Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz

, Volume 54, Issue 5, pp 533–540

Therapie der Adipositas aus sozialpädiatrischer, ernährungstherapeutischer und gesundheitswissenschaftlicher Sicht

Leitthema

DOI: 10.1007/s00103-011-1266-5

Cite this article as:
Wiegand, S., Bau, A. & Babitsch, B. Bundesgesundheitsbl. (2011) 54: 533. doi:10.1007/s00103-011-1266-5

Zusammenfassung

Die Prävalenz von Adipositas sowie der damit verbundenen Komorbiditäten bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten drei Jahrzehnten weltweit deutlich zugenommen. Eine Veränderung dieses Trends setzt umfangreiche bevölkerungsbezogene Maßnahmen der Gesundheitsförderung/Prävention und in der Versorgung voraus. Durch eine langfristige Verbesserung des Ernährungsverhaltens unter Einbeziehung der Familie und eine kindgerechte Gestaltung der Lebenswelt können sowohl individuelle Therapieerfolge erreicht, als auch die Adipositasprävalenz gesenkt werden. Mit einer normalen Mischkost, deren Energiegehalt aufgrund eines reduzierten Fett- und Zuckergehaltes um 300 bis 400 kcal geringer ist als der tägliche Energiebedarf eines Kindes/Jugendlichen, wird eine signifikante BMI-Reduktion erreicht. Voraussetzung ist, dass die gesamte Familie bereit ist, ungesunde Ernährungsgewohnheiten (zum Beispiel Soft Drinks und Fast Food) zu verändern und regelmäßige Mahlzeiten einzuführen. Die meisten Therapieprogramme kombinieren die Ernährungsumstellung sinnvollerweise mit vermehrter körperlicher Aktivität und einer Elternschulung. Kontrollierter Medienkonsum, aktives Freizeitverhalten und ein strukturierter Alltag sind weitere Bedingungen für eine erfolgreiche, nachhaltige Gewichtsreduktion. Die Risikogruppen für kindliche Adipositas, das heißt Familien mit Migrationshintergrund und/oder niedrigem Sozialstatus, werden von etablierten Programmen bisher selten erreicht.

Schlüsselwörter

Kindliche AdipositasErnährungstherapieLifestyleMigrationshintergrundBildung

Dietary interventions and social care for treating obesity in children

Abstract

The prevalence of obesity and associated comorbidities among children and adolescents has risen worldwide throughout the past 3 decades. To break this trend, population-based activities in health promotion/prevention and health care are necessary. Studies showed that long-term eating behavior improvement with the cooperation of the patient’s family together with child-friendly organization support both individual therapeutic improvements as well as a relevant reduction of obesity prevalence. A significant BMI reduction can be achieved with a normal varied diet, whose energetic value is 300–400 kcal/day below the patient’s daily energetic needs, due to the lower consumption of fat and sugar. This requires, however, that the entire family be willing to change their unhealthy eating behaviors (e.g., soft drinks and fast food) and to introduce regular meals into their daily routine. Sensibly, most therapies combine diet therapy with increased physical activity and parental training. Controlled media consumption, active leisure-time behavior, and a structured daily routine are further conditions for successful weight reduction. The high-risk groups for pediatric obesity, i.e., families with migration background and/or low socioeconomic status, have been poorly reached by established programs.

Keywords

ChildObesityNutrition therapyLifestyleMigration Background

Copyright information

© Springer Medizin Verlag 2011

Authors and Affiliations

  1. 1.Interdisziplinäres Sozialpädiatrisches Zentrum der Charité-KinderklinikUniversitätsmedizin BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Berlin School of Public Health an der CharitéUniversitätsmedizin BerlinBerlinDeutschland