Der Chirurg

, Volume 76, Issue 7, pp 703–711

Karriere im Gegenwind

Frauen in der universitären Chirurgie

Authors

    • Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der Universität Heidelberg
    • Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der Universität Heidelberg
  • M. Reidel
    • Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der Universität Heidelberg
  • S. Graf
    • Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der Universität Heidelberg
  • U. Hinz
    • Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der Universität Heidelberg
  • M. Keller
    • Psychosoziale Nachsorgeeinrichtung der Chirurgischen Klinik der Universität Heidelberg
  • M. W. Büchler
    • Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der Universität Heidelberg
Aktuelles Thema

DOI: 10.1007/s00104-005-1017-y

Cite this article as:
Weber, T., Reidel, M., Graf, S. et al. Chirurg (2005) 76: 703. doi:10.1007/s00104-005-1017-y

Zusammenfassung

Ziel

Das Ziel der Studie war eine Erfassung der Lebens-, Arbeits- und Karrierebedingungen von Ärztinnen an den chirurgischen Universitätskliniken.

Methodik

An 261 operativ tätige Ärztinnen der Fachrichtungen Viszeral-, Unfall- und Gefäßchirurgie an 36 deutschen Universitätskliniken wurde ein Fragebogen verschickt. Die Antworten von 134 Chirurginnen (51,3%) wurden ausgewertet.

Ergebnisse

Das Durchschnittsalter der befragten Chirurginnen lag bei 35,1 Jahren (27–54 Jahre). 78% der Chirurginnen waren in der Fachrichtung Viszeralchirurgie, 17% in der Unfallchirurgie und 5% in der Gefäßchirurgie tätig. 72% waren promoviert und 9% habilitiert, 45% waren als Fachärztinnen und 19% als Oberärztinnen beschäftigt. 80% gaben an, meistens oder immer mit ihrer beruflichen Situation zufrieden zu sein. 79% berichteten über berufliche Hindernisse. Als häufigste Gründe für eine Behinderung der Karriere wurden Dominanz der männlichen Strukturen (80%), fehlendes Mentoring (70%), zu geringe operative Tätigkeit (67%) und eine geringere Chancengleichheit im Vergleich zu männlichen Kollegen (60%) genannt.

Schlussfolgerungen

Zum Abbau der beschriebenen Karrierehemmnisse und zur Vermeidung einer Abwanderung an nichtuniversitäre Einrichtungen ist eine Verbesserung der Kooperation zwischen den Chirurginnen, den Klinikleitungen und auch den staatlichen Institutionen erforderlich.

Schlüsselwörter

ChirurginnenAkademische ChirurgieChirurgische UniversitätsklinikenAusbildungKarrierechancen

Careers of women in academic surgery

Abstract

Aim

The aim of our national survey was to determine personal, working, and career conditions of women in academic surgery in Germany.

Methods

A questionnaire with 47 items was sent to 261 female surgeons working in 36 departments of general, abdominal, trauma, and vascular surgery. A total of 134 (51.3%) from all 36 surgical departments responded with completed surveys.

Results

The mean age of the women was 35.1 years (range 27 to 54). Seventy-eight percent of the surgeons worked in departments for general or abdominal surgery, 17% in trauma, and 5% in vascular surgery. 45% of the women had finished residency and 19% were in faculty positions. Eighty percent of those asked were mostly or always content with their working conditions. However, 79% perceived career obstacles in academic surgery. The most frequently addressed obstructions were: predominant male structures (80%), the absence of mentoring programs (70%), too few operative cases per month (67%), and no equality of career opportunities compared to male surgeons (60%).

Conclusions

To reduce career obstructions, which were reported by 79% of the female surgeons, and to encourage those 33% who wanted to leave academic surgery, it seems necessary to improve cooperation between female surgeons, department chairs, and governmental institutions.

Keywords

Female surgeonsAcademic surgeryDepartments of surgerySurgical trainingCareer opportunities

Die Situation von Medizinstudentinnen hat sich im vergangenen Jahrhundert deutlich verbessert. Seit der Zulassung von Frauen zum Medizinstudium im Jahr 1850 in den USA, 1863 in Frankreich, 1870 in Schweden und schließlich im Jahr 1908 in Deutschland nahm der Anteil an Frauen unter den deutschen Medizinstudenten kontinuierlich zu. Im Wintersemester 2000/2001 waren 62% der Erstsemester und 53% aller Medizinstudenten weiblichen Geschlechts (Quelle: statistisches Bundesamt). Der Anteil an Frauen am Medizinstudium in Deutschland liegt damit inzwischen sogar höher als in den USA mit derzeit 46% [16].

Obwohl der Frauenanteil inzwischen mehr als die Hälfte der Medizinstudenten beträgt, so lag der Prozentsatz der berufstätigen Ärztinnen im Jahr 2003 nur bei 38% (Quelle: Bundesärztekammer). Und auch der Anteil an Habilitationen im Fach Humanmedizin durch Frauen zeigt zwar eine positive Tendenz mit einem Anstieg von 9,9% im Jahr 1993 auf 16,8% im Jahr 2003, entspricht jedoch keineswegs dem prozentualen Anteil an Ärztinnen (Quelle: statistisches Bundesamt).

Das Berufsbild des akademischen Chirurgen ist auch im 21. Jahrhundert mit besonders hohen Anforderungen verbunden, zu denen ein hoher Grad an Motivation und Engagement, ausgeprägtes klinisches und wissenschaftliches Interesse, aber auch Disziplin und Hingebung zählen. Obwohl die klinischen und wissenschaftlichen Anforderungen an die Chirurgen während der vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich zugenommen haben, haben sich im Gegenzug, vor allem in den letzten Jahren, die Umfeldbedingungen deutlich verschlechtert. Als Folge dieser Entwicklungen zeigt sich in den USA bereits jetzt ein deutlicher Rückgang der Bewerber um einen chirurgischen Ausbildungsplatz („residency“) zugunsten der Fächer Anästhesie, Pathologie und Radiologie [12].

Trotz oder auch aufgrund dieser negativen Tendenz insgesamt zeigt sich in den USA derzeit eine deutliche Zunahme des Anteils an Ärztinnen unter den chirurgischen „residents“. Während im Jahr 1989 nur 13% der chirurgischen Assistenzärzte weiblich waren, so betrug der Frauenanteil im Jahr 2002 bereits 24% [16].

Der Anteil an Ärztinnen an den deutschen chirurgischen Kliniken erreichte im Jahr 2003 den bisher höchsten Prozentsatz von 12,9%. Über das Spezialgebiet Viszeralchirurgie verfügten im Jahr 2003 5,4% der Chirurginnen, in den Spezialgebieten Unfallchirurgie betrug der Frauenanteil 4,5% und in der Gefäßchirurgie 12,6% (Quelle: Bundesärztekammer).

Die Gründe, warum so wenige Frauen in Deutschland eine chirurgische Ausbildung anstreben, wurden bisher nicht detailliert hinterfragt. Ebenso existiert bisher keine Analyse der aktuellen beruflichen Situation und vor allem der Karrierechancen und -bedingungen für Ärztinnen in der universitären Chirurgie. Das Ziel der nun vorliegenden Studie war, eine Erfassung der gegenwärtigen persönlichen und beruflichen Situation von Ärztinnen in der akademischen Chirurgie in Deutschland unter der Perspektive Verbesserungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Studiendesign und Untersuchungsmethoden

Im April 2003 wurde ein Fragebogen mit 47 Fragekomplexen an alle 346 in den Fachrichtungen Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Unfallchirurgie operativ tätige Ärztinnen an 36 deutschen Universitätskliniken versandt. Im Falle einer Nichtbeantwortung des Fragebogens erfolgte im Juni 2003 eine nochmalige Kontaktaufnahme mit den zunächst angeschriebenen Ärztinnen per E-Mail oder Postversand. Von 346 Ärztinnen waren 85 Kolleginnen entweder nicht mehr an einer Universitätsklinik oder nicht operativ tätig, so dass ein Gesamtbeobachtungskollektiv von 261 Ärztinnen resultierte. Die Rücklaufquote der Fragebögen lag bei Studienende im Dezember 2003 bei 134 beantworteten Fragebögen (51,3%) aus allen 36 Universitätskliniken. 58% der Fragebögen wurden anonym ausgefüllt, 42% mit Nennung des Namens. Je 18% der beantworteten Fragebögen stammten aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, 14% aus Bayern, 12% aus Schleswig-Holstein und 9% aus Berlin.

Statistik

Die statistische Datenanalyse wurde computergestützt mit der Software SAS (Release 8.02, SAS Institute, Inc Cary, NC) berechnet. Die Ergebnisse der Fragenkomplexe mit vorgegebenen Antworten zur Auswahl wurden relativ als prozentualer Anteil an der Gesamtzahl ausgewerteter Fragebögen dargestellt. Die Altersverteilungen zum Zeitpunkt der Befragung, der Facharztanerkennung und bei Geburt des 1. Kindes wurden mit dem arithmetischen Mittel und dem Bereich Minimum/Maximum beschrieben. Die Anzahl der Kinder pro befragter Ärztin, die Anzahl der Nachtdienste, die monatlichen Rufbereitschaften und die Dauer der wissenschaftlichen Freistellung wurde ebenfalls mit dem arithmetischen Mittel und dem Bereich beschrieben. Analysiert wurde der Zusammenhang zwischen den Angaben zur Kinderzahl und dem privaten Stress mit dem exakten Test nach Fisher zur Überprüfung auf signifikante Unterschiede in der Häufigkeitsverteilung über die Subgruppen. Ein linearer Trend zwischen der steigenden Kinderzahl und dem zunehmenden privaten Stress wurde mit dem exakten Mantel-Haenszel-χ2-Test auf Signifikanz geprüft. Die Faktoren Fachrichtung und Bundesland als mögliche Einflussfaktoren auf die Angaben zur beruflichen Behinderung wurden mit dem exakten Test nach Fisher analysiert.

Alle Tests wurden zweiseitig gerechnet. Ein p-Wert ≤0,05 wurde als statistisch signifikant gewertet.

Ergebnisse

Persönliche Daten

Das Durchschnittalter der befragten Ärztinnen lag bei 35,1 Jahren (27–54 Jahre; Tabelle 1). In einem hohen Prozentsatz (70%) der Ärztinnen waren beide Elternteile berufstätig. Die am häufigsten genannten Berufe des Vaters waren: Arzt (17%), Ingenieur (11%) und Lehrer oder Angestellter (je 9%). Bei berufstätigen Müttern wurden vor allem Lehrerin (25%), Ärztin (9%) und Sekretärin (7%) als Berufsbilder angegeben. 19% der Ärztinnen wuchsen als Einzelkind, 81% mit meist 1–2 (63%) Geschwistern auf.
Tabelle 1

Darstellung der persönlichen Daten von 134 operativ tätigen Ärztinnen

Ausgewertete Fragebögen

134/261 (51,3%)

Durchschnittsalter

35,1 (27 – 54) Jahre

Verheiratet oder in fester Partnerschaft lebend

99/134 (74%)

Beruf des Partners

51/99 (52%) Arzt

23/51 (45%) Chirurg

Kinder

40/134 (30%)

Durchschnittliche Anzahl der Kinder

1,5

Private Beanspruchung

20% gering

54% mäßig

26% ausgeprägt

Ausgeprägte private Beanspruchung in Korrelation zur Anzahl der Kinder

keine Kinder: 19%

1 Kind: 36%

2–3 Kinder: 70%

Vierundsiebzig Prozent der Ärztinnen waren verheiratet (41%) oder lebten in einer festen Partnerschaft (33%). Der am häufigsten genannte Beruf des Partners war in 52% Arzt, 45% der Lebens-Partner waren als Chirurg tätig. Nur mit jeweils 4% wurden an 2. Stelle die Berufe Informatiker, Ingenieur und Jurist genannt.

Siebzig Prozent der Ärztinnen waren kinderlos, 30% hatten durchschnittlich 1,5 Kinder (1–3 Kinder/Frau) geboren. Das durchschnittliche Alter bei der Geburt des 1. Kindes lag mit 31,8 Jahren höher als der Bundesdurchschnitt.

Hinsichtlich ihrer außerberuflichen Beanspruchung bezeichneten 20% der Ärztinnen ihren „privaten Stress“ als gering, 54% als mäßig und 26% als ausgeprägt. Die private Beanspruchung war unabhängig vom Zusammenleben mit einem Partner, stieg jedoch erwartungsgemäß mit der Anzahl der Kinder im Haushalt an. Kinderlose Ärztinnen berichteten in 19% über ausgeprägte private Stressfaktoren. Ärztinnen mit einem Kind waren in 36% und Ärztinnen mit 2–3 Kindern sahen sich in 70% der Fälle ausgeprägt privat beansprucht (p=0,0092).

Medizinische Aus- und Weiterbildung

Achtundsiebzig Prozent der befragten Ärztinnen waren in der Viszeral-, 17% in der Unfall- und 5% in der Gefäßchirurgie tätig. Der durchschnittliche Anteil an operativ tätigen Ärztinnen pro Fachrichtung und Klinik wurde mit 14% in der Viszeral-, 14% in der Gefäß- und 10% in der Unfallchirurgie angegeben (Tabelle 2).
Tabelle 2

Darstellung der beruflichen Daten von 134 operativ tätigen Ärztinnen

Anteil an operativ tätigen Ärztinnen pro Fachrichtung und Klinik

14% Viszeralchirurgie

14% Gefäßchirurgie

10% Unfallchirurgie

Promotion

72%

Fachärztin für Chirurgie

45%

Oberärztin

19%

Teilgebietsbezeichnung (Viszeral-, Gefäß- oder Unfallchirurgie)

16%

Habilitation

9%

Wochenarbeitszeit

<40 h: 7%

41–60 h: 27%

61–80 h: 47%

>81 h: 19%

Fünfundvierzig Prozent waren Fachärztinnen für Chirurgie. Die Facharztanerkennung erfolgte durchschnittlich mit 34,7 (29–41) Jahren. Insgesamt 16% der Ärztinnen verfügten über eine Teilgebietsbezeichnung (8% Viszeralchirurgie, 4% Gefäß- und 4% Unfallchirurgie).

Dreizehn Ärztinnen habilitierten sich für das Fach Chirurgie im Alter von durchschnittlich 38,8 (36–45) Jahren.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug für zwei Drittel der Ärztinnen mehr als 60 h pro Woche. Nur 7% der Ärztinnen waren in Teilzeit, d. h. weniger als 40 h pro Woche beschäftigt. Die durchschnittliche Anzahl der Nachtdienste lag bei 3,9 (0–11) Diensten pro Monat, die Anzahl der monatlichen Rufbereitschaften bei 2,4 (0–15).

Zweiundfünfzig Prozent der Ärztinnen waren in einer oder mehreren chirurgischen Vereinigungen organisiert. Die am häufigsten genannten Organisationen waren die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (37%) und der Bund deutscher Chirurgen (28%).

Wissenschaftliche Aktivitäten

Achtundsechzig Prozent der Ärztinnen arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragung an 1–5 klinischen Forschungsprojekten. 41% der Ärztinnen beschäftigten sich mit 1–5 experimentellen Studien. Insgesamt waren 77% der Chirurginnen an den Universitätskliniken in klinische und/oder experimentelle Projekte eingebunden. Durchschnittlich beschäftigten sich die Ärztinnen mit 1,9 Studien.

Die subjektive Einschätzung, ob Frauen im Vergleich zu männlichen Kollegen weniger publizieren, wurde in Form einer Freitextabfrage durchgeführt. 86 von 134 (64%) Ärztinnen äußerten sich zu dieser Frage. 92% der Ärztinnen glaubten, dass Frauen über weniger Publikationen verfügen als männliche Ärzte. Die am häufigsten genannten Gründe waren: die Doppelbelastung der Ärztinnen durch Beruf und Familie (33%), geringere Förderung durch Vorgesetzte als männliche Ärzte (30%), stärkere Einbindung der Ärztinnen in die Stationsarbeit (28%), ein weniger ausgeprägter Wunsch nach wissenschaftlicher Karriere (25%) und die Dominanz der wissenschaftlichen Arbeitsgruppen durch männliche Chirurgen (13%).

Eine wissenschaftliche Freistellung durch die entsprechenden Kliniken hatten 29% der Ärztinnen mit einer durchschnittlichen Dauer von 12,7 (0,5–39 Monate) Monaten erhalten. Durch universitätsinterne Fördermittel wurden insgesamt 39% der Studien von Ärztinnen gefördert. 75% der Ärztinnen wünschten sich eine großzügigere Unterstützung ihrer Forschungsaktivitäten durch die jeweilige Universität.

Durch externe Organisationen erhielten 44% der Ärztinnen eine Forschungsförderung. Am häufigsten erfolgte eine Förderung durch die Industrie (28%). 23% der Ärztinnen erhielten ein Reisestipendium oder die Finanzierung eines Auslandsaufenthaltes, 22% wurden mit Forschungspreisen ausgezeichnet. Fördermaßnahmen in Form einer Sachbeihilfe durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft wurden 19% der Ärztinnen, durch das BMBF nur 2% der Ärztinnen bewilligt. 76% der befragten Ärztinnen wünschten sich eine verstärkte externe Förderung ihrer Projekte.

Warum Chirurgie?

Die Frage nach den Gründen für die Wahl einer chirurgischen Ausbildung wurde von nahezu allen Ärztinnen (99%) mit dem Wunsch nach einer operativen Tätigkeit beantwortet (Tabelle 3). 87% der Chirurginnen wollten eine spannende Tätigkeit und 81% waren von der raschen und effektiven Heilung der Patienten nach chirurgischen Eingriffen überzeugt. Die am wenigsten häufig genannten Gründe waren Prestige (11%), die Arbeitsbedingungen (3%) und finanzielle Gründe (1%).
Tabelle 3

Gründe für die Wahl des Fachs Chirurgie und berufliche Zufriedenheit

Gründe für die Wahl des Faches Chirurgie

99% operative Tätigkeit

87% spannende Tätigkeit

81% rasche und effektive Heilung der Patienten

59% Fach mit der größten Herausforderung

58% Interesse an chirurgischer Forschung

54% Interesse an der Lehre

16% positive chirurgische Rollenmodelle

11% Prestige

3% Arbeitsbedingungen

1% finanzielle Situation

Erneute Wahl des Faches Chirurgie

78%

Empfehlung des Faches Chirurgie an Medizinstudentinnen

58%

Berufliche Zufriedenheit

6% immer

74% meistens

20% selten

0% nie

Achtundsiebzig Prozent der Ärztinnen würden sich wieder für das Fach Chirurgie entscheiden. 58% würden Medizinstudentinnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine chirurgische Ausbildung empfehlen.

Berufliche Zufriedenheit und berufliche Behinderungen

Hinsichtlich ihrer beruflichen Zufriedenheit gaben 80% der Ärztinnen an, immer oder meistens zufrieden zu sein. Die Arbeitsbelastung durch die chirurgische Tätigkeit wurde von 14% der Ärztinnen als viel zu hoch, von 47% der Ärztinnen als zu hoch und von 39% als akzeptabel eingestuft.

Neunundsiebzig Prozent der Ärztinnen berichteten über berufliche Behinderungen, 21% verneinten diese. Geringfügig mehr berufliche Behinderungen wurden im Vergleich der einzelnen Fachrichtungen in der Viszeralchirurgie mit 82% berichtet (71% Gefäßchirurgie, 70% Unfallchirurgie; p=0,2486).

Bezogen auf ihre berufliche Qualifikation berichteten 63% (Ärztinnen mit einer Teilgebietsbezeichnung) bis 78% (Fachärztinnen) über berufliche Behinderungen.

Bei einer Auswertung nach einzelnen Bundesländern wurden berufliche Hindernisse für Chirurginnen signifikant häufiger in den „südlichen“ (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen) als in den „nördlichen“ Bundesländern beschrieben (p=0,0142; Abb. 1). Berücksichtigt wurden hierbei nur Bundesländer in denen mehr als 5 Ärztinnen an der Befragung teilnahmen.
Abb. 1

Berufliche Behinderung von Ärztinnen in der universitäten Chirurgie in Korrelation zum Bundesland

Als Gründe für eine berufliche Behinderung wurden am häufigsten Dominanz der männlichen Strukturen (80%), fehlendes Mentoring (70%), zu geringe operative Berücksichtigung (67%) und geringere Chancen gegenüber männlichen Kollegen (60%) genannt (Tabelle 4).
Tabelle 4

Gründe für eine berufliche Behinderung von Ärztinnen in der universitären Chirurgie

Dominanz der männlichen Strukturen

80%

Fehlendes Mentoring

70%

Zu geringe operative Berücksichtigung

67%

Fehlende Chancengleichheit im Vergleich zu männlichen Ärzten

60%

Geschlechtsspezifische Vorurteile

49%

Zu geringe Anzahl an Publikationen

48%

Kindererziehung

33%

Geschlechtsspezifische Diskriminierung

24%

Zu wenig Durchsetzungsvermögen

22%

Geschlechtsspezifische Isolierung

19%

Zu geringe physische Belastbarkeit

2%

Eine Fortsetzung ihrer Tätigkeit an einer Universitätsklinik strebten 53% der Ärztinnen definitiv oder wahrscheinlich an. 33% der Ärztinnen wollten definitiv oder wahrscheinlich an eine nichtuniversitäre Einrichtung wechseln. 21% der Ärztinnen planten das Fach Chirurgie ganz zu verlassen.

Zur Verbesserung der beruflichen Situation von Ärztinnen in der akademischen Chirurgie wurde von den befragten Ärztinnen zum einen eine Verbesserung der familiären Situation (84% Verbesserung der Kinderbetreuung, 80% flexiblere Arbeitszeiten) und zum anderen eine stärkere operative Berücksichtigung (81%), Mentoring (80%) und mehr Chancengleichheit (73%) für erforderlich gehalten (Tabelle 5).
Tabelle 5

Vorschläge für eine verbesserte Arbeitssituation in der universitären Chirurgie

Verbesserte Kinderbetreuung

84%

Größere operative Verantwortung

81%

Flexiblere Arbeitszeiten

80%

Verbessertes Mentoring

80%

Mehr Chancengleichheit

73%

Teilzeitmodelle

68%

Größere wissenschaftliche Einbindung

66%

Vermehrte Berücksichtigung bei Kooperationsprojekten

66%

Erhöhung des Anteils von Ärztinnen in der Chirurgie

66%

Verbesserte Karriereberatung durch den Chef

55%

Mehr Verwaltungsaufgaben

15%

Von 18 Ärztinnen liegen Freitexteingaben zur Verbesserung der beruflichen Situation vor: gewünscht wird vor allem eine bessere Strukturierung der chirurgischen Ausbildung (56%), der Abbau von Hierarchien (11%) und eine großzügigere Freistellung für Forschungsprojekte (11%).

Diskussion

Anhand der vorliegenden Umfrage, an der 51% der operativ tätigen Chirurginnen an den deutschen Universitätskliniken teilnahmen, wird versucht, die Situation der akademischen Chirurginnen im Vergleich zu internationalen Studienergebnissen darzustellen. Trotz des großen persönlichen und beruflichen Engagements der teilnehmenden Chirurginnen finden sich in unserer Umfrage Hinweise auf offene oder versteckte Behinderungen und Einschränkungen ihrer Karrierechancen. Obwohl sich ein hoher Prozentsatz (78%) wieder für das Fach Chirurgie entscheiden würde, würden nur 58% der Ärztinnen interessierten Medizinstudentinnen empfehlen, eine chirurgische Weiterbildung anzustreben.

Persönliche Situation

Während insgesamt 76% der nach 1957 geborenen Frauen in Deutschland eigene Kinder geboren haben, liegt dieser Prozentsatz bei den in unserer Untersuchung befragten Chirurginnen nur bei 30%. Im Gegensatz hierzu haben in den USA 43% [5] bis 62% [14] der Allgemeinchirurginnen Kinder. Eine niedrigere Geburtenrate findet sich in den USA nur bei den Herzchirurginnen mit 29% [3].

Die Ursachen für die auffallend niedrigen Geburtenraten der Ärztinnen an den deutschen chirurgischen Universitätskliniken sind jedoch nur teilweise durch die anspruchsvollen Arbeitszeiten zu erklären. Ein generelles und nicht durch die einzelne Chirurgin zu lösendes Problem stellen dagegen die in Deutschland nicht adäquat vorhandenen Betreuungsplätze für Kinder, vor allem im Alter unter 3 Jahren dar. Weder die Mehrzahl der jeweiligen Kliniken, noch die staatlichen Institutionen stellen derzeit eine annähernd realistische Anzahl an Kinderbetreuungsmöglichkeiten für berufstätige Ärztinnen zur Verfügung. Während in Deutschland derzeit nur für 10% der berufstätigen Mütter die Möglichkeit einer staatlichen oder privaten Betreuung für Kinder unter 3 Jahren besteht, liegt dieser Prozentsatz z. B. in Dänemark bei 64% und den USA bei 54% (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Eine individuelle Betreuung der Kinder durch Hauspersonal, wie dies bei 88% der Chirurginnen in den USA erfolgt [14], kommt angesichts der finanziellen Aufwendungen nur für eine Minderheit der deutschen Ärztinnen in Betracht.

Aus den genannten Gründen belegt der Wunsch nach einer verbesserten Kinderbetreuung mit 84% Platz 1 der Verbesserungsvorschläge unserer Umfrage. Unterstützt wird dieser Vorschlag erwartungsgemäß von 90% der Ärztinnen, die eigene Kinder haben. Die Tatsache, dass auch 82% der kinderlosen Ärztinnen diesen Wunsch aufgreifen, könnte ein indirekter Hinweis auf einen bestehenden Kinderwunsch dieser Frauen sein, der bisher aus beruflichen Gründen nicht realisiert werden konnte.

Klinische Tätigkeit

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit, einschließlich Bereitschaftsdienste, beträgt bei zwei Drittel der Ärztinnen über 60 Stunden. 61% der Chirurginnen empfanden ihre Arbeitsbelastung als zu hoch.

Trotz hoher Arbeitsbelastung waren 80% der Chirurginnen in unserer Studie meistens oder immer mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden. Ein Vergleich der Karrierezufriedenheit von Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen ergibt in den USA noch immer einen hohen Stellenwert des Faches Chirurgie, das bei einer Umfrage nach der Dermatologie den 2. Platz belegte [7]. Als Gründe für eine Wahl des Faches Chirurgie werden von den amerikanischen Ärztinnen Pionierstolz [7], eine gute Kontrolle der täglichen Arbeit [7] und ein höheres Einkommen [7, 9] genannt.

Nach einer Untersuchung der Kienbaum Management GmbH zeigt sich nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland eine ungleiche Vergütung weiblicher und männlicher Chefärzte. Während weibliche Chefärzte unterschiedlicher Fachrichtungen im Jahr 2001 durchschnittlich 191.000 Euro verdienten, erhielten männliche Chefärzte 245.000 Euro. Schroen et al. [14] zeigten in einer statistisch signifikanten Auswertung, bezogen auf die universitäre Allgemeinchirurgie in den USA, dass altersunabhängig und bei gleicher Ausbildung, 73% der männlichen und nur 12% der weiblichen Oberärzte („associate professors“) mehr als 200.000 US-Dollar pro Jahr verdienten. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Capek et al. [1] für das Fach plastische Chirurgie und Dresler et al. [3] für die Herzchirurgie.

Unabhängig vom Einkommen, berichteten in unserer Untersuchung 79% der Ärztinnen über berufliche Hindernisse in ihrer Karriere, dabei zeigten sich bei einer regionalen Auswertung signifikant häufiger Hindernisse in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen (p=0,0142). Größere Chancen der beruflichen Gleichberechtigung existieren somit vor allem in den nördlichen und östlichen Bundesländern. Als häufigste Behinderungsgründe wurden eine Dominanz der männlichen Strukturen, fehlendes Mentoring, eine zu geringe operative Berücksichtigung und eine fehlende Chancengleichheit im Vergleich zu männlichen Ärzten angegeben. In einer vergleichenden Untersuchung der Karrierechancen weiblicher und männlicher Chirurgen in den USA, zeigten Schroen et al. [14] und Sonnad et al. [15], dass trotz gleicher Ausbildungszeiten und -inhalte signifikant mehr männliche Chirurgen in ihrer Karriere gefördert wurden und insgesamt höhere akademische Positionen erreichten. Diese Unterschiede bleiben auch bestehen, wenn die Berechnungen alterskorreliert erfolgten. Während 83% der männlichen Allgemeinchirurgen glaubten, ihre Karrierechancen seien im Vergleich zu denen ihrer Kollegen gleichwertig, so empfanden dies nur 44% der weiblichen Chirurgen [14].

Nach Frank et al. [6] finden sich geschlechtsspezifische Behinderungen in besonders hohem Maß im Fach Allgemeinchirurgie (63%) im Vergleich zu anderen Fächern wie z. B. der Notfallmedizin (36%), Radiologie (35%) und am seltensten in der Pädiatrie (20%) und Allgemeinmedizin (14%).

An Verbesserungswünschen für ihre klinische Tätigkeit nannten 81% der Chirurginnen in unserer Studie den Wunsch nach größerer operativer Verantwortung, 80% wünschen sich Mentoringprogramme,73% mehr Chancengleichheit und 55% eine intensivere Beratung bei ihrer Karriereplanung durch den jeweiligen Chef.

Wissenschaftliche Leistungen

Zum Zeitpunkt der Auswertung der Studienergebnisse waren 65% der Chirurginnen als Autorinnen medline-zitierfähiger Publikationen mit durchschnittlich 15,3 (1–78) Veröffentlichungen pro Ärztin objektivierbar. Während der größte Teil der Ärztinnen wissenschaftlich tätig war, wurden nur weniger als ein Drittel dieser Ärztinnen für eine wissenschaftliche Tätigkeit freigestellt. Eine finanzielle Förderung ihrer Forschungsschwerpunkte erhielten 39% der Frauen durch die eigene Universität und 44% durch externe Organisationen.

Zweiundneunzig Prozent der Ärztinnen waren der Meinung, dass Frauen über weniger Publikationen verfügen als männliche Chirurgen. Als häufigste Gründe hierfür wurden zum einen persönliche Gründe, die Doppelbelastung durch Familie und Beruf und ein geringer ausgeprägter Wunsch nach wissenschaftlicher Karriere, zum anderen eine unzureichende Förderung durch Vorgesetzte, eine stärkere Einbindung in die Stationsarbeit und eine männliche Dominanz der Arbeitsgruppen genannt.

Warum Ärztinnen häufig über weniger Publikationen verfügen als männliche Ärzte, ist auch anhand der aktuellen Literatur schwierig zu beantworten. Cydulka et al. [2] konnten in einem Vergleich der einzelnen Aufgaben weiblicher und männlicher Ärzte in der akademischen Notfallmedizin zeigen, dass Ärztinnen signifikant mehr Arbeitszeit mit klinischen Tätigkeiten und Studentenunterricht verbrachten, während männliche Ärzte mehr Zeit für wissenschaftliches Arbeiten und mit Verwaltungsaufgaben zur Verfügung hatten. Frauen wurden darüber hinaus in anderen Studien seltener als Kooperationspartner für wissenschaftliche Projekte ausgewählt [8, 15]. Schroen et al. [14] zeigten, dass die familiäre Situation (fester Lebenspartner, Kinder) weder bei Frauen noch bei Männern einen signifikanten Einfluss auf die Anzahl ihrer Publikationen hatte.

Hinsichtlich der rein logistischen Forschungsbedingungen konnten Tesch et al. [17] und eine Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology [10] im Jahr 1999 auch zunächst unsichtbare Diskriminierungen von Wissenschaftlerinnen nachweisen. In beiden Studien konnte gezeigt werden, dass Frauen über signifikant kleinere Arbeitsplätze in den Labors verfügten, weniger finanzielle Mittel hatten und seltener für eine wissenschaftliche Tätigkeit freigestellt waren. Als Konsequenz [17] verfügten die Wissenschaftlerinnen über weniger Publikationen und konnten auch deshalb erst zu einem späteren Zeitpunkt und insgesamt niedrigere akademische Positionen erreichen.

Verbesserung der Förderung von Ärztinnen in der Chirurgie

Um Frauen in der akademischen Chirurgie zu fördern, bedarf es eines multidirektionalen Ansatzes, die sowohl die verstärkte Übernahme von Verantwortung und Initiative durch die Chirurginnen selbst beinhaltet, dabei aber auf eine systematische Förderung durch die Klinikleitung und staatliche Institutionen angewiesen ist.

Möglichkeiten der Chirurginnen

Gerade der Weg in die universitäre Chirurgie erfordert den Mut, sich einer arbeitsintensiven Herausforderung zu stellen, um so mehr als neben der operativen Tätigkeit ein Interesse an wissenschaftlichem Arbeiten vorausgesetzt wird. Ärztinnen, die diesen Weg gehen wollen, benötigen eine Menge an Selbstbewusstsein und die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen. „Begabte Frauen sollten nicht nach Jahren der Förderung aufgeben zugunsten eines bequemeren, aber abhängigen Jobs“ (Nüsslein-Volhard 2002) [13]. Frauen in der Chirurgie sollten versuchen, sich gegenseitig loyal zu unterstützen und auch klinikübergreifend Netzwerke aufbauen. Positive Rollenmodelle und Vorbilder helfen interessierten Medizinstudentinnen, sich für eine chirurgische Ausbildung zu entscheiden.

Verantwortung der Klinikleitungen und Kliniken

Chirurgische Assistenz- und auch Oberärzte sollten unabhängig von ihrem Geschlecht ausgebildet und gefördert werden. Zur besseren und gerechteren Gestaltung der Ausbildung ist eine Strukturierung, wie sie bereits in den USA seit Jahren erfolgt, auch in Deutschland auf die Dauer unerlässlich. Förderprogramme für Frauen, wie sie in der Wirtschaft bereits erfolgreich durchgeführt werden, fehlen in der Medizin bisher völlig. Wie in zahlreichen Publikationen dargelegt, benötigen Frauen zudem eine andere Art der Motivation als Männer. Frauen werden von einer interessanten und herausfordernden Tätigkeit angezogen, während bei männlichen Führungskräften an erster Stelle der Wunsch nach Macht und Einfluss besteht.

Etzkowitz et al. [4] fordern zudem eine Erhöhung des Anteils von Frauen in der Wissenschaft auf über 15%. Dieser Wert wird als die so genannte „kritische Masse“ bezeichnet, d. h. der minimal erforderliche Prozentsatz von Mitgliedern einer Minorität, die für eine qualitative Verbesserung vorgegebener Strukturen erforderlich ist und die Dynamik von Veränderungsprozessen beschleunigt. Wird dieser Prozentsatz nicht erreicht, besteht die Gefahr der Isolation der einzelnen Mitglieder, die zu weiteren negativen Konsequenzen wie Stigmatisierung, Verlust an Selbstvertrauen und Ausschluss des Zuganges zu informellen Quellen führt. Yedida et al. [18] berichten in einer Umfrage unter amerikanischen Klinikdirektoren zur Klärung der Frage, warum es nicht mehr Frauen in Führungspositionen in der akademischen Medizin gibt, dass 78% der Klinikleiter auf die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Karriere hinwiesen, gleichzeitig jedoch zu 100% auch unsichtbare Barrieren in der Karriere von Frauen bestätigten. Durch gezielte Fördermaßnahmen wie jährliche Beurteilungen der wissenschaftlichen Arbeit und gleiche Gehälter für Frauen und Männer konnte die berufliche Situation von Frauen an der John-Hopkins-Universität, Baltimore, USA deutlich verbessert werden. Im Zeitraum von 1990 bis 1995 stieg der Anteil an weiblichen Oberärzten („associate professors“) von 9% auf 41% [8].

Verantwortung der Klinikträger und der staatlichen Institutionen

Eine chirurgische Karriere lässt sich, trotz aller persönlichen Motivation und großem Engagement, heute noch in Deutschland kaum planen. Zeitlich begrenzte Arbeitsverträge, Unsicherheiten über die Inhalte und Dauer der angestrebten Weiterbildung und größtenteils fehlende Möglichkeiten der betrieblichen Kinderbetreuung behindern in ganz besonderem Maße die Karrierechancen von weiblichen, aber auch männlichen Chirurgen. Eine Änderung dieser Umfeldbedingungen kann nur durch die Universitätskliniken selbst, aber auch durch staatliche Institutionen herbeigeführt werden.

Fazit

Die Situation für Ärztinnen an den deutschen chirurgischen Universitätskliniken erscheint in klinischer und wissenschaftlicher Hinsicht in einigen Punkten verbesserungswürdig. Das in den USA geltende Prinzip der Nachwuchsförderung „to attract the best and brightest“ bedeutet auch, dass durch eine einseitige Bevorzugung männlicher Bewerber in den chirurgischen Disziplinen auf mehr als die Hälfe der derzeitigen Medizinstudenten alleine aufgrund ihres Geschlechts verzichtet wird. Gerade Universitätskliniken sind jedoch in besonders hohem Maß auf qualifizierte und motivierte Mitarbeiter angewiesen, um auch weiterhin innovative Techniken und wissenschaftlichen Fortschritt zu repräsentieren. In Zeiten des zunehmenden Ärztemangels bieten sich deshalb gute Chancen für engagierte Ärztinnen eine chirurgische Karriere zu verfolgen.

Zum Vergleich der Ergebnisse der vorgestellten Studie zur Situation von Ärztinnen an den deutschen chirurgischen Universitätskliniken ist die Durchführung einer europaweiten Studie geplant.

Interessenkonflikt:

Der korrespondierende Autor versichert, dass keine Verbindungen mit einer Firma, deren Produkt in dem Artikel genannt ist, oder einer Firma, die ein Konkurrenzprodukt vertreibt, bestehen.

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