophthalmologie und Klinik, von Seiten der russischen Regierung wurden ihm Zusagen über finanzielle Mittel und Neubauten gemacht. Rufe nach Freiburg 1871, Bern 1872 und Kiew lehnte er ab.

In seinen Dorpater Jahren als leitender Chirurg galt er als Meister der Improvisation, als liebenswürdiger Chef, der mit wenig Schlaf auskam. Durch sein verantwortungsbewusstes Wesen und ehrgeiziges Schaffen wurde er zu einem der beliebtesten und respektiertesten Dorpater Professoren. Er zeichnete sich durch einen scharfen Blick aus, mit dem er in dem Neuen sofort das Brauchbare, Bleibende von den Übertreibungen zu unterscheiden wusste.

Den dritten und letzten Krieg seines Lebens erlebte der Dorpater Professor auf bulgarisch-böhmischem Boden 1877 zwischen Russland und der Türkei. Durch die Etablierung einer neuen antiseptischen Wundbehandlung und Ruhigstellung von Extremitäten ohne primäre Kugelsuche rettete er viele Verletzte vor Amputation und Tod.

Ruf nach Würzburg

Mit Ruhm und Ehren bedeckt kehrte Bergmann aus dem Krieg am 12. November nach Dorpat zurück, nahm dann aber rasch den Ruf der Universität Würzburg an. Mit der Professur an der Universitätsklinik war seit jeher die Stelle des Oberwundarztes im Julius-Spital verbunden. Am 28. April übernahm er auch diese Abteilung. Seine Antrittsvorlesung am 1. Mai in Würzburg handelte von der Behandlung der Schusswunden des Kniegelenkes im Kriege. Zu Beginn seiner Schaffenszeit in Würzburg erfolgte auch die Aufnahme in die bayerische Staatsangehörigkeit aufgrund des seinen Vorfahren verliehenen deutschen Reichsadels, von dem er bis dahin keinen Gebrauch gemacht hatte. Viele Kämpfe kostete ihn das Julius-Hospital. Zu den alten Zöpfen gehörten schwarze OP-Schürzen, um das Blut und den Eiter nicht zu sehen, aus Wachstuch und schwarzem Wolltuch gefertigt, starrend vor Steifigkeit. Gegen Widerstände wurden diese ausgemustert und gegen weiße OP-Röcke eingetauscht, das chirurgische Instrumentarium und das Verbandmaterial den neueren Erkenntnissen angepasst. Ernst von Bergmann erwuchs schnell ein hohes Ansehen in den Würzburger Professorenkreisen. Von Prof. Richard Schröder heißt es:

„Ich kann über Ernst von Bergmann nur das eine sagen, dass er einer der prächtigsten Kollegen war, die mir im Leben begegnet sind. Als er bald nach Beginn seiner Würzburger Tätigkeit einer schweren Infektionskrankheit verfiel, war ganz Würzburg in kummervoller Besorgnis und andrerseits voll Bewunderung für den großen Sinn, den er und seine Frau in so überaus schwerer Zeit zu erkennen gaben. Bergmann hat sich bis zu seinem viel zu frühen Tode als fester, absolut zuverlässiger und nie versagender Freund seiner Freunde bewiesen. Wer wie ich das Glück hatte, zu diesen zu gehören, wird sein Gedächtnis in dankbarer Erinnerung bewahren. In ernsten wie in heiteren Dingen war er allezeit bereit, nie ein Spielverderber und in der Not jederzeit der zuverlässigste Helfer. Über den Kreis seiner Freunde griff sein Sinn für kollegiales Leben. Er, der viel beschäftigte Arzt, hat es nie an sich fehlen lassen, wo kollegiale Pflichten seine Beteiligung forderten: in Freude und Leid, immer war er dabei.“

Im März 1979 erlitt der Würzburger Ordinarius eine Lymphangitis des Armes und der Axilla, die ihn bis zur Hüfte ergriff. Seine Pflichten ließ er sich dennoch nicht nehmen und unterrichtete weiter. Zu Semesterende ließ er sich von seinem ersten Assistenten die vereiterten Lymphknoten der Axilla ausräumen und gönnte sich eine Bettruhe. Nach mehrwöchiger Kur und Genesung in Wiesbaden ereilte ihn ein neuer Schicksalsschlag durch eine weitere schwere Infektion, hervorgerufen durch den septischen Herd eines Patienten, bei dem er sich einen Knochensplitter in den Finger stieß. Ein septischer Embolus in der Lunge verursachte einen akuten und fulminanten Krankheitsverlauf, während dessen Bergmann mit dem Tode rang. Nach vorübergehender Besserung entwickelte sich ein pleuritisches Exsudat mit 40,6°C Fieber. Ein Erysipel breitete sich von Gesicht und Kopf aus, der linke Arm war straff geschwollen und livide, multiple Abszedierungen mussten chirurgisch eröffnet werden. Behandelnde Kollegen und er selbst hatten mit seinem Leben abgeschlossen. Nach 8-monatigem Krankheitsprozess kam es im Februar 1880 zur Besserung des Befindens.

Neben den gesundheitlichen Rückschlägen brachte die Würzburger Zeit auch Erfolge mit sich: 1878 und 1879 führte er Studien zum Desinfektionsmittel Sublimat durch und setzte es zum Desinfizieren von Verbandstoffen und Instrumenten ein. Dieses Mittel breitete sich aus Würzburg über die ganze Welt aus. 1880 wurden die Erfolge des Sublimates veröffentlicht, die Ernst von Bergmann den Ruf eines der erfolgreichsten Förderer der Antisepsis einbrachten.

Ruf nach Berlin

Am 1. Mai 1882 bat der Berliner Ordinarius Langenbeck um seine Entlassung zum 1. Oktober. Die begehrte Stellung wurde zunächst an Billroth und Volkmann herangetragen, die jedoch ablehnten. Schließlich fiel die Wahl auf den Würzburger Ordinarius Ernst von Bergmann, der sofort zugriff. Per Bestallung am 4. August durch den Kaiser wurde Ernst von Bergmann ordentlicher Professor der Chirurgie und Direktor des klinischen Universitätsinstitutes Berlin in der Ziegelstraße (Abb. 2).

Abb. 2

Ernst von Bergmann im Operationssaal in der Ziegelstraße (nach einem Gemälde von Skarbina; mit freundlicher Genehmigung des Walter de Gruyter Verlags nach [1])

Der Einzug Bergmanns in Berlin fand am 2. Oktober statt, seine Antrittsvorlesung hielt er am 1. November 1882.

Über das Wirken des Chirurgen Bergmann berichtete die Neue Züricher Zeitung:

„Schon seit Jahren pilgern wie die Gläubigen nach Mekka die Krüppel und Kranken aus aller Welt Enden nach der Bergmannschen Klinik in der Ziegelstrasse zu Berlin. Wenn man dort die Krankenräume durchschreitet, so kann man alle europäischen Sprachen von Patienten hören, die sich in letzter Hoffnung an Bergmann wandten. Sein Operationssaal erscheint ihnen als eine heil bringende Kaaba, die bereits alle Schmerzen lindert, wenn man sie nur von weitem sieht, und die Lahmen wieder springen, die Tauben hören, die Stummen reden macht, wenn man sie nur berührt. Allerdings, das Äußere des Mannes, der da drin als oberster Herrscher im Reiche der Heilkunst waltet, hat etwas ungemein Vertrauen erweckendes und Imponierendes: ein Bild männlicher Kraft und freier Würde. Natürlich spinnt sich auch um ihn wie um alle viel beschäftigten großen Ärzte bereits zu Lebzeiten ein ganzer Legendenkranz.“

Karl Ludwig Schleich, Mitarbeiter Bergmanns, berichtete:

„Ich selbst war Zeuge des jähen Wandels der Dinge als letzter Famulus von Langenbeck und als übernommener Famulus des neuen Herrn. Vor unserem Auge vollzog sich eine verblüffende Neuordnung der Dinge, die zu den interessantesten Kapiteln meiner medizinischen Erinnerungen gehört. Vor dem entschlossen zupackenden Griff des eben gelandeten Eroberers blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Ein bis in die letzten Einzelheiten ausgearbeitetes System des antiseptischen Drills wurde mit der Strenge und Pedanterie einer militärischen Instruktion den alten, lieb gewonnen Gepflogenheiten gegenübergestellt. ...Trotz allem Kopfschütteln im Anfang und dem hämischen Vermissen des eigentlich Genialen, das man doch an Langenbeck gewohnt sei, ist es heute zweifellos, dass von der durch Bergmann angebahnten Erziehung zu einer Technik des chirurgischen Gewissens gegen den Leidenden der größte Segen ausgegangen ist....“

Während Bergmanns Wirken wurde der Anstalt ein enormer Aufstieg zuteil. Zu Bergmanns Philosophie gehörte, dass er die Stützung von Hypothesen und Beobachtungen durch Experimente verlangte. Damit gewann die Chirurgie wissenschaftlichen Boden. Zu den Eigenschaften, die ihn auszeichneten, gehörten Temperament, Begeisterungsfähigkeit, unerschöpfliche Kraft, eine Fülle und Gegenwärtigkeit des Fachwissens, die Beherrschung aller Hilfswissenschaften und der fürsorgevolle und mitfühlende Patientenumgang im Sinne einer ärztlichen Priesterschaft. Arbeit war ihm Freude und Bedürfnis, er imponierte als schneller (Folge seines Temperamentes) und sicherer (Übung und anatomische Kenntnisse) Operateur (Abb. 3), war unnachsichtig streng bis sarkastisch in seiner Kritik, wenn er auf Nichtwissen stieß, war allerdings freundlich zugewandt, wenn er Interesse und Fleiß bei seinen Schülern spürte. Überliefert ist, dass er große Operationen liebte, mit raschen Schnitten in der Tiefe etwas Greifbares vor sich zu bringen wie bei Nephrektomien oder Hüftgelenkresektionen. Weniger Gefallen fand er an längeren subtilen Arbeiten wie bei der Gaumenspalte oder bei Darmresektionen mit anschließenden peniblen Darmnähten, die er dann gerne seinen erfahrenen Assistenten überließ.

Abb. 3

Ernst von Bergmann in der Karikatur (mit freundlicher Genehmigung des Walter de Gruyter Verlags nach [1])

Zu seinem wissenschaftlichen Erbe gehören die Verdienste um die Asepsis. Ein Schüler hatte den Auftrag, die verschiedensten Verbandmaterialien, frisch hergestellt und in der Form, in der sie im Handel erschienen, zu prüfen und zu vergleichen, um nachzuweisen, welches Antiseptikum in ihnen am wirksamsten für die Zwecke der Wundbehandlung sei. Das Ergebnis war überraschend. Es stellte sich heraus, dass kein Antiseptikum dem gedachten Zweck entsprach, am wenigsten das hoch gepriesene Sublimat selbst, da es sogleich nach der Berührung mit den Eiweißstoffen des Blutes seine antiseptische Wirkung völlig verliert. Die Sublimatwirkung konnte also nicht auf der Antiseptik beruhen. Schließlich gelang der wissenschaftliche Nachweis, dass nicht in der Antiseptik der Verbandstoffe, sondern in ihrer Aseptik und weiter in ihrer Austrocknungsmöglichkeit ihr Wert und ihre wahre Bedeutung liegen. Bergmann selbst erkannte die Richtigkeit dieser Folgerungen, obwohl sie sich gegen sein Stiefkind, das Sublimat, richteten. In seiner Berliner Klinik fanden seither nur sterilisierte aseptische Verbandstoffe Verwendung. Damit wurde um 1890 der Übergang von der antiseptischen Wundbehandlung zur aseptischen eingeleitet, deren weitere Ausbildung und Verbreitung in der Chirurgie immer ein Ruhmesblatt der Bergmann-Schule bleiben wird.

Forschungsinhalte des Schaffens in seiner Klinik waren neben der Kriegschirurgie die Forschung über den Hirndruck und die Behandlung von Hirnkrankheiten und Hirnverletzungen. 1880 erschien die „Lehre von den Kopfverletzungen“, später „Chirurgische Behandlung von Hirnkrankheiten“. In Berlin entwickelt er 1886 die Lehre vom Hirndruck entgegen Adamkievicz, der das Gehirn für kompressibel ansah.

Mit seiner kraftvollen Persönlichkeit um die Jahrhundertwende war er bestimmend für die Berliner Chirurgie und verhalf ihr zu Ansehen und Anerkennung in der Welt. 1882 publizierte er als einer der weltweit ersten Chirurgen einen Bericht über ein operiertes Ösophagusdivertikel. Vorträge von ihm und seinen Assistenten waren auf allen wichtigen Kongressen zu hören, wie auf dem Chirurgenkongress, bei den Sitzungen der Berliner Medizinischen Gesellschaft, anlässlich Naturforscherversammlungen oder auch bei Sitzungen der Militärärztlichen und der Hufeland-Gesellschaft. Bergmann war tatkräftiger Mitbegründer der Freien Vereinigung der Berliner Chirurgen und stellte hier viele Patienten und Vorträge vor. In den letzten Jahren, als er von Kollapszuständen und Koliken geplagt wurde, war er trotz des Zuspruchs und der Warnung seiner Assistenten nicht dazu zu bewegen, sein Kolleg auszusetzen.

Eine tragische Zeit für Ernst von Bergmann war die Erkrankung Kaiser Friedrichs an Kehlkopfkrebs. Zu Unrecht durch die Intrigen des englischen Laryngologen und Konsiliarius Morell Mackenzie in Verruf gebracht, wurde er an der notwendigen Operation des Kaisers gehindert. Später wurde ihm sogar die Schuld für dessen ungünstigen Krankheitsverlauf durch den Engländer und die Presse zugewiesen. Erst nach dem Tod des Kaisers und einer Obduktion, die Bismarck bei der kaiserlichen Familie durchsetzte, wurde der Berliner Ordinarius international rehabilitiert.

In die lange Periode seines Berliner Wirkens fiel auch die Berufung zum ordentlichen Professor der Chirurgie an der Kaiser-Wilhelm-Akademie. Als einer der bekanntesten Kriegschirurgen seiner Zeit wurde er auch in diesem Amt der Nachfolger Langenbecks. Durch seine immensen Erfahrungen aus drei miterlebten Kriegen bot er den jungen Sanitätsoffizieren einen höchst anschaulichen Unterricht. Seiner patriotisch nationalen politischen Einstellung entsprach diese Aufgabe, die ihm sehr am Herzen lag:

„Die Pflege des Kriegswesens und eben deswegen die Verbindung der klinischen Chirurgie mit der Kriegsheilkunde ist eine durch seine Geschichte Preußen zuerst, nun aber dem gesamten Deutschland übertragene Pflicht“.

Unter den wissenschaftlichen Vereinigungen, denen Ernst von Bergmann angehörte, ist keine, die ihm mehr verdankt als die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. Unmittelbar nach ihrer Gründung 1871 trat er ihr bei und besuchte ihre Kongresse schon aus seiner Zeit in Dorpat. Nach Einnahme des Berliner Lehrstuhles nahm er immer eine führende Stellung in ihr ein, nicht nur als 5-maliger Präsident in den Jahren 1888, 1889, 1890, 1896 und 1900. Hervorgehoben sei hier nur die grandiose Veranstaltung zur 25-Jahr-Feier der Gesellschaft 1896. Nach intensiven Bemühungen und Schriftwechseln gewann er auch französische Chirurgen zur Teilnahme, auch Teilnehmer aus England, Italien und Russland bescherten Bergmann und dem Jubiläumsfest einen enormen Erfolg.

Aktiv wirkte er auch in der Ärztekammer der Provinz Berlin und Brandenburg, in der Organisation des ärztlichen Fortbildungswesens und in der Berliner Rettungsgesellschaft.

Der rechte Erwerbssinn fehlte ihm in seiner Privatpraxis. Liquidationen für seine ärztliche Tätigkeit hat er grundsätzlich nicht ausstellen wollen, vielmehr dem Einzelnen überlassen, die Höhe des Honorars festzulegen. Trotzdem kam er in seinen Berliner Jahren zu Wohlstand.

Im Juli 1890 erwarb er ein Grundstück, es folgte die Grundsteinlegung für seine Villa in Potsdam. In dieser Villa plante er, seinen Lebensabend zu verbringen, mit Liebe seinen Garten zu pflegen. Gerne unterhielt sich Bergmann mit Freunden, die Heckenschere in er Hand, und genoss die untergehende Sonne vor dem Kanal und der grünen Landschaft. In seiner Villa setzte er die gastfreundschaftliche Tradition seines Elternhauses fort. Am Herzen lag ihm die Pflege der Familienchronik, für die er alle Dokumente, die er von seinen Vorfahren in die Hände bekam, sammelte und sortierte.

Der Tod Ernst von Bergmanns

Im Alter von 70 Jahren verstarb Ernst von Bergmann während eines Kuraufenthaltes in Wiesbaden. In bereits schlechtem Allgemeinzustand legte ihm sein Schüler Schlange aus Hannover, den Bergmann zu sich nach Wiesbaden rief, zwei Kolonfisteln bei akutem Abdomen in Lokalanästhesie an. Der kurzen Erleichterung folgte am 25. März 1907 um 11.30 Uhr das Ende des berühmten Chirurgen. Selbst ging von Bergmann davon aus, unter einem Malignom des Kolons zu leiden:

„Ich habe die Diagnose schon vor 5 Jahren gestellt und nun ist es auch so.“

Die Sektion seines Leichnams ergab jedoch eine Verengung des Dickdarmes, eine Pankreasnekrose und eine diffuse Peritonitis ohne Nachweis eines malignen Prozesses.

Am 27. März erreichte die Leiche des großen Chirurgen Berlin. Am Karfreitag, den 29. März 1907 wurde er nach einer ergreifenden Trauerfeier auf dem alten Kirchhof in Potsdam beigesetzt.

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